“Nur einer von sehr vielen...“

„Krachdämlich“: Empörung über Aldi-Steak - Discounter rechtfertigt sich

Aldi Süd muss sich aktuell gegen Fleisch-Kritik verteidigen.
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Aldi Süd muss sich aktuell gegen Fleisch-Kritik verteidigen.

Ein Aldi-Kunde hat sich die Verpackung seines Steaks sehr genau angesehen und seine Wut auf Facebook geäußert. Der Discounter antwortete nun.

  • Aldi* steht auf Facebook aktuell wegen eines Fleischprodukts in der Kritik.
  • Kunden ermahnen den Discounter mit drastischen Worten zur Nachhaltigkeit.
  • Anlass ist Ware einer Aldi*-Eigenmarke - der Discounter hat bereits auf die Vorwürfe reagiert.

Essen/Mülheim - Dumping-Preise, Corona-Hotspots in Mitarbeiterunterkünften, schlechte Arbeitsbedingungen - Themen hat die Fleischindustrie viele. Zudem wird der Ruf der Kunden nach Nachhaltigkeit lauter*. Schließlich steht zum Beispiel der Regenwald in Brasilien in Flammen.

So wundert es kaum, dass ein Facebook-Nutzer am 10. Juni ankündigte, mit seinem Post viral gehen zu wollen - und es in gewisser Hinsicht auch geschafft hat. Fünf Tage später wurde sein Post mehr als 2600 Mal geteilt, in dem er schimpft: „ALDI SÜD verkauft brasilianisches RINDFLEISCH aus gerodeten Urwaldgebieten Brasiliens.“ Wie er darauf kommt? „Ich habe heute Morgen den Verpackungscode vor Ort gescannt und kam dann auf die ALDI-Seite zur Eingabe der Trackingnummer“, schreibt er. Als Beweis hat er Fotos der Produkte angehängt. Seine Tirade geht noch weiter: „ALDI wirbt mit ‚Nachhaltigkeit‘. SHAME ON ALDI!!!“

Aldi im Fleisch-Shitstorm: Regenwald gegen Billigfleisch eintauschen?

Tatsächlich schreibt sich Aldi - wie nahezu alle Discounter - auf die Fahne, Klima und Umwelt schonen zu wollen und hat schon zahlreiche Nachhaltigkeits-Initiativen gestartet. Fleisch aus Brasilien im Angebot könnte aber nicht darunter fallen: So berichtete die Zeitung Welt vergangenen Herbst, dass Rindfleisch aus Brasilien etwa nur halb so viel wie Fleisch aus Deutschland koste. 

515.000 Tonnen Rindfleisch aus Brasilien soll die EU innerhalb von fünf Jahren importiert haben. Der Haken: Etwa 2,5 Quadratkilometer geschützte Naturgebiete seien dafür in Weideland umgewandelt worden – jährlich etwa 350 Fußballfelder.

Billigfleisch aus Brasilien? Aldi reagiert auf Facebook-Vorwürfe

Aldi hat an diesem Montag (15. Juni) auf die Vorwürfe reagiert - und lässt sie nicht auf sich sitzen. Einer empörten Kundin, die den Wut-Post ebenfalls teilte, antwortete ein Social-Media-Mitarbeiter, dass ein „Großteil“ des Aldi-Fleischsortiments aus Deutschland stamme. Er räumt aber ein: „Im Tiefkühlbereich bieten wir auch eine Auswahl an Rindfleischprodukten an, die aus Südamerika stammen.“

Dann folgte die Verteidigung des Discounters: „Dieser Anteil ist jedoch vergleichsweise gering. Entsprechend unserer CR-Anforderungen ist bei Fleischprodukten, die aus Südamerika stammen, der Lieferant vertraglich verpflichtet, ausschließlich Rohware aus Zuchtbetrieben zu beziehen, die bestätigen können, dass zur Aufzucht der Rinder keine neuen Tropenwaldflächen gerodet wurden“, schreibt der Aldi-Mitarbeiter.

Mehr zu Aldi im Video:

Erst kürzlich sorgte Aldi beim Thema Fleisch für Aufregung. Mitten in der Debatte um die Arbeitsbedingungen in der deutschen Fleischbranche wollte der Discounter die Preise für Wurst senken. Grund war der Einbruch der Schweinefleisch-Preise. Dass sich die Wurstpreise an den Rohstoffpreisen orientieren, ist üblich. Für Unmut in der Branche sorgte aber die Höhe, das Tempo und der Zeitpunkt des Vorstoßes - man fürchtete auch, dass andere große Handelsketten nachziehen.

Anti-Aldi-Post geht viral: „Krachdämlich und blöd“

Wohl, um die Kunden zu halten, die beim Fleisch auf den Preis schauen (müssen). Preiswert und nachhaltig gleichzeitig ist bei Fleisch schwer zu vereinbaren. So stellen einige Kommentatoren unter dem Post nicht nur Aldi, sondern auch sich selbst in Frage: „Aldi ist nur einer von sehr vielen Massen-Abnehmern... der Bürger, oder besser ‚Konsument"‘, ist so krachdämlich und blöd, dass ihn die Herkunft über mehrere tausend Kilometer mit allem Drum und Dran kaum interessiert“, schreibt einer. 

Ein anderer merkt an, dass nicht nur Fleisch aus Brasilien problematisch sei: „Bitte beachtet auch, dass das Fleisch aus anderen Ländern aber mit Soja aus Brasilien erzeugt wird, das ist halt auch nicht besser... daher eigentlich gar kein Fleisch mehr essen, beziehungsweise nur aus Herkünften, die nicht zufüttern mit Soja aus Brasilien etc. !!“

Indessen ruft Sony mehrere SD-Speicherkarten aus drei Serien zurück: Bei Verwendung droht Datenverlust.

Die Polizei wurde auf den Plan gerufen, weil eine Lidl-Aktion Massen an Kunden anlockte.

Hundesnack-Rückruf bei Edeka: Besonders große Gefahr für Herrchen und Frauchen

frs

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