Das Leiden der Tourismusbranche

Ägypten - Land ohne Urlauber?

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Ein Archivfoto: Touristen besichtigen des Tempel von Ramses II., auch bekannt als "großer Tempel" der Tempel-Anlage in Abu Simbel

Kairo - Noch im Frühjahr sah es so aus, als kämen die Touristen nach Ägypten zurück. Dann stürzte das Militär den islamistischen Präsidenten, die Zahlen brachen erneut ein. Ein Reiseanbieter klagt, er habe seit Wochen keinen einzigen Kunden gesehen.

Vor kurzem war für die Bewohner von Abu Simbel in Südägypten endlich wieder ein guter Tag. Jedes Jahr am 22. Oktober steht die Sonne für 20 Minuten so am Himmel, dass sie tief in den berühmten Tempel des Ortes hineinstrahlt und die Statue des Pharaos Ramses II. beleuchtet. Um das „Sonnenwunder“ zu feiern, hatte die ägyptische Regierung Diplomaten und ägyptische Prominenz eingeladen. 2500 Gäste waren zugegen. Vor allem eine Botschaft sollte gesandt werden: Abu Simbel ist für Besucher sicher.

Denn der Ort rund 250 Kilometer südwestlich von Assuan leidet wie die gesamte Tourismusbranche des Landes massiv unter der unruhigen politischen Lage: Die Zahl der ausländischen Gäste ist in den vergangenen Wochen noch einmal dramatisch gesunken. Nur 551 000 Reisende machten sich im September auf den Weg an den Nil oder ans Rote Meer. Ein Jahr zuvor waren es noch mehr als eine Million Gäste. Etliche Hotels haben vorübergehend geschlossen.

„Seit Mitte August haben wir keinen einzigen Kunden gehabt“, stöhnt Nabil Karma, Geschäftsführer des ägyptischen Reiseanbieters Welcome Tours. Das Kairoer Unternehmen lebte bisher vor allem von Urlaubern aus der Schweiz und Italien. „Auf unseren Schulten liegt eine sehr schwere Last, denn wir müssen unsere Angestellten bezahlen.“ Und auch die Chefin von Travco Travel, Amani Al-Torgoman, klagt: „Wir haben riesige Verluste.“ Um 70 bis 80 Prozent sei das Geschäft im Vergleich zu früheren Zeiten geschrumpft.

Dabei hatte sich die ägyptische Tourismusbranche im ersten Halbjahr 2013 von den Folgen des Aufstandes gegen Langzeitherrscher Hosni Mubarak zwei Jahre zuvor schon wieder etwas erholt. Doch dann stürzte das Militär Anfang Juli den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi. Immer wieder kommt es seitdem zu Gewalt zwischen den Sicherheitskräften und Anhängern des abgesetzten Staatschefs. Zudem erschüttern Bombenanschläge radikaler Gruppen das Vertrauen in Ägypten als sicheres Reiseland.

Ägyptens Regierung bemüht sich, den Tourismus wieder in Schwung zu bringen. Denn er trägt rund elf Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei. Der Unmut gegen Mubarak und Mursi hatte sich auch an der schlechten Wirtschaftslage entzündet. Die Touristen verschaffen dem Land auch dringend benötigte Devisen. 12,5 Milliarden US-Dollar brachten sie 2010 noch ins Land.

Ein Großteil der Wirtschaftselite hatte zudem den Sturz von Mursi begrüßt. Viele der wichtigen Unternehmer sind stark im Tourismus engagiert. „Sie haben großes Interesse daran, dass sich die Branche erholt“, sagt Stephan Roll, Ägypten-Fachmann der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik.

Am Horizont zeichnet sich zumindest eine leichte Besserung ab. Mehrere europäische Länder haben ihre Reisewarnungen abgeschwächt. Die Urlauberzahlen seien seither wieder gestiegen, sagt eine Sprecherin des ägyptischen Tourismusministeriums. Auch das Auswärtige Amt rät jetzt von Reisen ans Rote Meer nicht mehr grundsätzlich ab.

Nabil Karma von Welcome Tours zeigt sich vorsichtig optimistisch. Er setzt seine Hoffnung auf die kalten Monate in Europa. „Wenn dort der Winter begonnen hat, gibt es kein anderes Reiseziel, das so nah, so sonnig und so günstig ist wie Ägypten.“

dpa

Reise: Die kuriosesten Fälle vor Gericht 

Pamala Anderson
Blondinen, die sich grün ärgern: Als Blondine ging eine Mallorca- Urlauberin in den Pool, wie ein Marsmännchen mit grün gefärbten Haaren kam sie wieder heraus: Der zu hohe Chlor-Anteil im Wasser hatte die Haare der Klägerin verfärbt. Das beeinträchtigte die weitere Urlaubsfreude erheblich. Das Amtsgericht Bad Homburg sprach ihr eine Reisepreisminderung von zehn Prozent zu. © dpa
Pool
Das zusätzlich geforderte Schmerzensgeld gab es allerdings nicht. Begründung: Die Klägerin trug keine Badekappe, außerdem habe sie, so die Beweisaufnahme, die Haare früher bereits in schrillen Farben gefärbt. (AZ 2C 109/97-10). © dpa
Reise Recht kuriose Fälle Urteile
Schwanger durch den Hotel-Pool: Schier unglaublich, aber trotzdem wahr ist auch die Geschichte einer polnischen Mutter, die eine Schadensersatzklage anstrebte, weil ihre Tochter schwanger aus dem Ägypten- Urlaub nach Hause kam. Schuld sei ihrer Ansicht nach ein mit Spermien verunreinigter Hotel-Pool gewesen... © dpa
Zu hohe Wellen auf den Seychellen: Aktuell kursiert das Urteil eines Wiesbadeners, der aufgrund der Wetterbedingungen auf den Seychellen das Meer nicht nach seinen Vorstellungen nutzen konnte. Das Landgericht Hannover verneinte einen Minderungsanspruch an den Reiseveranstalter. (AZ 1 O 59/09).
Zu hohe Wellen auf den Seychellen: Aktuell kursiert das Urteil eines Wiesbadeners, der aufgrund der Wetterbedingungen auf den Seychellen das Meer nicht nach seinen Vorstellungen nutzen konnte. Das Landgericht Hannover verneinte einen Minderungsanspruch an den Reiseveranstalter. (AZ 1 O 59/09). © dpa
Reise Recht kuriose Fälle Urteile
Abifeier auf dem Seniorenschiff: Zwei Abiturientinnen wollten ihre bestandene Prüfung mit Gleichaltrigen auf einer Piratenschiff- Kreuzfahrt vor der Küste Dalmatiens feiern. Die Schiffsreise wurde von eine Jugend-Reiseveranstalter angeboten, der sich auf Urlauber bis maximal 25 Jahre spezialisiert hatte... © ots
...Weil der Zweimaster aber überbucht war, wurden die Abiturientinnen auf einem anderen Schiff untergebracht. Auf dem Ersatzdampfer befanden sich allerdings ausschließlich Reisende der Generation 75 Plus. Den Jugendlichen wurde vor Gericht Schadensersatz in Höhe von 80 Prozent des Reisepreises (1100 Euro) zugesprochen (LG Frankfurt/ Main, AZ 2/24 S 15/04).
...Weil der Zweimaster aber überbucht war, wurden die Abiturientinnen auf einem anderen Schiff untergebracht. Auf dem Ersatzdampfer befanden sich allerdings ausschließlich Reisende der Generation 75 Plus. Den Jugendlichen wurde vor Gericht Schadensersatz in Höhe von 80 Prozent des Reisepreises (1100 Euro) zugesprochen (LG Frankfurt/ Main, AZ 2/24 S 15/04). © dpa
Reise Recht kuriose Fälle Urteile
Business-Class mit Schnarchkonzert: Unerträglich war für einen Südafrika- Reisenden das Schnarchkonzert seines Sitznachbarn im Flieger. Er wollte sein Geld von der Fluggesellschaft zurückerstattet bekommen. Das Amtsgericht Frankfurt stufte die Lärmbelästigung als bloße Unannehmlichkeit ein, die ein Fluggast auch in der Business-Class hinzunehmen hätte (AZ 31 C 842/01-83). © dpa
Reise Recht kuriose Fälle Urteile
Zu viele Einheimische auf Mauritius: Einem deutschen Urlauberpärchen missfielen die Einheimischen, die sich ebenfalls am Strand von Mauritius sonnten. Das Amtsgericht Aschaffenburg sah in der Anwesenheit der Einheimischen jedoch weder einen Reisemangel noch Grund für getrübte Urlaubsfreuden und wies die Klage ab (AZ 13 C 3517/95). © dpa
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Albtraum Himmelbett: Aus allen Wolken fiel ein Urlauberpaar, als es in Venedig das Hotelzimmer der Kategorie Grand Deluxe betrat (pro Nacht knapp 480 Euro). Statt des im Reisekatalog abgebildeten Himmelbetts mit Vorhängen stand dort ein ganz unromantisch Doppelbett. Da das Zimmer auch sonst nicht den Katalogbildern entsprach, erstritten sich die Urlauber eine Rückerstattung des Reisepreises von 15 Prozent (AZ 414 C 3852/08). © dpa
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Naturerscheinung am Karibikstrand: Mehr als 400 Flohbisse am Körper zählte ein Urlauberpaar nach dem ersten Strandtag in der Dominikanischen Republik. Eine Klage gegen den Reiseveranstalter blieb allerdings erfolglos. Beim Auftreten von Sandflöhen handle es sich, so die Richter am Amtsgericht Köln, „um nicht zu verhindernde Naturerscheinungen“. (AZ 134 C 419/07). © dpa
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Keine Getränke ohne Trinkgeld: Zwei Touristen hatten einen Kuba-Urlaub all inclusive gebucht. Doch nur mit regelmäßigen Trinkgeldzahlungen gab es Getränke, ansonsten waren lange Wartezeiten die Regel. Das Amtsgericht Köln sprach den beiden Urlauber eine Minderung des Reisepreises zu. Es könne nicht angehen, dass Personal für bereits bezahlte Leistungen Trinkgeld begehre. (Amtsgericht Köln, AZ 122 C 171/00). © dpa
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Der Muezzin darf rufen: Die täglichen Muezzin-Gebetsrufe vom benachbarten Minarett wollten einer Türkei-Touristin nicht gefallen. Sie rief den Richter wegen des angeblichen Reisemangels zu Hilfe. Das Amtsgericht Düsseldorf befand die Gebetsrufe allerdings als hinzunehmende, ortsübliche Geräusche und lehnte einen Minderungsanspruch ab (AZ 48 C 5461/08). © dpa
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Ramadan: Im Fastenmonat Ramadan hatte ein Ehepaar eine Oman-Reise angetreten und nach der Hälfte der Reisezeit wieder abgebrochen. Denn auch für das Paar galt: Kein Rauchen kein Essen, keine Getränke, von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Das Ehepaar bekam zehn Prozent des Reisepreises zurückerstattet. Die Reisebüromitarbeiterin hätte, laut dem Gericht, besser aufklären müssen. (Landgericht Dortmund, AZ 17 S 45/07). © dpa
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Keine Sonnengarantie über der Sahara: Am Roten Meer regnet es in manchen Regionen nur alle zehn Jahre einmal. Ein Urlauber hatte trotzdem Pech mit dem Reisewetter. Er forderte wegen des nasskalten Wetters vom Reiseveranstalter sein Geld zurück. Das Amtsgericht Stuttgart-Bad Cannstatt wies die Klage ab, denn für Regenwetter gäbe es keinen Ersatz. (Amtsgericht Stuttgart- Bad Cannstatt, AZ 10 C 801/96). © dpa
Reise Recht kuriose Fälle Urteile
Schwedischer Stil: Ein Schweden-Urlauber verlangte Schadensersatz, weil sein Ferienhaus nur ein Plumpsklo, und nicht wie im Katalog mit einer Toilette, ausgestattet war. Das Landgericht Hamburg wies die Klage ab: Bei einem Ferienhaus in freier Natur könne nicht zwingend mit einer Wasserspülung gerechnet werden. Der Begriff „WC“ wurde im Katalog absichtlich nicht verwendet. Und ein Plumpsklo sei tatsächlich auch eine Toilette (AZ 313 S 78/02). © dpa
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Ohne Deo auf Hawaii: Ein Passagier musste unmittelbar vor dem Abflug nach Düsseldorf wieder aussteigen. Grund: Seine Sitznachbarin hatte sich beim Kapitän über den starken Schweißgeruch beschwert. Die Fluggesellschaft musste dem Passagier 260 Euro für das Hotelzimmer aufgrund der Reiseunterbrechung als Schadensersatz erstatten (OLG Düsseldorf, AZ 18 U 110/06). © dpa
Entgangene Urlaubsfreuden auch für Fünfjährige: Der Cluburlaub in Ägypten war für einen Fünfjährigen ein Desaster. Kinderpool und Kinderclub waren noch eine Bausstelle. Das Gericht minderte deswegen den Reisepreis um 73 Prozent und gestanden der Klägerin und ihrem Sohn eine Entschädigung von insgesamt 1765 Euro zu. (AZ.: 2-24 S 61/10) © dpa

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