Symptome und Therapien 

Parkinson – eine rätselhafte Krankheit

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Parkinson ist eine Erkrankung des Alters, erste Symptome treten meist nach dem 50. Lebensjahr auf.

Sie lässt sich nicht heilen und trifft vor allem ältere Menschen: Die Nerven-Krankheit Parkinson stellt Forscher immer noch vor viele Rätsel. Was man als Patient wissen sollte:

Bei einem großen Kongress für Neurologie suchen Experten derzeit nach Antworten. Hier haben wir für Sie die wichtigsten Fragen zum Thema Parkinson zusammengestellt:

Steigt die Zahl der Parkinson-Patienten?

Wie viele Menschen an der Erkrankung leiden, können auch Experten nur schätzen. Die Deutsche Parkinson-Gesellschaft nennt mehr als 4,1 Millionen Betroffene – weltweit. Und hierzulande?

„Man geht davon aus, dass auf 1000 Menschen ein Patient mit Parkinson kommt. Das wären 80.000 in Deutschland, wahrscheinlich sogar 100.000“, sagt Experte Professor Kai Bötzel. Er ist Oberarzt an der Neurologischen Klinik am Klinikum Großhadern in München.

Zwar gibt es keine Hinweise darauf, dass der Anteil der Betroffenen an der Bevölkerung steigt. Insgesamt dürfte ihre Zahl aber dennoch wachsen: Parkinson ist eine Erkrankung des Alters, erste Symptome treten meist nach dem 50. Lebensjahr auf. Weil der Anteil der älteren Menschen stetig wächst, steigt auch die Zahl der Patienten. Bei der Deutschen Parkinson-Gesellschaft rechnet man daher bis 2030 mit 8,7 Millionen Betroffenen weltweit.

Zittrige Hände: Ist das schon Parkinson?

Experte Bötzel gibt Entwarnung: „Wenn jemand beim Halten eines Gegenstandes, zum Beispiel einer Tasse, oder beim Schreiben zittert, so handelt es sich praktisch nie um Parkinson.“ Dieser sogenannte Alterstremor ist nicht krankhaft. Was aber stimmt: Muskelzittern gehört zu den typischen Parkinson-Symptomen. Im Unterschied zum Alterstremor trete es aber dann auf, wenn die Hand ganz ruhig liege oder, etwa beim Gehen, entspannt herabhänge. Man nennt das auch Parkinson-Ruhetremor.

Welche Anzeichen sind bei Parkinson typisch?

Als „Schüttellähmung“ hat der englische Arzt James Parkinson die Erkrankung vor fast 200 Jahren beschrieben. Nicht ohne Grund: „Das andere wesentliche Symptom der Parkinson-Erkrankung ist die Verlangsamung der Bewegungen“, erklärt Bötzel. „Das Gehen wird langsamer, die Arme schwingen dabei nicht so schön mit.“

Auch die Mimik nehme ab. Das Gesicht wirkt häufig wie zu einer Maske erstarrt. „Man hat dann oft den Eindruck, der Patient versteht gar nicht so genau, was man ihm sagt, da er keine mimischen Ausdrucks-Bewegungen hat“, sagt Bötzel. Auch die Stimme könne leiser werden. Weitere Symptome können auftreten, einige davon zeigt unsere Tabelle unten.

Wie kommt es zu den Beschwerden?

Im Gehirn der Patienten verklumpen bestimmte Eiweiße. Diese seien auch bei Gesunden vorhanden, bildeten bei ihnen aber keine Klumpen, erklärt Bötzel.

Neueren Erkenntnissen zufolge entstehen diese sogenannten Aggregationen in anderen Teilen des Körpers und breiten sich dann über Nervenbahnen bis ins Gehirn aus. Dort stören sie die Funktion von Nervenzellen. Und: Ist der Prozess der Aggregation erst einmal angestoßen, setze er sich unaufhaltsam fort, immer mehr Nervenzellen würden „infiziert“, sagt Bötzel.

Eiweißklumpen sammeln sich dann wie Müll in den Zellen – und bringen sie irgendwann zum Absterben. Besonders viele Zellen sind davon in der „Substantia Nigra“ betroffen. In dieser Gehirnregion wird bei Gesunden ein wichtiger Botenstoff gebildet: das Dopamin. Bei Parkinson-Patienten wird immer weniger davon hergestellt. Dieser Dopaminmangel im Gehirn führt zu den typischen Symptomen.

Welche Behandlung hilft Betroffenen?

Bislang lassen sich nur die Symptome lindern – indem man das fehlende Dopamin in Form einer Tablette ersetzt. „Dies funktioniert in der Regel außerordentlich gut“, sagt Bötzel. Viele Patienten könnten damit sogar weiter arbeiten und Sport treiben. Die Tabletten seien gut verträglich. Nur selten treten Nebenwirkungen auf. Neben den Medikamenten sei auch Krankengymnastik wichtig, Patienten sollten zudem so gut es geht sportlich aktiv sein. Denn: „Sind die Impulse vom Gehirn vermindert, erschlaffen Muskeln und Gelenke“, warnt Bötzel. „Das löst einen Teufelskreis aus.“

Die Behandlungs-Strategie richtet sich nach dem Stadium der Erkrankung. Ein Problem: Je länger Patienten die Tabletten einnehmen, desto kürzer wirken diese – nach etwa zehn Jahren oft nur noch wenige Stunden. Betroffene können dann für einige Stunden gar nicht mehr gehen und blieben wie festgefroren stehen, erklärt Bötzel. „Freezing“ nennt man dieses Phänomen.

Welche Operation hilft bei Parkinson?

Linderung kann dann die tiefe Hirnstimulation verschaffen. In einer Operation werden dazu Elektroden in das Bewegungszentrum des Gehirns eingeführt und dort, gespeist von einer Batterie, elektrische Impulse erzeugt. So werde bei Parkinson-Patienten sozusagen die „Bremse gelöst“, die Bewegung bessere sich deutlich und dauerhaft, die Medikamentendosis ließe sich meist reduzieren. Die Risiken dieser Methode seien gering, Patienten im Alter zwischen 50 und 60 profitierten am meisten von dieser Behandlung, sagt Bötzel.

Gibt es neue Parkinson-Therapien?

„Fast jedes Jahr gibt es neue Medikamente“, sagt Bötzel. Aber: Keines ist so wirksam wie die Dopamin-Tabletten. Einen echten Fortschritt gibt es also bislang nicht. Diskutiert wird aber auch über die Möglichkeit einer Impfung. Sie könnte dem Immunsystem das Signal geben: Diese Eiweißklumpen sind gefährlich, bekämpfe sie! Der Therapieansatz ist in der Probephase. Ob er sich bewährt, wird sich wohl frühestens in zwei bis drei Jahren zeigen.

Lässt sich Parkinson zumindest stoppen?

Bislang lässt sich die Krankheit nicht heilen – und nicht stoppen. Ändern soll das ein neuer Therapieansatz, den Forscher des Instituts für Neuropathologie der Ludwig-Maximilians-Universität in München entwickelt haben. Im Tierversuch zeigten sich erste Erfolge, sagt Bötzel. Jetzt versuche man die Ergebnisse auf Menschen zu übertragen. Bis zu einer neuen Therapie werde es noch einige Jahre dauern.

Das Parkinson-Syndrom betrifft den ganzen Körper

Eine Auswahl von Parkinson-Symptomen

- die bei Patienten auftreten können.

niedergedrückte Stimmung

verlangsamtes Denken

starre Mimik "Maskengesicht"

Schluckprobleme

starker Speichelfluss

undeutliche Sprache

erhöhter Blutdruck im Liegen
Schweißausbrüche

gestörte Darmaktivität

Durchfall oder Verstopfung

nach vorne gebeugter Gang

verlangsamte Bewegungen

Muskelzittern

Interview & Zusammenfassung: Andrea Eppner

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