Ruhen statt Rasenmähen: Gartenbesitzer wollen es bequemer

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Schwer schuften im Garten? Für viele ist das nicht mehr Sinn und Zweck: Sie wollen in ihrer grünen Oase lieber entspannen. Foto: Henning Kaiser

Köln (dpa) - Ausruhen im neuen Gartensessel statt Rasenmähen und Rückenschmerzen: Bei deutschen Gartenfreunden ist aktive Arbeit nach Einschätzung der grünen Branche immer weniger gefragt. Hintergrund ist auch das zunehmende Alter vieler Gartenliebhaber.

Nach oft jahrzehntelangem Dauer-Einsatz beim Unkrautjäten und Rasenmähen entdecken viele Gartenbesitzer ihre grüne Oase als Ort der Entspannung. Bei den privaten Verbrauchern in Deutschland sei ein Trend zum "Rückgang der aktiven Gartenarbeit" feststellbar, stellt der Industrieverband Gartenbau (IVG) in seinem aktuellen Jahresbericht fest. "Die Leute werden bequemer", erläuterte der Gartenmarkt-Experte Klaus Peter Teipel die Entwicklung in Köln.

Bei einem Umsatzplus der grünen Branche im vergangenen Jahr um 4,8 Prozent auf 18,1 Milliarden Euro konnten sich vor allem professionelle Gartenbaubetriebe über gute Geschäfte freuen. Zunehmend gefragt waren aber auch chemische Hilfsmittel wie Dünger und Pflanzenschutz, Gartenmaschinen wie Mähroboter sowie Grills und Outdoor-Möbel.

Mit geringeren Zuwächsen musste sich dagegen lebendes Grün zufriedengeben. Nur etwa ein Drittel der Ausgaben für das grüne Hobby werden nach den Ergebnissen einer Studie des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) für Pflanzen getätigt.

Im Trend seien derzeit "Lifestyle-Sortimente" sowie Dienstleister rund um das Gartenthema, beschreibt der Industrieverband die aktuelle Lage. "Es geht mehr in die Richtung machen lassen, statt selber zu tun", sagte Teipel.

Hintergrund der Entwicklung sei auch die demografische Entwicklung mit einem zunehmenden Anteil älterer Menschen. Auf die Generation der über 55-Jährigen entfällt bereits heute nach den Zahlen des Verbands mehr als die Hälfte (53 Prozent) des privaten Gartenmarkts. Viele der finanziell gut situierten Gartenfreunde verfügten über ein eigenes Haus, hieß es. Sorge bereitet der Branche dagegen ein zunehmender Anteil von Gartenverweigerern. Dies seien vor allem Verbraucher mit niedrigem Einkommen und Menschen ohne Kinder, sagte Teipel.

Zunehmend wichtig sei für viele Kunden auch der Preis, so dass die Branche hier auch angesichts der zunehmenden Online-Konkurrenz im laufenden Jahr mit einem leichten Rückgang rechne. Als Einkaufsquelle für viele Verbraucher hätten im vergangenen Jahr Discounter, Lebensmittelläden sowie Billig- und Restpostenanbieter ihre Umsätze ausbauen können.

Der Gartenmarkt-Trendexperte Oliver Nickel sieht dagegen ein zunehmendes Interesse gerade jüngerer Leute für das Thema Garten. Wer auf High Tech beim Grün setzen wolle, könne bereits seine Bewässerungsanlage mit Hilfe der aktuellen Wettervorhersage automatisch steuern oder digitale Assistenten für die Anzucht von Jungpflanzen nutzen. Schädlinge im Garten könnten mit Hilfe einer optischen Erkennungssoftware identifiziert werden. Nach getaner Arbeit parkt der automatische Mähroboter dann in der eigenen Garten-Tiefgarage.

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