Bärendienst statt Karriereschub

Diese Karrieretipps sollten Sie auf keinen Fall befolgen

Wer gut im Job ist, kann sich ein schlampiges Outfit leisten? Nur einer von vielen Trugschlüssen.
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Wer gut im Job ist, kann sich ein schlampiges Outfit leisten? Nur einer von vielen Trugschlüssen.

Mancher Karriere-Tipp klingt einleuchtend, stellt sich aber als böse Falle heraus. Diese fünf Ratschläge sollten Sie kennen – und beherzt ignorieren.

"Folgen Sie Ihrer wahren Leidenschaft", "Selbstmarketing ist das A und O" - wetten, dass Sie diese gutgemeinten Karrieretipps auch schon gehört oder gelesen haben? Befolgen sollten Sie sie allerdings nicht.

1. Finden Sie den Beruf, für den Sie wahrhaft brennen

Kennen Sie die Geschichte vom Schäfer, der mit Ende 50 beschließt, endlich das zu machen, wovon er immer geträumt hat: als erfolgreicher Gehirnchirurg Menschenleben zu retten? Nein? Doch die umgekehrte Geschichte haben Sie in der einen oder anderen Variante sicher schon gehört: vom glücklichen Aussteiger, der endlich seiner wahren Bestimmung folgt. Solche modernen Fabeln suggerieren uns, dass es im Berufsleben darauf ankommt, Erfüllung zu finden.

Die Wahrheit ist: Veranlagung, Zufall und die vielen kleinen Entscheidungen, die wir im Laufe eines Berufslebens treffen, verbauen viele beruflichen Wege für immer – und damit sollten Sie Ihren Frieden machen. Das perfekte Job-Glück gibt es nicht. Selbst Profifußballer und Popstars brennen nicht jeden Tag für Ihren Beruf. Wenn Sie Ihren Job also in erster Linie machen, um damit Geld zu verdienen, ist das vollkommen in Ordnung.

2. Konzentrieren Sie sich auf Ihr Selbstmarketing

Wer legt wohl den besseren Berufsstart hin: Der Selbstdarsteller, der die Hälfte seiner Zeit im Büro mit "Netzwerken" und ungeniertem Eigenlob verbringt? Oder der, der sich erstmal darauf konzentriert, seinen Job ordentlich zu machen? Sicher kann es karriereförderlich sein, ein gesundes Selbstbewusstsein an den Tag zu legen. Doch wenn nichts dahinter steckt oder Sie vor lauter Selbstmarketing Ihre Aufgaben vernachlässigen, wird die Selbstdarstellerei ganz schnell zum Bumerang.

3. Machen Sie Ihr Hobby zum Beruf, dann kommt das Geld von ganz allein

Es gibt die Geschichten von der Promi-Floristin, die für Ihre blühenden Kreationen astronomische Preise verlangen kann und selbst in Saus und Braus lebt. Zu glauben, dass Ihnen das auch gelingt, wenn Sie nur ganz fest an sich glauben, ist naiv. Nicht jeder, der gerne liest, muss Lektor werden. Nicht jeder, der in seiner Freizeit brutzelt und backt, wird als Koch glücklich.

Wer seinen Traumjob wählt, obwohl er nichts damit verdienen kann, riskiert Frust und Enttäuschung, die einem dann womöglich die geliebte Tätigkeit vermiesen. Wer dagegen neben seinem Brotjob leidenschaftlich einem Hobby nachgeht, ist auch im Beruf erheblich kreativer und leistungsfähiger, fand Kavin Eschleman, Psychologe an der San Francisco State University, heraus.

4. Unterbrechen Sie niemals

"Man lässt den anderen immer ausreden!" So haben Sie es als Kind bestimmt gelernt, oder? Und so ist es ja auch richtig und höflich. Nur: Gegen routinierte Selbstdarsteller kommen Sie so nicht an. Manche gute Idee bleibt im Meeting ungehört, weil Mitarbeiter einfach nicht zu Wort kommen. Und das kann nicht im Interesse Ihres Vorgesetzten sein.

Wenn Sie also auch so einen Kollegen haben, der ohne Punkt und Komma redet, ohne dabei viel zu sagen, fassen Sie sich ein Herz und unterbrechen Sie bei der nächsten Atempause höflich, aber bestimmt: "Darf ich an dieser Stelle kurz einhaken? Hierzu habe ich einen wichtigen Punkt beizutragen."

5. Wenn Sie qualifiziert sind, brauchen Sie auf Ihr Aussehen nicht zu achten

Ausnahmen gibt es immer, aber grundsätzlich ist das Gegenteil der Fall. Nicht nur beim Vorstellungsgespräch haben es schöne Menschen erwiesenermaßen leichter – attraktive Menschen erklimmen leichter die Karriereleiter, bekommen mehr Gehalt und werden seltener arbeitslos. Dieser so genannte Halo-Effekt wurde in zahlreichen Studien bestätigt.

Wer von der Natur in diesem Punkt stiefmütterlich behandelt wurde, sollte besonders hohen Wert auf ein tadelloses Outfit, eine gepflegte Erscheinung und eine typgerechte Frisur legen. Auch hohe Absätze (für Männer gibt es hier spezielle Sohlen) können die Karriere fördern: Wer groß ist (oder scheint) verdient mehr und übt eher eine leitende Funktion aus, fanden Forscher der Londoner Guildhall Universität heraus.

Diese Farben wählen erfolgreiche Frauen

Nicht nur für die modebewusste Michelle Obama sind Farben mehr als ein Spiel: Managercoaches zeigen, wie erfolgreiche Frauen ihre Symbolwirkung gezielt für die Karriere nutzen. © AFP
Wer für Bewerbungsgespräche und Meetings bei seiner Kleidung die richtige Farbe wählt, kann seine Erscheinung entscheidend beeinflussen. Erfolgreiche Geschäftsfrauen wissen, welche Signale wir unbewusst mit jedem Farbton verbinden und setzen sie geschickt für ihr Image ein. © dpa
Anna Wintour jagt Unerfahrenen in der Modebranche häufig Furcht ein. Sogar Designer zittern vor ihrem Urteil. Kein Wunder, denn die Chefin der US-amerikanischen Vogue liebt die Farbe Schwarz, die Autorität und Macht signalisiert. Außerdem lässt Schwarz die Figur schlanker erscheinen und steht für Zeitlosigkeit. © dpa
Die US-Informatikerin Marissa Mayer hat an der Stanford University studiert und stieg von der Vizepräsidentin von Google zur Vorstandsvorsitzenden des Konkurrenten Yahoo auf. Von Kritik in den beiden Unternehmen ließ sie sich bislang nicht aus der Ruhe bringen, was auch ihre Vorliebe für Blautöne demonstriert. Die Farbe wirkt ruhig, loyal, symbolisiert Größe und zeigt, wer Herr der Lage ist. © dpa
Sängerin Beyoncé erscheint auf Galas oft in sattem Goldgelb. Damit demonstriert die Künstlerin Freude, Glamour und Lebenskraft und zieht zugleich viel Aufmerksamkeit auf sich. Als 17-fache Grammy-Preisträgerin mit einem Jahreseinkommen, das Forbes auf rund 50 Millionen Dollar dotiert, muss sie schließlich das Rampenlicht nicht scheuen. © dpa
Reinheit, Neutralität und Leichtigkeit signalisiert die französische Geschäftsfrau Anne Lauvergeon mit weißer Kleidung. Dabei ist die mächtigste Frau Frankreichs und Mitglied im Vorstand von fünf Konzernen, darunter Vodafone und die europäische Raumfahrtgesellschaft EADS. Die Farbe Weiß stellt an beschäftigte Trägerinnen keine Ansprüche - sie lässt sich vielfältig kombinieren und schafft optische Klarheit. © dpa
Michelle Obama kleidet sich als First Lady der USA gern passend in "fürstliches" Lila und zeigt damit ihre charakterliche Vielseitigkeit. Denn die Farbe kann sowohl luxuriös, würdevoll und ehrwürdig als auch feminin, romantisch und künstlerisch-ausgefallen wirken. © dpa
Graue Maus? Von wegen: Wer gern Grau trägt, wirkt gebildet und selbstsicher, weil die Kleidung nicht von der persönlichen Kompetenz ablenkt. Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye erscheint auch zu festlichen Anlässen gern in silbrigem Grau - und macht kein Aufhebens darum, dass sie seit einer langen politischen Karriere Nordkoreas Diktatoren-Regime diplomatisch in Schach hält. © dpa
Erdtöne wirken solide und verlässlich und strahlen schlichte Natürlichkeit aus. Das macht sie ideal für Volkswirtin Claudia Maria Buch: Sie ist Professorin an der Universität Magdeburg und Mitglied der "fünf Wirtschaftsweisen", die die Bundesregierung in wirtschaftspolitischen Fragen beraten. Für einen staatstragenden Posten ist es ratsam, modisch eher Bodenständigkeit zu demonstrieren. © dpa
Sheryl Sandberg scheut die Öffentlichkeit nicht: Seit 2008 ist die US-Amerikanerin Geschäftsführerin des Facebook-Konzerns. 2013 erschien ihr Buch "Lean In: Women, Work and the Will to Lead", eine Karriere-Bible für Frauen. Die Farbe Rot passt perfekt zu ihr: Leidenschaftliche Trägerinnen der intensiven Farbe genießen viel Aufmerksamkeit und strahlen positive Angriffsfähigkeit und Tatkraft aus. © dpa
Grün charakterisiert Bundeskanzlerin Angela Merkels Regierungsstil perfekt: Beruhigend und vermittelnd - so moderiert sie zwischen Koalitionspartnern wie EU- und G8-Staaten. Auch dunklere Grüntöne passen zu ihrer Aufgabe: Sie wirken maskulin, konservativ und umgeben ihre Trägerin mit der Aura des finanziellen Wohlstandes. © AFP
Allerdings beschränkt sich die Kanzlerin nicht auf eine Farbe, sondern wählt geschickt aus der ganzen Palette: Das Farbenspektrum mit Angela Merkels Blazern ging um die Welt (Screenshot). Am klügsten ist es deshalb für den beruflichen Erfolg, die passenden Farbe ganz nach Anlass zu wählen. Wichtig dabei: Mehr als eine oder zwei starke Farben sollte das Business-Outfit nicht haben - wer will schon ein "Paradiesvogel"-Image? © neuewerbung.org (Screenshot)

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