Rauchen im Wandel der Zeit

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Rauchen war für Frauen lange Zeit nicht gestattet. Erst mit der Emanzipationsbewegung wurde die Zigarette zum Inbegriff selbstbestimmter Weiblichkeit.

Rauchen ist mehr als bloße Bedürfnisbefriedigung, das Ritual hat Tradition und gehört seit Jahrhunderten zur Kultur der Menschheit. Dabei hat das Rauchen viele Veränderungen durchgemacht. Eine Zeitreise von der Friedenspfeife bis zur elektrischen Zigarette.

Die Geschichte der Rauchkultur in Europa begann mit der Entdeckung der Neuen Welt. Als Christoph Columbus 1492 auf den Bahamas landete, machten die Inselbewohner ihm Geschenke, unter anderem auch Tabakblätter. Die Urvölker Amerikas nutzen die Tabakpflanze für Zeremonien und ehrten mit dem Rauchen ihre Götter. Sie rollten den Tabak ein, zündeten ihn an und inhalierten den Rauch.

Rauchen als Medizin

Die europäischen Matrosen fanden Gefallen am Rauchen und führten es in ihrer Heimat ein. In Europa wurde die Pflanze zunächst nicht gleich als Genussmittel bekannt, sondern als Medizin. Ärzte empfahlen Tabak als Allheilmittel, beispielsweise gegen Kopfschmerzen, Gicht, Tetanus und die Pest.  

Tabak wurde zu einem bedeutenden Handelsgut auf der ganzen Welt. Mit der Verbreitung des Tabaks änderte sich dessen Verwendung. Im 17. Jahrhundert rauchten immer mehr Menschen zum reinen Vergnügen Tabak in Ton-, Holz-und Porzellanpfeifen.

Schon damals gab es nicht nur Befürworter des Rauchens. Im Russland des 17.Jahrhunderts wurde Rauchen mit dem Aufreißen der Nase bestraft. Im Osmanischen Reich drohte Rauchern sogar die Todesstrafe.

Schnupftabak: Dem Adel gefällt das Rauchen nicht

Das 18. Jahrhundert gilt als Zeitraum des Schnupftabaks. Da der absolutistische Herrscher Ludwig der XIV. das Pfeife-Rauchen zutiefst verabscheute, verordnete er seinem Hofstaat kurzerhand den Schnupftabak. Es entwickelte sich ein Kult rund um das Schnupfen.

Zigarre als Symbol des aufstrebenden Bürgertums

Die Zigarre avancierte mit der Revolution von 1789 zum Statussymbol der neuen Oberschicht. Sie wurde zum Inbegriff von Freiheit, aber auch sozialer Autorität. Der Schnupftabak geriet in Verruf. Vornehme Herren trafen sich nach dem Dinner zum Rauchen im hauseigenen Raucherzimmer. Dort frönte man dem Laster bei einem Digestif. Für die Frauen war Rauchen tabu, bis die Emanzipationsbewegung die Qualmerei als Menschenrecht reklamierte.

Der späte Siegeszug der Zigaretten

Erst im 19. Jahrhundert hat die Zigarette ihren weltweiten Siegeszug angetreten und Schnupftabak, Pfeife und Zigarre den Rang abgelaufen.

Die Arbeiterinnen der Tabakmanufakturen wickelten die Abfälle der Zigarrenproduktion in Papier, um sie nutzbringend zu verwerten. Der amerikanische Unternehmer James Buchanan Duke erkannte den Trend und trieb die Massenproduktion der praktisch zu handhabenden Zigarette voran. Plötzlich war Rauchen nicht mehr dem reichen Bürgertum vorenthalten, sondern für jedermann erschwinglich.

Den unvergleichbaren Erfolg der Zigarette machte aber vor allem das Lebensgefühl aus, für das sie stand: Raucher waren frei, sexy und cool. Hollywood-Filmstars rauchten auf der Leinwand, Politiker zeigten sich im Wahlkampf mit Zigarette und die Bevölkerung tat es ihnen gleich.

Bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts interessierte sich keiner für die gesundheitlichen Risiken des Rauchens. Erst der 1964 veröffentlichte Terry Report, der die Sterbedaten von Rauchern und Nichtrauchern miteinander verglich, erschütterte die Weltöffentlichkeit. Wachsende Kenntnisse über die gesundheitlich schwerwiegenden Folgen des Rauchens haben viele Staaten dazu veranlasst, das Rauchen in der Bevölkerung einzudämmen, zum Beispiel durch die Erhöhung der Tabaksteuer.

Zukunft des Rauchens: die elektronische Zigarette

Diese Veränderungen haben den Weg für die elektrische Zigarette als tabakfreie Alternative zur herkömmlichen Zigarette geebnet. Die E-Zigarette wurde bereits 2004 von einem chinesischen Hersteller auf den Markt gebracht. Das Prinzip der elektrischen Zigarette funktioniert ähnlich wie eine Nebelmaschine. Jede elektronische Zigarette besteht aus einem Akku und einem Depot, das mit Flüssigkeit gefüllt wird. Zieht der Raucher an der E-Zigarette, wird die Flüssigkeit in die Verdampfereinheit geleitet. Diese befindet sich zwischen Akku und Depot und erhitzt die Flüssigkeit durch winzige Heizdrähte. Es entsteht ein aromatisierter Dampf, den der Raucher einatmet. Die E-Zigarette verspricht ein authentisches Rauch-Gefühl ohne die schädliche Verbrennung des Tabaks.

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