Stadel wird komfortables Holzhaus

Umbau eines alten Feuerwehrhauses

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Das alte Feuerwehrhaus stand kurz vor dem Abriss, als Christian Waldmann es kaufte und zum Wohnhaus umfunktionierte.

Baufamilie Waldmann wird Teil der Dorfgeschichte

Petersthal (Oberallgäu) - Das alte Feuerwehrhaus in Petersthal am Rottachsee sollte abgerissen werden, Geräte und Feuerwehr waren schon lange ausgezogen. Mit 83 Jahren hatte das Haus in der Dorfmitte mit dem rund 16 Meter hohen Schlauchturm schon einiges gesehen. Erbaut wurde das Gebäude einst von Männern des frisch gegründeten Turnvereins, ihr Wappen prangt bis heute am Giebelspitz. Im neuen Jahrtausend wanderten die Feuerwehrgeräte ins modern erbaute Feuerwehrhaus ab, die jungen Leute, die im Obergeschoss ihr Fitnesscenter hatten, in die Turnhalle. 2010 entschloss sich die Gemeinde den Baugrund mitsamt Gebäude zu veräußern – ohne Auflagen für den zukünftigen Besitzer. Der Abriss drohte!

Gesehen und gekauft

Christian Waldmann bewohnt sein Haus, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Melanie Teschner und Töchterchen Sarah, seit Mai 2013.

Als der Petersthaler Christian Waldmann im Garten des Feuerwehrhauses einen alten Birnbaum fällen sollte, erfuhr er, dass das Haus zum Verkauf steht. Ein paar Tage später sprach Waldmann mit dem Bürgermeister und kaufte das alte Feuerwehrhaus. Trotz monatelanger Umbauarbeiten, rund 2000 Arbeitsstunden, fühlt sich der gebürtige Petersthaler „jetzt erst recht“ mit dem Haus verbunden, das einst wie heute das Straßenbild und viele Erinnerungen prägt. Denn obwohl das Gebäude nicht unter Denkmalschutz stand, hat es Christian Waldmann so authentisch und ursprünglich wie möglich saniert. Neben Holzverschalung und Schlauchturm pflegt er sogar die alte Anschlagtafel, auf der schon in seiner Kindheit Feste, Veranstaltungen und wichtige Mitteilungen im Dorf kundgetan wurden. Christian Waldmann bewohnt sein Haus, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Melanie Teschner und Töchterchen Sarah, seit Mai 2013.

Umbau in ein Wohnhaus

Mit Nostalgie hatte der Umbau des alten Feuerwehrhauses nichts zu tun. Vielmehr ging es darum, einen besseren Stadel in ein gut gedämmtes und komfortables Holzhaus des 21. Jahrhunderts zu verwandeln. Die Sanierung der Außenhülle nahm allein mehr als ein halbes Jahr in Anspruch.

Planen und Verbessern

Die Arbeit begann damit, das Haus vollständig auszuräumen und neu zu vermessen. Nächtelang saß Christian Waldmann am Zeichentisch über den Eingabeplänen, entwarf und verwarf Grundrisse, Gauben und Raumkonzepte. Immer unter der Vorgabe, so wenig wie möglich an der ursprünglichen Konstruktion zu verändern. „Natürlich musste ich mit Rücksicht auf die Statik vieles verstärken, beispielsweise eine ordentliche Bodenplatte einbringen und das Dach erneuern.“ Ein Architekt begutachtete später Waldmanns Pläne, brachte noch die eine oder andere Verbesserung ein und stellte die Genehmigungspläne. „Wir vereinfachten den Grundriss noch einmal und brachten mehr Licht ins Obergeschoss.“ Doch auch der Planer griff so wenig wie möglich in die Substanz ein.

Haus mit guter Substanz

Grundsanierung des Turms, jedoch Erhalt des ursprünglichen Charmes.

Waldmann entbeinte das alte Fachwerk bis aufs Skelett, ständerte es auf und verstärkte es. Dann dämmte er die Rahmenkonstruktion auf 24 Zentimeter mit Isofloc und Holzwolle aus. „Das eignet sich hervorragend für einen Altbau“, erklärt der Holzhaus-Experte. „Das biologische Dämmmaterial wird eingeblasen und geht in jede Ritze.“ Auch das Dach ersetzte er bis auf die tragenden Elemente vollständig. Eine Pfette musste ausgetauscht werden, ansonsten war der Zimmermann mit der vorhandenen Substanz zufrieden. Zwei so genannte Schleppgauben setzte er ein, um im Obergeschoss mehr Licht und Fläche zuzulassen.

Erhalt des ursprünglichen Charmes

Die alten Bretter der Verschalung am Turm und zur Straßenseite hin nur im Notfall ersetzt, neu in der ursprünglichen Farbe gestrichen und wieder angebracht. Waldmann erhielt das große Tor und die Anschlagtafel. Einzig die Feuerwehr-Sirene: sie musste auf ein Nachbargebäude umziehen, denn sie war den neuen Bewohnern einfach zu laut.

Versetzung des Schlauchturms

Obwohl das alte Feuerwehrhaus nicht unter Denkmalschutz stand, wollte Christian Waldmann es so ursprünglich wie möglich belassen.

Für die Einrichtung eines durchgängigen Gehwegs entlang der Thalstraße musste der Feuerwehrturm um gut einen Meter zur Seite weichen. Christian Waldmann entwarf einen Schlachtplan und setzte unerschrocken sein ganzes Geschick ein. Vier durchgehende Pfosten vom Sockel bis zur Traufe bildeten das tragende Gerüst, allerdings waren die unteren Verankerungen durchgerostet. Waldmann goss also ein neues Fundament, löste den Turm vom alten und stabilisierte ihn mit einem Teleskoplader, dessen Palettengabel bei gut acht Metern die Konstruktion durchstoß. Langsam hob er so den Turm an und versetzte ihn um einen Meter vom Straßenrand weg. „Schwankend kam der Riese zum Stehen. Das war echt Nervenkitzel“, erinnert sich Waldmann. „Wir hielten alle den Atem an. Doch der Turm blieb stehen“, fügt seine Lebensgefährtin Melanie hinzu.

Solarkollektoren am Turm

Waldmann ließ den Turm später noch statisch überprüfen, verstärkte Dachstuhl und Konstruktion, baute Fenster sowie fünf Podeste ein und strich das Dach neu. Eine steile Holzleiter führt momentan im Innern nach oben, von wo aus man einen grandiosen Blick über die Gemeinde bis hin zu Rottachsee und den grünen Voralpenhügeln hat. Die Südseite des Turms ziert eine 11 Quadratmeter große Sonnenkollektorenfläche zur Warmwasserbereitung – ästhetisch und nützlich zugleich. Eine Maßanfertigung, die dem Feuerwehrturm im alten Gewand ein neues, modernes Gesicht gibt.

Steckbrief

Familie Waldmann aus Petersthal/Oberallgäu
Anwesen

Umbau eines Feuerwehrhauses zum Wohn- und Geschäftshaus

Kein Denkmalschutz

Grundfläche 600 Quadratmeter
Wohnfläche

150 Quadratmeter im Obergeschoss

ca. 80 Quadratmeter Atelierfläche und Bildhauerwerkstatt

Bauzeit März 2012 bis Mai 2013
Kosten ca. 120.000 Euro Baukosten, 60.000 Euro Erwerb
Angaben zur Ausstattung Feuerwehrhaus von 1927 mit 16 Meter hohem Schlauchturm, Nutzfläche im EG, Wohnen im Obergeschoss, Tageslichtbad, Gäste-WC, offene Wohnküche, Vollholz- und Fischgrätparkett, nicht unterkellert, 11 m² Solarkollektoren, zentraler Scheitholz-Herd, Deckenheizung plus Unterflurkonvektoren, 2500 Liter Pufferspeicher, 3-fach Verglasung.

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