Abgelehnte Bewerberin klagte

Zu dick für Job mit Größe 42? Schlappe vor Gericht

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Die abgelehnte Job-Bewerberin (l.) mit Kleidergröße 42 will vor Gericht eine Entschädigung einklagen.

Darmstadt - Eine Job-Bewerberin wird nach dem Vorstellungsgespräch abgelehnt. Der Vorwurf: Sie sei zu dick. Die Frau fühlt sich diskriminiert, fordert Schmerzensgeld - und scheitert.

Die 42-Jährige, die Kleidergröße 42 trägt, hatte sich 2012 bei einer Organisation aus dem Gesundheitsbereich beworben. Nach einem Vorstellungsgespräch wurde die Frau, die nach eigener Aussage bei einer Größe von 1,70 Metern 83 Kilo wiegt, dann aber nicht genommen - angeblich wegen ihrer Leibesfülle.

Die Frau wollte am Donnerstag vor dem Arbeitsgericht in Darmstadt 30.000 Euro Entschädigung einklagen. Laut ihrem Anwalt Klaus Michael Alenfelder verstößt der Vorfall gegen das Gleichbehandlungsgesetz. Doch die Richterin sah das anders und wies die Klage ab.

„Die Ablehnung war kein entschädigungspflichtiger Eingriff“, erklärt sie ihr Urteil. Zudem sei nicht bewiesen, dass die Klägerin in erster Linie wegen ihres vermeintlichen Übergewichtes erfolglos auf Jobsuche war. Die Richterin erinnerte die Klägerin, dass es sich bei der verklagten Organisation um einen gemeinnützigen Verein handele und nicht um ein börsennotiertes Unternehmen.

"Schutz der Menschenrechte": Anwalt legt Revision ein

Eine gütliche Einigung hatte die 42-Jährige abgelehnt, obwohl die Richterin dies des öfteren vorgeschlagen hatte. Ihr Anwalt kündigte an, vor das Landesarbeitsgericht in Frankfurt zu ziehen: „Wenn wir in diesem Fall nicht gewinnen, wird kein einziges Verfahren mehr durchkommen“, meinte er. „Es geht hier klar um Abschreckung, um den Schutz der Menschenrechte.“

Die Klägerin, die im Gericht meist eine dunkle Perücke mit langen Haaren und eine Sonnenbrille trug, um sich vor der Öffentlichkeit zu schützen, zeigte sich schockiert: „Wie kann eine Richterin nur so daneben liegen?“ Der potenzielle Arbeitgeber äußerte sich dagegen zufrieden. „Wir fühlen uns bestätigt“, sagte ein Vorstand.

Dicken-Verein beklagt "Stigmatisierung bei der Arbeitssuche"

Anonymisierte Bewerbungen ohne Angabe des Namens, Alters und Geschlechts sollen zwar Diskriminierungen bei der Stellenbesetzung verhindern. Dennoch werden vor allem übergewichtige Menschen nach Ansicht des Vereins Dicke bei der Jobsuche benachteiligt. „Die soziale Stigmatisierung bei der Arbeitssuche ist gegeben, aber sie ist schwer nachzuweisen“, sagte die Vereinsvorsitzende Gisela Enders im dpa-Interview. „Meistens werden Menschen ja allein schon wegen ihres Fotos aussortiert.“

Bei anonymen Bewerbungen sei das nicht anders, da finde „die Aussortierung mit dem Auge“ nach dem Bewerbungsgespräch statt. Nicht nur aus diesem Grund begrüßt der Verein den anstehenden Prozess in Darmstadt. "Dadurch wird das Thema wieder diskutiert", so Enders.

"Unrealistisches Körperideal"

Sie beklagt das Verbreiten von Vorurteilen gegenüber Dicken, das "auch von wirtschaftlichen Interessen gesteuert" sei. Dazu komme ein Schönheitsideal, das von unrealistischen, digital bearbeiteten Bildern aus der Werbewelt vorgegeben werde. Durch "Fotomodels mit Kleidergröße 34, die sich viel von Knäckebrot ernähren" entstünde ein Bild, wie eine Frau zu sein habe, das "für den normalen Homo Sapiens unerreichbar ist". Das gelte zunehmend auch für Männer.

dpa

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