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Krematorium für Pferde kann den Abschied erleichtern

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Letzte Ruhe fürs Pferd
Das Krematorium „dank & treu“ hat sich auf die Einäscherung von Pferden spezialisiert. Die verstorbenen Tiere können so in einer Urne beigesetzt werden. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Seit 2017 besteht in Deutschland die Möglichkeit, Pferde nach ihrem Tod einäschern zu lassen. Bundesweit gibt es erst sehr wenige Pferdekrematorien, eins davon bei Verden. Wird das Angebot angenommen?

Blender - Heidemarie Müller war schon als Kind begeistert von Pferden. Vor fünf Jahren kaufte sie sich endlich ihr eigenes, einen fast 30 Jahre alten Isländer. Vor einem Monat verunglückte „Mio“ bei einem Unfall.

Die Besitzerin war im Schockzustand, aber eins war ihr sofort klar: Ihr geliebtes Pferd sollte nicht zum Abdecker. Aus Erzählungen wusste sie, was dabei passiert: „Da kommt ein Lkw mit einem Container, eine Greifzange packt das tote Pferd, und zack wird es in den Container geschmissen.“ Die 43-Jährige entschied sich stattdessen - so wie schon bei ihrem Hund - für eine Einäscherung. „Ich hätte sonst keine ruhigen Nächte mehr gehabt.“

Einäscherung in Tierkrematorium seit 2017 möglich

Seit fünf Jahren dürfen nicht nur Haustiere wie Hunde und Katzen in Tierkrematorien eingeäschert werden, sondern auch Pferde und Esel. Bis dahin war es als Pferdebesitzer oder Pferdebesitzerin nur möglich, den Liebling im Ausland, etwa in den Niederlanden, verbrennen zu lassen.

Bis 2017 mussten in Deutschland die Kadaver von einer Tierkörperbeseitigungsanstalt abgeholt werden. Dort wird der Körper zerkleinert, erhitzt und unter anderem zu Tierfett und -mehl weiterverarbeitet. Andere Pferde enden in der Metzgerei. „Es gibt Pferdebesitzer, die das können. Für mich wäre das nichts gewesen“, sagt Heidemarie Müller.

Ihren „Mio“ ließ die Rendsburgerin im vor zwei Jahren eröffneten Pferdekrematorium von Susanne und Jochen Lutz in Blender im Landkreis Verden einäschern. Zuvor hatte das Ehepaar Lutz bereits ein Pferdekrematorium in Schwäbisch Hall in Baden-Württemberg eröffnet, damals das erste bundesweit.

Ein würdiger Abschied vom geliebten Tier

Im Pferdeland Niedersachsen mit knapp 240.000 registrierten Pferden gibt es seit August 2021 auch noch ein Pferdekrematorium in Badbergen im Landkreis Osnabrück. „Für unsere Tierhalter ist die Feuerbestattung ein letzter Liebesbeweis“, sagt dessen Sprecher Wladislaw Warkentin. Sie wollten ihrem verstorbenen Tier einen angemessenen Abschied ermöglichen „und somit auch selbst besser mit Trauer und Schmerz umgehen können“.

Der Bedarf scheint da zu sein: In Blender wird nach Angaben von Betreiberin Susanne Lutz jeden Tag ein totes Pferd kremiert. „Die Nachfrage steigt“, sagt die 46-Jährige. Ein zweiter Verbrennungsofen steht in Blender schon bereit, in der Kühlung ist Platz für sechs Pferde. „Zu uns kommen Besitzerinnen, die ihr Pferd oft schon von Geburt an kannten, die mit ihnen 24 Stunden am Tag auf dem eigenen Hof zusammengelebt haben“, sagt Lutz. Ihnen möchte sie einen würdigen Abschied von ihrem Tier bieten.

Ihr Pferdekrematorium unterscheidet sich äußerlich kaum von einem Bestattungsinstitut für Menschen: schlicht und modern eingerichtet, mit viel Holz und einem hellen Foyer mit Urnenausstellung - nur, dass die Urnen hier große viereckige Holzkästen sind. Schließlich kommen bei einem 500 bis 800 Kilogramm schweren Pferd bis zu 30 Kilogramm Asche zusammen.

Einäscherung kostet bis zu 3000 Euro

An diesem Morgen liegt vor dem Tor zum Verbrennungsofen der Trakehner „Pumuckl“ auf einem Herdwagen aus feuerfestem Stein und Edelstahl. Er musste wegen einer Kolik eingeschläfert werden. An seinem Kopf liegt ein Blumenstrauß, Susanne Lutz hat ihn besorgt. Ursprünglich wollte die Besitzerfamilie vom „Raum der Stille“ aus zusehen, wenn der Wagen in den Ofen einfährt. Beide Räume sind mit einem Sichtfenster verbunden. Doch ein positiver Corona-Test machte das Vorhaben zunichte. Lutz ruft die Familie an, als der Kremierungsvorgang beginnt. So kann die Familie Zuhause eine Kerze anzünden.

Bei 850 Grad Celsius und mehr wird der Kadaver im Ofen verbrannt. Der Vorgang dauert bis zu acht Stunden. Dann sind die Reste so klein, dass sie zu Granulat gemahlen werden können. Je nach Größe und Transportstrecke kostet die Kremierung bis zu 3000 Euro. „Das ist sicherlich viel Geld, aber für eine Operation müssten Pferdebesitzer auch Geld beiseitelegen“, betont Susanne Lutz. Die Urne ist am nächsten Tag abholbereit, eine Bestattungspflicht für tierische Asche gibt es nicht.

Heidemarie Müller hat den Urnenkasten zum Beispiel in ihrer Wohnung stehen, verziert mit einem Foto von „Mio“, seinem Halfter und seinem Zaumzeug. „Ob das so bleibt, weiß ich noch nicht, aber momentan brauche ich das so“, sagt sie. Vielleicht verstreue sie noch etwas Asche im Reitstall. dpa

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