Holzfaser und Korkplatten: Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen

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Das Bauen mit Naturmaterialien wie Holz liegt bei vielen Bauherrn wieder im Trend.

Darmstadt - Bauen mit Naturmaterialien wie Stroh, Reet und Holz war für frühere Generationen selbstverständlich. Auch heute sind nachhaltige Baustoffe bei vielen Bauherren wieder gefragt.

Umweltprobleme wie Treibhauseffekt, steigende Abfallmengen und die Endlichkeit fossiler Ressourcen lieferten der Diskussion um nachwachsende Rohstoffe entscheidende Argumente, erklärt Werner Eicke-Hennig vom Institut Wohnen und Umwelt in Darmstadt. Allerdings sei der Anteil der Bauwerke, bei denen natürliche Materialien verwendet werden, immer noch gering. Bei den Ein- und Zweifamilienhäusern liege der Anteil bei etwa 17 Prozent. Über nachhaltige Dämmstoffe verfügten etwa 5 Prozent, erläutert Edmund Langer vom Centralen Agrar-Rohstoff-Marketing- und Entwicklungs-Netzwerk (C.A.R.M.E.N.) im bayerischen Straubing. Dabei gibt es mittlerweile mehr als nur die bekannten Naturdämmstoffe aus Holzfasern oder Korkplatten.

Neben dem Baustoff Holz gebe es Dämmstoffe, Ausbaustoffe und Anstrichsysteme, sagt Langer. Ob gleich ein ganzes Holzhaus, ein Holzfußboden oder Naturfarben aus natürlichen Mineralstoffen - der Bauherr profitiert von der guten Haltbarkeit und den natürlichen Dämmeigenschaften. Außerdem geben Naturbaustoffe in der Regel keine Schadstoffe ab, so dass sie besonders für Allergiker geeignet sind.

“In Deutschland erlebt das Bauen mit Naturbaustoffen seit einiger Zeit eine Renaissance“, sagt Eckhard Klopp von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe in Gülzow (Mecklenburg-Vorpommern). Gründe für das langsame Umdenken seien ein steigendes Bewusstsein für Nachhaltigkeit, die einfache Verarbeitung vieler Materialien, die Sehnsucht nach dem Natürlichen und Ursprünglichen oder auch die gesundheitlichen Vorteile. Besonders in puncto Nachhaltigkeit haben Naturbaustoffe was zu bieten: Der Energieaufwand bei der Herstellung sei in der Regel gering und die Entsorgung im Allgemeinen unproblematisch, so Klopp. Vor allem aber senke jeder Baustoff pflanzlichen Ursprungs den Kohlenstoffdioxidausstoß.

“Ein Haus, das aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz gebaut worden ist, ist aber nicht von vornherein schon ökologisch und nachhaltig“, warnt Richard Adriaans vom Arbeitskreis Ökologischer Holzbau (AKÖH) in Herford (Nordrhein-Westfalen). So sei ein Blockhaus, das nur aus aufeinandergeschichteten Bohlen errichtet werde, zwar aus reinem Holz. Das entspreche aber mit Blick auf die fehlende Wärmedämmung nicht dem heutigen Standard. Auf Dauer würde solch ein Haus daher viel Energie vergeuden.

Nachhaltiges Bauen bedeutet vielmehr, dass beim Hausbau die Belastung der Umwelt, der Gesundheit und die Energieeffizienz in allen Bauphasen betrachtet wird. Unter anderem sei zum Beispiel zu berechnen, wie viel Energie zur Herstellung der Baumaterialien, zum Unterhalt des Hauses und für seinen Abriss notwendig sind, so Adriaans.

Das Kriterium Nachhaltigkeit gilt auch für die Auswahl der einzelnen Gewerke. “Früher ist Baumwolle als alternativer Dämmstoff diskutiert worden“, sagt Eicke-Hennig. Kritiker hätten hier aber immer wieder problematische Anbaumethoden mit Pestizideinsatz und Monokulturen sowie lange Transportwege bemängelt und empfohlen, auf den Einsatz zu verzichten. Laien sollten sich deshalb vor dem Bauen zur Verwendung und zum Kauf von Naturbaustoffen beraten lassen.

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