Vatertypen von heute: Elternzeit-Träumer und Hipster-Dad

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Emanzipiert, traditionell, verträumt: Unter den Vätern gibt es spezielle Typen. Foto: Arno Burgi

Der eine flieht nach dem Elternzeit-Minimum sofort wieder ins Büro, der andere schmeißt den Haushalt und wird Erziehungsprofi. Ein Querschnitt durch die heutige Väterlandschaft.

Berlin (dpa) - Lange hieß Vatersein für Männer vor allem eines - die Rolle des Ernährers. Das ist heute längst nicht mehr so. Zum Vatertag (14. Mai) eine Übersicht, welche Papa-Typen gerade unterwegs sind:

Der werdende Papa: "Ahhh, es gibt zu viele Kinderwagen-Modelle" oder "Sollten wir nicht doch umziehen?" Werdende Väter machen sich nach Einschätzung von Eberhard Schäfer vom Väterzentrum Berlin viele Gedanken - "aber ganz still und heimlich". Viele fragen sich, wie sie Zeit für das Baby finden. Das erzählt auch Simon (32) aus Bayern, der gerade auf die Geburt seiner Tochter wartet: "Man überlegt schon: Wann nehme ich wie lange frei - und wie sage ich es meinem Arbeitgeber?"

Der Übervorsichtige: "Helikopter-Eltern" kreisen ständig um ihre Kinder wie Rettungshubschrauber. Der Übervorsichtige googelt häufig Kinderkrankheiten und ist Stammgast im Eltern-Forum. Wenn der Nachwuchs aufs Klettergerüst will, dann nur, wenn Papa unten steht. Der Übervorsichtige kann schwer loslassen, sollte aber aufpassen, dass Hilfestellung und Schutz nicht zum Kontrollwahn werden.

Der Vorstadt-Vater:Hat ein Häuschen im Grünen, einen geräumigen Kombi und fährt regelmäßig zum Fußballtraining. Der Vorstadt-Vater macht Überstunden im Job und versucht trotzdem, Zeit für den Nachwuchs zu haben. Vor Bürobeginn bringt er die Kinder zur Kita, in der Freizeit engagiert er sich im Verein.

Der Hipster-Dad: Sein Kinderwagen sieht aus wie aus einer Werbung der 1960er Jahre: große Räder, Dach im Retrolook, geschwungener Kinderwagengriff. In manchen Kiezen Berlins wirken Kinder wie ein schickes Accessoire: Junge Eltern sieht man mitunter auch nachts mit ihren Babys vor Kneipen stehen. Dieser Typ will gelassen wirken und zeigen: Für die Elternrolle gibt man sein Leben nicht auf.

Der Zwei-Monats-Vater: Männer nehmen öfter berufliche Auszeiten. Auffällig: Rund 80 Prozent der Väter, die sich für die Elternzeit entscheiden, beziehen laut Statistischem Bundesamt Elterngeld für zwei Monate. Das ist das vorgeschriebene Minimum, wenn Paare volle 14 Monate Unterstützung bekommen wollen. Der Zwei-Monats-Vater engagiert sich - Mama bleibt aber länger daheim. Eberhard Schäfer vom Väterzentrum nimmt diesen Typ in Schutz: Häufig treffe das Paar diese Entscheidung gemeinsam.

Der Elternzeit-Träumer: Nimmt sich in seiner Elternzeit viel vor. Endlich das Buch schreiben, über das man seit Jahren nachdenkt? Oder einen Business-Plan erstellen? Die Realität sieht am Ende oft ganz anders aus. "Wenn das Kind da ist, beschäftigt es einen den ganzen Tag", sagt Schäfer. Manche wollen verreisen. Auch der werdende Vater Simon denkt über einen längeren Trip mit dem Baby nach: "Das ist der Klassiker: Mit dem Wohnwagen durch Europa."

Der emanzipierte Papa: Rollenklischee ade! Dieser Typ übernimmt Haushalt und Kinder. In den USA gibt es unter "Stay-at-home dads" einen Spruch: "Dads don't babysit. It's called parenting." Väter machen kein Babysitting, sondern übernehmen Verantwortung in der Erziehung, bedeutet das in etwa übersetzt. Der Vollzeit-Papa kocht Mama parallel auch noch das Mittagessen fürs Büro vor.

Der Berühmte: Wer weltbekannt ist, hat viele Zuschauer, wenn er Vater wird. Jüngstes Beispiel: Prinz William (32). Als er sein Töchterchen mit dem Geländewagen vor dem Londoner St. Mary's Hospital abholte, wartete die Presse. Der berühmte Vater kann sein Glück mit vielen teilen - muss dafür aber um seine Privatsphäre kämpfen. Die Paparazzi warten schon. Klick.

Der traditionelle Typ: Verdient die Brötchen. Er hat sich für das klassische Familienbild entschieden, wie es sehr lange gelebt wurde. Der Vater verdient das Geld. Die Mutter bleibt zu Hause.

Der Papa-Wohnt-Woanders-Typ: Ehen und Beziehungen gehen in die Brüche. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt, dass es mehr Alleinerziehende gibt als früher. Meist wohnen die Kinder dann bei der Mutter, den Trennungsvater sehen sie seltener. Der Papa-wohnt-woanders-Typ muss sich gut mit der Ex-Partnerin abstimmen, damit in der Erziehung alles stimmig läuft. Manche Väter wohnen auch trotz intakter Beziehung an anderen Orten - wegen des Jobs.

Der Vater-Doppelpack: Manche Kinder bekommen gleich doppelte Vaterliebe - wenn sie mit zwei schwulen Männern aufwachsen. Die Väter haben aus früheren heterosexuellen Beziehungen Nachwuchs, versuchen es mit Unterstützung befreundeter Frauen oder nehmen fremde Kinder auf. Papas im Doppelpack haben meist viele Rechtsratgeber im Regal stehen - und freuen sich über ihre Regenbogenfamilie.

Bertelsmann-Studie zu Alleinerziehenden (pdf)

Familienstatistik Mikrozensus (pdf)

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