„Mehr Druck, mehr Finanzierungsprobleme“

Die Studentenwerke melden für das Jahr 2008 zwanzig Prozent mehr psychologische Beratung und 27 Prozent mehr Sozialberatung. Ein Grund dafür liege am "Bologna-Prozess".

Die Studierenden haben bei den Studentenwerken im Jahr 2008 deutlich mehr psychologische und Sozialberatung in Anspruch genommen. Das meldet das Deutsche Studentenwerk (DSW), die Dachorganisation aller 58 Studentenwerke.

Mit fast 80.000 Beratungskontakten verzeichnen die psychologischen Beratungsstellen einen deutlichen Anstieg von mehr als zwanzig Prozent gegenüber dem Jahr 2007. Die häufigsten Themen: Lern- und Arbeitsstörungen, Leistungsprobleme, Arbeitsorganisation und Zeitmanagement, Prüfungsangst, depressive Verstimmungen, Identitäts- und Selbstwertprobleme. Mehr als 23.000 Studierende ließen sich in 2008 in Einzel- oder Gruppengesprächen psychologisch beraten.

Ein Plus von 27 Prozent

Die Nachfrage der Studierenden nach Sozialberatung ist 2008 noch stärker gestiegen. Knapp 72.000 Beratungskontakte in den Sozialberatungsstellen bedeuten gegenüber 2007 ein Plus von 27 Prozent. Die häufigsten Themen hier: Studienfinanzierung, Schwangerschaft und Studieren mit Kind sowie die Beratung ausländischer Studierender.

DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde sieht mehrere Gründe für den starken Anstieg der Beratungsnachfrage und betrachtet die neuen Daten differenziert. „Der Bachelor macht nicht per se krank oder depressiv“, tritt er möglichen Verkürzungen entgegen.

„Die neuen Bachelor-Studiengänge erhöhen sicher den Zeit-, den Leistungs- und Finanzierungsdruck auf die Studierenden; viele können wegen der dichten Stundenpläne und der vielen Prüfungen keinem Nebenjob nachgehen, finanzielle Probleme sind die Folge und erhöhen den Stress.“ Derzeit jobben 63 Prozent der Studierenden; ein Drittel ist zwingend auf den Nebenjob angewiesen.

Angebotsspektrum erweitert

„Die Studierenden nehmen die Beratungsangebote der Studentenwerke heute viel früher im Studium in Anspruch und mit größerer Selbstverständlichkeit“, so der DSW-Generalsekretär weiter, „auch das Angebotsspektrum der Studentenwerke hat sich deutlich erweitert.“ Wer schon im ersten Semester beim Studentenwerk ein Coaching zum Stressmanagement oder zu Lerntechniken besuche, beuge krisenhaften Entwicklungen später im Studium sinnvoll vor.

Dennoch ist für Meyer auf der Heyde klar: „Bachelor-Studierende brauchen deutlich mehr studienbegleitende Beratung, und wir fordern die Länder auf, die Studentenwerke hier endlich besser zu unterstützen.“ (nh)

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