Einbau neuer Technik im ehemaligen Feuerwehrhaus

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Eine Rundumerneuerung der Technik war nötig, um das fast 90 Jahre alte Gerätehaus zu einem komfortablen Wohnhaus zu machen.

Neben Wasser/Abwasser und der Elektrik musste auch das Heizsystem des Hauses komplett neu eingerichtet werden. Denn eine Heizung hatte es im alten Feuerwehrhaus gar nicht gegeben. Da die Familie Waldmann entschied sich für einen zentralen Scheitholzherd mit Wassertasche und rund 20 Kilowatt Heizleistung, der im Obergeschoss für mollige Wärme sorgt. Der Bauherr musste zwar einen Kamin einbauen und mehrmals am Tag Holz nachlegen, aber dafür wird er mit Selbstgebackenem aus dem Holzofen oder einem Mittagessen vom gusseisernen Herd belohnt. „Gerade im Winter nutze ich den Ofen auch zum Kochen und Backen“, sagt Melanie Teschner. Die Familie benötigt rund vier Ster Holz im Jahr.

Warmwasser durch Sonnenenergie

Elf Quadratmeter Sonnenkollektoren zur Warmwasserbereitung und ein 2500 Liter Pufferspeicher versorgen das Wohnhaus außerdem mit heißem Wasser, zur Not wird elektrisch unterstützt.

Wärme, die von der Decke strahlt

Familie Waldmann fühlt sich rundum wohl in dem zum gemütlichen Wohnhaus umgebauten Feuerwehrhaus.

Unterstützt wird die Wärmeversorgung des Hauses durch eine moderne Deckenheizung, die in den weiten Dachschrägen angebracht ist – eine ideale Fläche, die so sinnvoll nutzbar wurde. Die Deckenheizung besteht ähnlich wie die Fußbodenheizung aus Kunststoffrohrschlangen, die in das Trockenbausystem der Decke eingeklickt werden. Die Energiezufuhr erfolgt über warmes Wasser, das in relativ geringer Vorlauftemperatur (30 bis 40 Grad Celsius) durchs Rohrsystem gepumpt wird. Die Abgabe der Wärme erfolgt als Wärmestrahlung und wird als sehr behaglich empfunden. Der Fachmann riet ihnen vor den großen Fensterfronten mit Unterflurkonvektoren zu arbeiten, die vielseitig einsetzbar vor allem die Zirkulation der Raumluft und deren gleichmäßige Erwärmung fördern.

Maßgefertigte Küche

Die L-förmige Küchenzeile in dunkelgrauer Optik bietet ausreichend Platz und effektive Nutzung.

Eine Küche in der Nische und unter Dachschrägen unterzubringen, erfordert einiges an Geschick. Den Waldmanns ist es gelungen, ihre kleine, aber feine Traumküche zu verwirklichen. „Es war schwierig, doch mit dem Berater eines Küchenstudios planten wir verschiedene Varianten, begutachteten spezielle Küchensysteme und entwickelten Beleuchtungsideen“, erzählt Christian Waldmann. Sie entschieden sich für eine effektiv nutzbare, L-förmige Küchenzeile sowie eine separate Theke in dunkelgrauer Optik. Die Arbeitsplatte aus robustem Bergahorn sägte Waldmann selbst zu und ließ sie mit natürlichem Mandelöl ein. So bleibt sie wasserabweisend für lange Zeit. Die Hängeschränke sind maßgefertigt und die Beleuchtung aus dem eigenen Erfinderbaukasten. Das Fischgrätparkett aus Eiche, das die offene Küche, Ess- und Wohnzimmer miteinander verbindet, stammt übrigens aus dem Wohnzimmer von Waldmanns Großmutter von 1903.

Keine einzige Fliese im Haus

Der Blick ins Badezimmer der Waldmanns macht stutzig. Charmant und freundlich, doch fehlt hier nicht etwas? Schnell wird klar, dass im gesamten Bad keine einzige Fliese zu finden ist. In Gäste-WC und Küche etwa? Pustekuchen! „Bei uns ist auf 150 Quadratmetern keine einzige Fliese verlegt“, sagt Christian Waldmann. „Das war mir in einem Holzhaus mit altem Fachwerk wegen der Rissbildung einfach zu heikel“, so der Zimmerer knapp. „Wir haben nach fugenlosen Alternativen gesucht – und sind in Marokko fündig geworden!“

Antiker marokkanischer Kalkputz

Christian Waldmann ist auf Tadelakt gestoßen, einen antiken marokkanischen Kalkputz, der eine hohe Festigkeit und Wasserbeständigkeit sowie einen leichten Glanzeffekt aufweist. Tadelakt wurde ursprünglich zur Abdichtung von Zisternen, später veredelt in orientalischen Dampfbädern und Palästen verwendet. Heute kann man Tadelaktbeschichtungen auf der ganzen Welt finden. In Marrakesch und in Petersthal.

Tadelakt anstatt Fliesen

Tadelakt wird aus natürlichen Muschelkalk gewonnen und hat im Feuerwehrhaus der Waldmanns vielfältig Verwendung gefunden.

Tadelakt wird aus einem natürlichen Muschelkalk gewonnen. Bei der Verarbeitung wird dieser mit der Kelle aufgetragen, mit Holzbrettchen oder dem Spachtel geglättet und mit Halbedelsteinen (wie Achat) verdichtet und poliert. Dann wird die Oberfläche mit schwarzer Olivenölseife eingelassen. Mithilfe der schwarzen Seife wird die charakteristische samtig-schimmernde Oberfläche des Putzes erzeugt. Daneben beeinflusst die Seife auch die wesentlichen Eigenschaften: Sie dringt beim Polieren in die tieferen Putzschichten ein, reagiert dort mit dem Kalkanteil des Tadelakts, und bildet eine hydrophobe, wasserundurchlässige Schicht. Die Grundmasse, das Tadelaktpulver ist beige bis grau und kann durch die Beimischung von natürlichen Farbpigmenten beliebig eingefärbt werden. Ein Maler-Fachbetrieb kann hier hilfreiche Tipps geben. Im Feuerwehrhaus der Waldmanns hat der marokkanische Mineralputz jedenfalls vielfältig Verwendung gefunden: an den Wänden im Bad, im Gäste-WC und teilweise in der Küche, zur Abdichtung von Waschtisch und Duschwand. Kobaltblau schimmert er im Badezimmer, hellgrün zur Dusche hin, dunkelrot in der Küche und gelb im Gäste-WC. „Leicht zu verarbeiten und für jede Farbe zu haben“, sagt Christian Waldmann, der sehr zufrieden ist mit seiner Entdeckung.

Beton-Floor

Auch bei der Wahl des Bodenbelags entschied sich die Baufamilie für einen fugenlosen Feinputz, den so genannten Beton-Floor. „Er eignet sich hervorragend für Bäder, Duschen, Küchen und andere Nassbereiche“, erzählt Christian Waldmann. Bei Beton-Floor handelt es sich um einen polymermodifizierten Feinputz, der individuell eingefärbt werden kann. Durch die abschließende Versiegelung ist er sehr pflegeleicht und er erhält eine seidenmatte bis seidenglänzende Optik. In zwei Schichten plus Versiegelung trug ihn Waldmann auf den Trockenestrich in Bad und WC auf.

Steckbrief 

Familie Waldmann, Petersthal/Oberallgäu

Umbau eines Feuerwehrhauses zum Wohn- und Geschäftshaus

Kein Denkmalschutz Grundfläche: 600 m²

Wohnfläche: 150 m² im Obergeschoss und ca.80 m² Atelierfläche und Bildhauerwerkstatt

Bauzeit: März 2012 bis Mai 2013

Kosten: ca. 120.000 Euro Baukosten, 60.000 Euro Erwerb

Angaben zur Ausstattung:  Feuerwehrhaus von 1927 mit 16 Meter hohem Schlauchturm, Nutzfläche im EG, Wohnen im Obergeschoss, Tageslichtbad, Gäste-WC, offene Wohnküche, Vollholz- und Fischgrätparkett, nicht unterkellert, 11 m² Solarkollektoren, zentraler Scheitholz-Herd, Deckenheizung plus Unterflurkonvektoren, 2500 Liter Pufferspeicher, 3-fach Verglasung.

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