Tropische Mücken machen Allergikern Angst

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Tropische Mücken machen Allergikern Angst

Riesige dicke Quaddeln nach einem Insektenstich: Könnte das eine asiatische Tigermücke oder ein Buschmoskito gewesen sein? Noch sind diese tropischen Plagegeister relativ selten in Deutschland.

Sie sind winzig klein, aber wenn sie zustechen, hinterlassen sie riesige Beulen. Stechmücken nerven nicht nur. Für Allergiker können sie sogar lebensbedrohlich sein. Nun warnen Mediziner vor einer neuen Gefahr: tropische Stechmücken, die sich in Deutschland ausbreiten. Grund zur Panik besteht allerdings nicht. Oft mache nur die Angst aus der Mücke einen Elefanten, sagen Experten.

49 Mückenarten gibt es in Deutschland, so genau weiß das die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS). „In den letzten fünf Jahren sind drei bis vier neue dazugekommen“, sagt der wissenschaftliche Direktor Norbert Becker. Darunter sind die asiatische Tigermücke und der Buschmoskito. Auch Mückenarten aus dem Mittelmeerraum hat die KABS neu in Deutschland nachgewiesen.

Blutrünstige Plagegeister: Kleine Mückenkunde

Je feuchter und wärmer der Sommer, desto besser vermehren sich Mücken. Eine Pfütze reicht ihnen schon. Doch nur die Weibchen stechen zu. Eine kleine Mückenkunde: © dpa
Warum stechen Mücken? Stechmücken ernähren sich von zuckerhaltigen Pflanzensäften. Für die Reifung der Eier bei der Vermehrung braucht das Weibchen allerdings eiweißreiche Nahrung. Nur darum saugt es Blut - bei Tier und Mensch. © dpa
Ein Mückenweibchen kann nach einer Blutmahlzeit bis zu 300 Eier legen. Die Vermehrung von Mücken ist temperaturabhängig und dauert im Sommer nur wenige Tage. © dpa
Mückenweibchen besitzen für das Blutsaugen einen hochspezialisierten Rüssel. Beim Blutsaugen wird Speichelflüssigkeit abgegeben, die unter anderem die Stichstelle betäubt. Das Speichelsekret wird in der Regel erst nach dem Stich vom Immunsystem des Gestochenen erkannt. Es löst den Juckreiz und kleine Schwellungen aus. © dpa
Können Mücken Krankheiten übertragen? Für unsere Breiten ist das nicht bekannt. Vor allem in den Tropen gelten Mücken aber als Überträger zahlreicher Krankheitserreger wie Viren, Einzeller und Fadenwürmer. © dpa
Gefährliche Krankheiten, die mit Stechmücken in Zusammenhang stehen, sind die Malaria oder das Gelbfieber. Doch nicht jede Mückenart kann jeden Erreger übertragen. © dpa
Wie schützt man sich am besten vor Mücken?Wer keine Plagegeister mag, sollte auf dünne Kleidung und nackte Haut verzichten. Da viele Mückenarten die Schwüle und die Dämmerung lieben, empfiehlt es sich, im Haus zu bleiben. Dort können Fenstergitter Mücken fernhalten. Haut mit natürlichen und synthetischen Abwehrstoffe einschmieren oder auch damit die Kleidung imprägnieren.  © dpa
Oberstes Gebot ist beim Mückenstich: nicht kratzen! Durch das Kratzen verlängert sich nicht nur der Heilungsprozess, sondern es kann auch zu bakteriellen Sekundärinfektionen kommen, die sich zu bösen Entzündungen entwickeln können. Durch Einreiben mit alkoholischen Lösungen kann man die Stichwunde desinfizieren. Kühlung hilft, den Juckreiz zu unterdrücken. Nach einigen Tagen sollten Juckreiz und Quaddel verschwunden sein.   © dpa

Sie würden meist mit Warenlieferungen oder Reisegepäck nach Deutschland eingeschleppt. Der - von Laien oft als Ursache vermutete - Klimawandel habe damit nur mittelbar zu tun, erklärt Becker: „Die Globalisierung spielt eine viel wichtigere Rolle als das Klima.“ Von der asiatischen Tigermücke zum Beispiel gibt es laut KABS nur (eingeschleppte) Einzeltiere. Wenn das Wetter warm und feucht ist, bleiben die Gäste manchmal aber auch länger. Der Buschmoskito zum Beispiel hat sich laut Becker in Teilen Baden-Württembergs etabliert.

Egal ob einheimische oder neu zugewanderte Tierchen: Das Allergie-Zentrum Wiesbaden beobachtet seit Jahren „zunehmend schwere allergische Reaktionen auf Stiche und Bisse von Mücken, Flöhen, Läusen, Bremsen und Ameisen“, wie Prof. Ludger Klimek berichtet. Zahlenmäßig sei das aber noch kein größeres Problem. „Mögliche Folgen eines Stiches sind bei Allergikern die Bildung von zentimetergroßen, stark juckenden Hautrötungen und Quaddeln und Hautentzündungen.“ Bei schweren Fällen drohe sogar die Gefahr eines lebensbedrohlichen Schocks.

Die neu eingewanderten Mücken würden „oftmals besonders schwere Reaktionen verursachen“, sagt Klimek. Erschwerend komme hinzu, dass es für Allergien gegen Tropenmücken weder Allergietests noch spezifische Immuntherapien gebe.

Der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) bestätigt die These, „dass tropische Mückenarten bei uns heimisch werden und ein prinzipiell hohes Allergierisiko in sich bergen“. Man wisse allerdings nur von „einzelnen Fällen“, sagt Sprecherin Sonja Lämmel. Wie viele Menschen auf das Gift tropischer Mücken allergisch sind, und welche Tiere welche Symptome auslösen - auf diese Fragen hat auch der wissenschaftliche Beirat des DAAB keine Antwort. Es gebe viel zu wenig Zahlen und keine aussagekräftigen Untersuchungen.

Ein Massenphänomen ist es sicher nicht. Bei der bundesweiten Beratungshotline des DAAB sind in den vergangenen Jahren jedenfalls nicht mehr Anfragen wegen allergischer Reaktionen auf Insektenstiche eingegangen - weder auf die heimischen noch auf neu eingewanderte Mücken. „Auffällig ist allerdings jedes Jahr, dass von Patienten solche allergischen Reaktionen vermutet werden, die sich dann aber meist schon im Gespräch ausschließen lassen“, sagt Sonja Lämmel.

dpa

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