Die wichtigsten Fragen & Antworten

"Pille danach" jetzt rezeptfrei: Das müssen Sie wissen

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Eine Frau hält eine "Pille danach in einer Apotheke in Köln in der Hand.

Düsseldorf - Die „Pille danach“ ist ab sofort ohne Rezept erhältlich. Doch viele sind skeptisch. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um die "Pille danach" und klären über die Bedenken der Ärzte auf.

Mehr Selbstbestimmung und Freiheit für die Frauen, sagen die einen. Gesundheitliche Risiken und mehr Abtreibungen, befürchten die anderen. Seit Sonntag ist die „Pille danach“ ohne Rezept in Apotheken erhältlich. Die Präparate ellaOne mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat (UPA) und PiDaNa mit dem Wirkstoff Levonorgestrel (LNG) werden nun verschreibungsfrei abgegeben. Einigen Experten bereitet die fehlende Kontrolle durch einen Arzt Kopfzerbrechen.

Wie wirkt die "Pille danach"?

Die "Pille danach" dient der Notfallverhütung. Die beiden oben genannten Wirkstoffe unterdrücken oder verzögern den Eisprung. Sie verhindern dadurch eine Befruchtung, wenn es vor dem Eisprung zum ungeschützten Geschlechtsverkehr gekommen ist. Es wird jeweils eine Tablette genommen. Um den Eisprung herum ist die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft am höchsten. Aber das Unwissen sei groß, sagt Werner Harlfinger, der vor kurzem in Düsseldorf die Frauenheilkundetagung Foko 2015 als Kongresspräsident leitete. „Wir Frauenärzte sind in großer Sorge, dass die Zahl der ungewollten Schwangerschaften und der Abbrüche steigt.“

Welche Bedenken gibt es gegen die Freigabe der "Pille danach"?

  • Den Wirkstoff UPA hält der Mediziner sogar für gefährlich. „Die Substanz hat es in sich.“ Die „Pille danach“ gelte als Verhütungsmittel, UPA könne allerdings in großer Menge abtreibende Wirkung haben, erklärt er. Werde nur eine UPA-Tablette mit der 30-Milligramm-Dosis eingenommen, sei die Einnahme sicher. Aber: „Wenn UPA höher dosiert wird und bereits eine Schwangerschaft vorliegt, kann es zu einem Abort kommen, also zu einer Abtreibung und zu lebensbedrohlichen Blutungen für die Frau.“
  • Fachverbände der Gynäkologen fürchten, dass Frauen in den Apotheken nicht ausreichenden beraten werden und es zu mehr unerwünschten Schwangerschaften kommt.
  • Was zum Beispiel kaum bekannt ist: Für schwere Frauen sind die beiden Präparate nicht geeignet. Ab 75 Kilogramm lasse die Wirkung von LNG nach, bei über 90 Kilogramm sei auch UPA zur nachträglichen Verhütung nicht mehr geeignet, warnt Harlfinger. „Es dürfte wohl schwierig werden für den Apotheker, nachts durchs Fensterchen einzuschätzen, wie viele Kilos die Frau vor ihm wiegt.“ Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hält die Studiendaten allerdings für zu "begrenzt und nicht eindeutig" und empfahl, die "Pille danach" weiterhin bei allen Frauen anzuwenden und zwar unabhängig vom Körpergewicht. Ein weiteres Problem: Wer etwa zu Thrombose neige, dürfe kein LNG verwenden, betont der Berufsverband der Frauenärzte.
  • Sorge vor Sorglosigkeit geht um. Am häufigsten nehmen 16- bis 20-Jährige die „Pille danach“ ein. „Den jungen Frauen wird es jetzt supereinfach gemacht, ich sehe das sehr kritisch“, sagt Hebamme Gaby Robes. „Die Frauen haben eine größere Freiheit. Aber es könnte sein, dass damit leichtsinnig umgegangen wird, auch mit Blick auf Sexualität, auf wechselnde Partnerschaften.“ Und: „Es ist nicht gut, dass der Austausch mit dem Gynäkologen verloren geht, dass die Frau nicht vorher erfährt: Was macht das mit meinem Körper?“
  • Birgit Seelbach-Göbel, Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie, sagt: „Es wird eine Unmenge von Frauen geben, die die „Pille danach“ einnehmen wird. Leider auch viele, die sie gar nicht brauchen, weil sie vom Zyklus her nicht schwanger werden können.“
  • Und: „Es sieht nach Freiheit aus. Aber tatsächlich ist es vor allem ein großer Markt. Und die Pharmaindustrie profitiert.“

Wie lange wirken die Medikamente?

Je mehr Zeit nach dem Sex vergeht, desto weniger wirksam ist die "Pille danach". Sie sollte also so schnell wie möglich genommen werden. Die Pille mit dem Wirkstoff Levonorgestrel muss bis spätestens 72 Stunden (drei Tage) danach genommen werden. Nach 24 bis 48 Stunden ist sie nur noch zu 85 Prozent wirksam und danach nur noch zu 58 Prozent. Ulipristalacetat wirkt etwas länger und muss bis spätestens 120 Stunden (fünf Tage) danach genommen werden. Auch danach muss bis zur nächsten Monatsblutung weiter verhütet werden - und zwar nichthormonell, also mit Kondom.

Gibt es einen 100-prozentigen Schutz vor Schwangerschaft?

Nein, nicht nur wegen der nachlassenden Wirkung. Auch die gleichzeitige Einnahme beispielsweise von Antibiotika, Antidepressiva, Mitteln gegen Epilepsie und Arzneien mit Johanniskraut kann die Wirksamkeit mindern.

Kann sie als normales Verhütungsmittel verwendet werden?

Nein. Die "Pille danach" ist ein hoch wirksames Hormonpräparat und kein reguläres Verhütungsmittel. Es sollte nur im Notfall eingenommen werden. Ihre Sicherheit ist zudem nicht mit anderen hormonellen Verhütungsmitteln zu vergleichen. Auch liegt zum Beispiel die Dosis von Levonorgestrel beim 15-fachen der üblichen Tagesdosis von Antibabypillen.

Ist die Pille weiterhin kostenlos?

Die „Pille danach“ ohne Rezept müssen Mädchen und junge Frauen selbst bezahlen. Ein Anspruch auf Kostenübernahme durch die Krankenkassen besteht nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit nur nach Verschreibung und für Frauen und Mädchen unter 20 Jahren.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Es kann zu Blutungen, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel, Schmerzen im Unterbauch und Kopfschmerzen kommen.

Warum wird die Rezeptpflicht aufgehoben?

Die Rezeptfreiheit ist von Brüssel vorgegeben, für die gesamte Europäische Union (EU). In der Politik sehen das viele positiv. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) meint: „Es wird höchste Zeit, dass Frauen in Deutschland genauso selbstbestimmt über den Bezug der „Pille danach“ entscheiden können wie in anderen Ländern der EU.“

Auch Studentin Marie hält den Schritt für richtig. „Es hilft, wenn man in einer Notlage ist und Angst hat vor einer Schwangerschaft.“ Manche junge Frau habe vielleicht Hemmungen, nach einem One- Night-Stand für ein Rezept zum Arzt zu gehen. „Ich weiß nicht, ob ich die „Pille danach“ nehmen würde, aber ich finde es gut, dass Frauen diese Wahlfreiheit bekommen“, meint die 20-Jährige.

dpa/AFP

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