Auch ohne Spitzennoten zum Wunsch-Studium

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In Baden-Württemberg sind Auswahltests und Auswahlgespräche für Uni-Bewerber wieder eingeführt worden.

Bonn - Als erstes Bundesland hat Baden-Württemberg verpflichtend an allen Hochschulen Auswahlgespräche eingeführt. So soll für jeden Anfänger die richtige Uni gefunden und die Zahl der Studienabbrecher gesenkt werden.

Um den passenden Auszubildenden zu finden, greifen Unternehmen immer öfter auf Auswahltests zurück. Auch die Hochschulen wollen sich nun nicht mehr nur auf die Abiturnote verlassen: Baden-Württemberg hat als erstes Bundesland für die staatlichen Hochschulen Studierfähigkeitstests und Auswahlgespräche beschlossen. Ab dem Wintersemester 2011/12 sind sie in allen Studiengängen mit Zulassungsbeschränkung Pflicht. Eine Chance vor allem für Abiturienten mit nicht so tollem Notendurchschnitt.

Mithilfe der Tests soll die Abbrecherquote gesenkt werden. Denn immerhin merkt etwa ein Viertel bis ein Drittel der Studenten in Deutschland erst nach der Aufnahme ihres Studiums, dass das Fach oder ein Studium überhaupt gar nichts für sie ist - und schmeißen es hin.

Prominente Sitzenbleiber

Prominente Sitzenbleiber

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Die ehemalige Bundesministerin für Bildung und Forschung, Edelgard Bulmahn, ist in der 10. Klasse wegen Latein sitzengeblieben. © dpa
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Der spätere britische Premierminister Winston Churchill hasste als Kind die Schule. Er nannte sie den "trüben Fleck auf der Landkarte seines Lebens". Sitzengeblieben ist er wegen den Fächern Latein und Sport. © dpa
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Thomas Edison entpuppte sich später als Genie und Erfinder. In seiner Schulzeit gehörte er eher zu den schlechten Schülern. Eine Ehrenrunde musste er drehen. © dpa
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Es gibt die Geschichte, dass Albert Einstein in Mathe nur Fünfen schrieb und deshalb ein Jahr wiederholen musste. Das ist allerdings nur ein Mythos. Wahr ist, dass das Physikgenie mit 15 das Münchner Gymnasium verließ und erst auf Umwegen das Abitur erlangte. © dpa
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Werbe-Ikone Verona Pooth machte nie einen Schulabschluss. Sitzengeblieben ist sie streng genommen allerdings auch nicht: Sie hat eine Klasse freiwillig wiederholt. © dpa
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Der TV-Moderator und Theologe Jürgen Fliege musste insgesamt sogar drei Ehrenrunden drehen. © dpa
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Der Dramatiker George Bernhard Shaw besuchte nur ein paar Jahre lang die Schule. Danach ließ er kein gutes Haar an ihr.
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Der österreichische Schriftsteller und Dramatiker Franz Grillparzer hasste als Kind die Schule. Er ist sitzengeblieben und hat sich außerdem Prüfungsfragen erschlichen.
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Gerhart Hauptmann hatte für die Schule in seiner Jugend nicht viel übrig. Trotz Ehrenrunde hat er es später als Schriftsteller zu großem Erfolg gebracht.
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Später ist er als großer Schriftsteller bekannt geworden. In der Schule gehörte Hermann Hesse allerdings nicht zu den besten. Er musste einmal eine Ehrenrunde drehen.
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ZDF-Moderator Johannes B. Kerner schaffte das Gymnasium auch nicht in neun Jahren. Große Probleme hatte er mit den Naturwissenschaften. Er musste die 8. Klasse zweimal machen. © dpa
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Selbst ein späterer Vorzeige-Schriftsteller und Nobelpreisträger ist vorm Sitzenbleiben nicht gefeit. So schaffte Thomas Mann die Mittlere Reife erst im zweiten Anlauf.
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Harald Schmidt musste die 12. Klasse wiederholen und hatte in seinem Zeugnis insgesamt fünf Fünfen. © dpa
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Für Mehmet Scholl waren die Fünfen in Latein und Französisch Grund für die Ehrenrunde. © dpa
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Tierfilmer Heinz Sielmann interessierte sich schon als Kind für Tierbeobachtungen. In Mathe war er allerdings nicht so gut, in der 10. Klasse blieb er einmal sitzen. © Nestor Bachmann (Zentralbild)
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Die nordrhein-westfälische Bildungsministerin Barbara Sommer (CDU) wirbt überall für das G8 und forderte vergangenes Jahr weniger Sitzenbleiber. Für ihr eigenes Abitur brauchte sie jedoch 14 Jahre. © dpa
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Peer Steinbrück (SPD) musste die 8. Klasse wiederholen. Der heutige Bundesfinanzminister hatte damals neben Altgriechisch besonders Probleme mit der Mathematik. © dpa
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Edmund Stoiber traf es bereits in der 7. Klasse wegen Latein. Papa Stoiber verbot ihm daraufhin Fußball gucken und Fußball spielen. © dpa
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Dass Otto einmal eine Ehrenrunde drehen musste, wird viele nicht allzu sehr erstaunen. Gleich in vier Fächern hatte der erfolgreiche Komiker damals Probleme: Neben den Klassikern Mathe, Englisch und Latein auch im Fach Religion. © dpa
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Vor schlechten Noten bleibt keiner verschont, auch nicht der Komponist Richard Wagner. Er musste in seiner Schulzeit auch eine Klasse wiederholen.
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Auch Politiker sind vor dem Sitzenbleiben nicht verschont geblieben. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle musste auch einmal eine Ehrenrunde drehen. © dpa
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Als Moderator der ARD-Tagesthemen und Buchautor hat es Ulrich Wickert zu großem Erfolg geschafft. In der Schule war er allerdings eher gelangweilt und desinteressiert. © dpa
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Heute regiert Klaus Wowereit (SPD) die Stadt Berlin. In seiner Schulzeit war er nicht immer so erfolgreich, auch ihm blieb eine Ehrenrunde nicht erspart. © dpa
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Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) wiederholte die 10. Klasse wegen Englisch und Französisch. © dpa
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TV-Comedian Dirk Bach hatte schon in seiner Schulzeit andere Dinge als Lernen im Kopf. Drei Mal ist er sitzengeblieben, bevor er die Mittlere Reife schaffte. © dpa
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Boris Becker erhielt zwei Jahre schulfrei - Tennis ging damals vor. Mit 17 ging der jüngste Wimbledon-Sieger aller Zeiten deshalb auch komplett von der Schule - ohne Abschluss. © dpa
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Auch Reinhold Beckmann hat eine Ehrenrunde gedreht. In der elften Klasse hieß es für ihn "Nochmal, bitte!" © dpa

“Sinn und Zweck der Studierfähigkeitstests ist es, die optimale Passung zwischen Hochschulprofil und Bewerberprofil zu finden“, sagt Christoph Heine von der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) in Hannover. Die Hochschulen würden sich geeignete Kandidaten wünschen, die ihr Studium gut und schnell beenden.

Die Firma ITB Consulting in Bonn entwickelt entsprechende Tests. “Es soll schon früh sowohl für den potenziellen Bewerber als auch für die Hochschule sichtbar werden, ob die Anforderungen des Studiengangs zur Eignung und Neigung der Person passen“, sagt ITB-Berater Alexander Zimmerhofer. Die Tests seien für den Prüfling eine Hilfe bei der Frage, ob er das Studium aufnehmen soll.

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Meistens werden die Ergebnisse der Prüfung den Bewerbern und nicht den Hochschulen mitgeteilt. Die Prüflinge können dann selbst entscheiden, ob sie das Ergebnis einreichen und so ihre Chancen auf einen Studienplatz erhöhen oder ob sie sich doch nicht bewerben.

So ist ein entsprechender Auswahltest etwa bei den betriebswirtschaftlichen Studiengängen an den Hochschulen Aalen, Albstadt-Sigmaringen, Heilbronn und Pforzheim vorgeschrieben. Der Test fragt Textverständnis, Sprachgefühl und schlussfolgerndes Denken ab. Fachkenntnisse werden nicht vorausgesetzt. Bewerber können sich mit der Prüfung nur verbessern. Liegt das Ergebnis der Prüfung unter der Abiturnote, wird es nicht berücksichtigt.

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Überhaupt helfen gute Noten bei der Bewerbung um einen Studienplatz immer noch am meisten. “Nach wie vor spielt das Abitur die entscheidende Rolle bei der Auswahl der Bewerber, vor allem bei der Zulassung zum Bachelorstudium“, sagt Stefanie Busch von der Hochschulrektorenkonferenz in Bonn. Die Auswahltests seien jedoch vor allem für jene ohne Spitzen-Abi eine weitere Chance.

Abgefragt werden in den Prüfungen je nach Studienrichtung ganz unterschiedliche Fähigkeiten. Test-Berater Zimmerhofer nennt Beispiele: “Bei einigen Tests wird die Arbeit mit Texten erfasst und geschaut, inwieweit der Bewerber komplizierte Texte lesen, verstehen und interpretieren kann.“ Andere Tests prüfen, ob sich der Bewerber Material gut merken und logische Schlüsse ziehen kann oder ob er ein gut ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen hat.

Genauere Informationen erhält man bei den jeweiligen Studierendensekretariaten der Hochschulen. So müssen Bewerber im Bachelor-Fach “Deutsch als Fremdsprache“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München etwa einen Aufsatz zu einem vorgegebenen Thema schreiben und kurze Texte interpretieren. Wer in München Bioinformatik studieren möchte, wird in einem Eignungsgespräch zu seinen Vorstellungen zum Studium und seiner Motivation befragt.

Bewerber im Bachelor-Fach Psychologe der Freien Universität Berlin werden zu einem Test gebeten, den die Deutsche Gesellschaft für Psychologie entwickelt hat und der bald auch an anderen Hochschulen angewandt werden könnte. Der Test fragt kognitive Fähigkeiten ab, aber auch fachspezifisches Wissen wie die Grundlagen der Wahrscheinlichkeitstheorie, Statistik und Neurobiologie. Auch das das Psychologie-Verständnis wird getestet.

“Der Einsatz von Auswahlgesprächen und -tests wird in Deutschland sehr heterogen gehandhabt“, sagt Stefanie Busch von der HRK. “Erfahrungsgemäß ist das beim grundständigen Studium aber weniger verbreitet als beim Master.“

In einigen Fächern haben sich Auswahltests bereits durchgesetzt. Bewerber für Studiengänge im Bereich Kunst mussten immer schon eine Mappe mit Zeichnungen oder ähnlichen künstlerischen Werken einreichen. Auch in sportwissenschaftlichen Fächern werden die Bewerber oft praktisch in Disziplinen wie Turnen geprüft. Bekannt ist auch der sogenannte “Medizinertest“ für angehende Zahn-, Tier- und Humanmediziner. Er fragt unter anderem das naturwissenschaftliche Verständnis ab. Der Test ist nicht verpflichtend, die Hochschulen verrechnen die Abiturnote aber mit dem Testergebnis - fehlt das Testergebnis, verschlechtert sich die Quote.

dpa

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