Eigenheim: Solides Fundament schaffen

Bei sorgsamer Abwägung aller Risiken und einem ehrlichem Kassensturz ist das Unternehmen Eigenheim kein finanzielles Abenteuer. Regeln für eine sichere Finanzierung der eigenen vier Wände:

Das A und O beim Immobilienerwerb ist ein solides finanzielles Fundament. Selbst wenn Banken noch immer 100-prozentige Finanzierungen mit weiterhin günstigen Zinssätzen offerieren, sollten dennoch zwischen 20 und 30 Prozent der Gesamtkosten bereits auf der hohen Kante liegen. „Handelt es sich um eine niedrigere Summe, führt das zu einer hohen monatlichen Belastung, die viele auf Dauer nicht tragen können“, warnt der Münchner Finanzierungsexperte Wolfgang Zellhöfer von der HypoVereinsbank.

Kassensturz

Wer sich zum Kauf eines Eigenheims entschlossen hat, sollte zuerst einen gründlichen Kassensturz vornehmen und alle Vermögenswerte auflisten. Zum Eigenkapital gehört nicht nur das Guthaben auf Spar-, Giro- oder Festgeldkonten. Auch ihre Investmentfonds können Bauherren verkaufen, um eine höhere Verschuldung zu vermeiden. Wer sich seinem künftigen Traumhaus zuliebe auch von wertvollen Einzelstücken oder Sammlungen trennen kann, sollte das tun – vorausgesetzt, es lässt sich ein guter Preis beim Verkauf erzielen und die Weitergabe lässt sich emotional verkraften. Weiterhin gehören zu den nötigen Eigenmitteln ein bereits bezahltes Grundstück, finanzierte Baumaterialien oder Architektenleistungen, sowie eventuelle öffentliche Zuschüsse.

Sonderguthaben

Guthaben auf noch nicht zugeteilten Bausparverträgen oder Sparbriefe, die erst in einigen Jahren fällig werden, gehören ebenso zum finanziellen Grundstock wie der Rückkaufswert einer Lebensversicherung. Zwar vermindern diese Beträge die Höhe des notwendigen Kredits zunächst nicht, aber zu einem späteren Zeitpunkt lassen sie sich als Sondertilgung oder zur Rückzahlung eines Zwischenkredits einsetzen. Muskelhypothek Um den Kreditbedarf zu verringern, greifen viele Häuslebauer in der Bauphase auch selbst zu Hammer und Schaufel; noch immer erfreut sich die Muskelhypothek großer Beliebtheit. Vorsicht: Viele Bauherren übernehmen sich jedoch dabei und überschätzen ihre eigenen Fähigkeiten und Kräfte. Mit etwas handwerklichem Geschick können durch Eigenleistungen zwar 10 bis 15 Prozent der Baukosten finanziert werden (zum Beispiel Arbeiten an den Außenanlagen, Dämm-, Trockenbau- und Estrichvorhaben, das Verlegen von Fliesen und Fußböden sowie das Malern und Tapezieren), aber bei der benötigten Arbeitszeit sollten Hobbyhandwerker bedenken, dass sie, da ungeübt, wesentlich mehr Zeit als Profis einkalkulieren müssen. Eingeschränkt wird der Spareffekt in der Regel zusätzlich dadurch, dass der Bauherr das Material teurer einkauft als eine Baufirma.

Gewährleistung

Zusätzlich darf ein weiterer Nachteil nicht unterschätzt werden: Gewährleistungsansprüche übernimmt bei selbst erbrachten Leistungen keiner! Außerdem sind spätere Streitigkeiten keine Ausnahme, wenn die Baufirma bei vorhandenen Mängeln dem Bauherrn eine Mitschuld anlastet. Den Umfang der Eigenleistungen und die geplanten Fertigstellungstermine sollte der Bauherr, gemeinsam mit dem Architekten, schriftlich exakt festlegen. Auch kreditgebende Banken und Sparkassen fordern häufig eine derartige Aufstellung.

Tragbare Raten

Neben dem Ansparen von Eigenkapital muss zweifelsohne auch ein Augenmerk auf einen weiteren wichtigen Punkt bei der Immobilienfinanzierung gerichtet werden: die Tragbarkeit der monatlichen Darlehensraten. Eine normale Lebenshaltung muss weiterhin gesichert sein. „Rechnen Sie unregelmäßige Einkünfte oder Sonderzahlungen wie Urlaubsgeld eher nicht in Ihren Finanzierungsspielraum mit ein, sondern halten Sie diese Beträge als Sicherheitsreserve zurück“, rät Zellhöfer.

Risiken absichern

Risiken sind jedoch auch bei akribischer Kalkulation nicht gänzlich auszuschließen. Finanzierungsexperten raten den Bauherren deshalb immer wieder, sich und die Familie finanziell für die lange Zeit der regelmäßigen Zahlungsverpflichtungen abzusichern. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ist es wichtig, für Notfälle gewappnet zu sein. Mit verschiedenen Versicherungspaketen können sich Immobilienkäufer oder -besitzer gegen mögliche Lebensrisiken finanziell absichern. Hier hilft auch eine Risikolebensversicherung. Der im Todesfall gezahlte Betrag hilft, die Restschuld zumindest größtenteils abzudecken. Auch der unverschuldete Verlust des Arbeitsplatzes, eine Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit oder Unfall können finanziell aufgefangen werden. Banken bieten hierzu spezielle Finanzierungspakete mit Versicherungsschutz. Ob bei längerer Krankheit von Selbstständigen oder Arbeitslosigkeit bei Angestellten: Hier übernimmt die Versicherung bis zu zwölf monatliche Darlehensraten. Innerhalb dieser Zeit gelingt es den meisten der Betroffenen, eine neue Tätigkeit zu finden und damit eine normale Ratenzahlung fortzusetzen.

Fazit: Bei sorgsamer Vorbereitung und realistischer Abwägung ist es immer möglich, den Traum vom Eigenheim zu verwirklichen.

Rubriklistenbild: © dpa

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