Hilfe im Winter: Igel brauchen es unordentlich

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Setzt der erste Frost ein, verkriechen sich Igel in ihre Winternester. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Berlin (dpa/tmn) - Laubhaufen und Reisighügel: Igel lieben solche Rückzugsorte. Sinken die Temperaturen, sind die Stacheltiere dringend auf sie angewiesen. Und Gartenbesitzer müssen nicht einmal viel tun, um dem Igel zu helfen.

Ein Herbstabend im Garten: Im Gebüsch schmatzt es vernehmlich. Lautes Rascheln, dann schaut die spitze Schnauze eines Igels zwischen den Blättern hervor. Vor allem im Herbst sind Igel auf reiche Beute angewiesen, denn jetzt fressen sie sich ein Fettpolster für den Winterschlaf an.

Bei anhaltenden Temperaturen um den Gefrierpunkt verkriechen Igel sich im Oktober oder November in ihre Winternester. Gut geschützt in Hecken, Reisig- oder Laubhaufen verbringen sie dort die kalten Monate und werden erst wieder im März oder April aktiv.

Ausgeräumte Agrarlandschaften mit riesigen Äckern bieten den stacheligen Insektenfressern nicht mehr genügend Unterschlupf und Futter. Daher zieht es die Igel in Parks und Gärten. Doch auch hier haben sie es oft nicht leicht: Viele Gartenbesitzer räumen so gut auf, dass Igel weder Verstecke noch Käfer oder Würmer finden. Julian Heiermann vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) empfiehlt daher, im Garten auf Spritzmittel zu verzichten. Denn Igel sind auf Insekten als Futter angewiesen.

Auch Gartengeräte, wie elektrische Sensen oder Laubsauger, können Igeln zum Verhängnis werden. Bei der Gartenarbeit sollte man daher genau hinschauen, ob sich unter einer Hecke oder im Gebüsch ein Igel versteckt. "Sonst passieren zum Teil grässliche Verletzungen", sagt Ulli Seewald vom Verein Pro Igel.

Ohnehin fühlen Igel sich in einem unordentlichen Garten am wohlsten. Wer Laub und abgeschnittene Äste am Komposthaufen oder unter den Büschen zusammenkehrt, statt sie ins Kompostwerk zu fahren, hilft ihnen. Denn in Laub- und Reisighaufen finden Igel Schutz und einen Platz für den Winterschlaf.

Wer einen Igel versehentlich aufscheucht, muss nicht in Panik verfallen: "Wenn der Igel die Möglichkeit hat, sich woanders zu verkriechen, zieht er sich von selbst wieder zurück", erklärt Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund.

Läuft ein Igel ohne erkennbaren Grund tagsüber herum, sollte man ihn allerdings genau beobachten. Vor allem im Winter, bei Dauerfrost oder geschlossener Schneedecke, ist das meistens ein Zeichen dafür, dass es dem Tier nicht gut geht. Kranke Igel sind oft abgemagert, die Hüftknochen stehen auffällig hervor, die Augen sind eingefallen oder das Tier rollt sich bei Gefahr kaum noch ein.

Statt den Gartenbewohner gleich im Hobbykeller einzuquartieren, sollten Igelhelfer sich erst einmal Rat bei einem Experten holen. Tierärzte, der Tierschutzverein oder die Gruppe des Naturschutzbundes vor Ort können Auskunft darüber geben, welche örtliche Initiative sich um hilfsbedürftige Igel kümmert.

Doch nicht immer ist es nötig, den Igel in Pflege zu nehmen. Vor allem im Herbst hilft abgemagerten Tieren oft schon eine ordentliche Stärkung. Allerdings sollten sich Tierfreunde vorher genau über den Speiseplan informieren. "Igel sind Insektenfresser, sie fressen kein Obst und Gemüse", sagt Seewald. Wer den stacheligen Tieren Milch oder Essensreste hinstellt, schadet ihnen sogar. Ungesalzenes Rührei, Katzenfutter oder spezielles Igelfutter aus dem Fachhandel sind dagegen gut geeignet, um einen Igel wieder aufzupäppeln.

NABU-Infos über Igel

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