Kritik an Gesundheits-Werbung für Lebensmittel

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Von "ungesüßtem" Joghurt sollten sich Verbraucher nicht täuschen lassen. Er darf Süßstoffe enthalten. Foto: Oliver Berg

Berlin (dpa) - Mancher Joghurt ist "gesünder" als ein normaler - zumindest in der Werbung. Verbraucherschützer monieren, dass Kunden auf Etiketten häufig mehr Wohlbefinden angepriesen wird als eigentlich erlaubt.

Viele Lebensmittel mit versprochenem Extra-Nutzen für die Gesundheit locken Kunden nach Angaben der Verbraucherzentralen mit irreführenden Aufdrucken auf der Packung. Zu oft betrieben die Hersteller "Schönfärberei auf dem Etikett", kritisierte der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, am Mittwoch (14. Januar) vor der Agrarmesse Grüne Woche (16. bis 25. Januar) in Berlin. In einer Stichprobe seien bei 22 von 46 Produkten gesundheitsbezogene Aussagen über die EU-weit erlaubten Formulierungen hinaus verstärkt worden. Vielfach würden Hinweise wie "ungesüßt" missverstanden. Produkte mit viel Zucker und Fett sollten gar nicht mit Gesundheitsbezug beworben werden dürfen.

Beanstandet wurden in der Stichprobe zum Beispiel überzogene Aussagen auf der Packung. So stand statt der zulässigen Formulierung "tragen zu einer normalen Herzfunktion bei" auf dem Etikett eines Speiseöls "für ein gesundes Herz-Kreislaufsystem". Hintergrund ist, dass der Wortlaut von Gesundheitsversprechen nach EU-Regeln vorgegeben ist.

Die Verbraucherschützer forderten zudem, die Formulierung bestimmter Kennzeichnungen zu überprüfen. Laut einer Umfrage für die Analyse wird die Angabe "ungesüßt" oft falsch verstanden. Solche Produkte dürfen Süßstoffe enthalten, was 70 Prozent der Befragten aber für unzulässig gehalten hätten. Befragt wurden insgesamt 750 Menschen.

Der vzbv forderte zudem, dass wichtige Informationen für den Kauf auf die Vorderseite der Packung gehörten. Dies sollten mehr Hersteller freiwillig umsetzen, sagte Müller.

Lageplan Messegelände

Webseite der Grünen Woche

Die Angabe "ungesüßt" auf Lebensmitteln wird oft falsch verstanden. Solche Produkte dürfen Süßstoffe enthalten, was 70 Prozent der Befragten aber für unzulässig gehalten hätten. Was hinter denAngaben steckt, erklärt der Ratgeber "Achtung, Zucker" der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen:

Zuckerfrei oder ohne Zucker: Das Lebensmittel darf in diesem Fall nicht mehr als 0,5 Gramm Zucker pro 100 Gramm oder 100 Milliliter enthalten. Aber: Der Zucker kann mit Zuckeraustausch- oder Süßstoffen ersetzt werden. Die Lebensmittel sind dann zwar kalorienärmer als mit Zucker gesüßte, insgesamt aber nicht unbedingt kalorienarm.

Zuckerarm: Das Produkt darf mit dieser Bezeichnung nicht mehr als 5 Gramm Zucker pro 100 Gramm enthalten, beziehungsweise nicht mehr als 2,5 Gramm pro 100 Milliliter.

Ohne Zuckerzusatz: In diesem Fall dürfen keine Einfach- und Zweifachzucker zugesetzt werden. Dasselbe gilt für andere Lebensmittel, die wegen ihrer süßenden Wirkung verwendet werden. Das Lebensmittel kann aber trotzdem von Natur aus Zucker enthalten.

Reduzierter Zuckeranteil: Hier muss der Brennwert mindestens 30 Prozent geringer sein als bei einem vergleichbaren Produkt. Das Problem: Beim Einkauf ist der Vergleich meist schwierig.

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