Ruhepol von Dakar

Gorée - Insel der Künstler

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Kunst auf der Sklaveninsel: Viele der etwa 1300 Einwohner verdienen sich mit Bildern und Skulpturen ihren Lebensunterhalt.

Sie liegt etwa drei Kilometer vor der westafrikanischen Küste: Die Ile de Gorée ist Symbol für den Sklavenhandel und die Kolonialgeschichte des Senegal. Heute ist die Insel ein Ruhepol von Dakar.

Dass der Alltag im Senegal angenehm gedrosselt abläuft, ist eine leicht romantisch verklärte Beobachtung. In der Hauptstadt Dakar ist der Verkehr laut und wüst, es herrscht allgemeine Geschäftigkeit. Drei Kilometer vor der Küste jedoch liegt eine Insel, auf der die Hektik der Millionen-Metropole in weite Ferne rückt: Gorée, ein kleines Eiland mit großem Symbolwert.

Ruhepol: Die Insel Gorée vor Senegals Hauptstadt Dakar.

Bunte Kolonialhäuschen, Baobab-Bäume und Palmen, dafür keine Autos – die Idylle der Insel steht im Kontrast zu ihrer düsteren Geschichte. Lange galt Gorée als Sklaveninsel, über die jedes Jahr viele Tausend Menschen aus ganz Afrika als Arbeiter nach Nordamerika verschifft worden sein sollen. Historiker haben die Bedeutung der Insel für den Sklavenhandel inzwischen stark relativiert, doch der Mythos hat wenig von seiner Anziehungskraft eingebüßt.

Im Maison des Esclaves, dem „Sklavenhaus“, schildert der Künstler Moustafah den Leidensweg seiner Vorfahren: „Hier wurden die Kinder eingesperrt“, sagt er und zeigt auf einen dunklen Raum im Erdgeschoss. Der selbst ernannte Touristenführer, der auch bei 35 Grad eine Rastafari-Wollmütze trägt, zeigt den Besuchern die „Pforte ohne Wiederkehr“. Sie führt hinaus zur Felsküste. Dass hier Boote angelegt haben und Sklaven verschifft wurden, ist allerdings ziemlich unwahrscheinlich.

Farbenfrohe Orte auf der ganzen Welt

Kanaren: Die bunten Häuschen am Risco de San Juan, einem Höhenzug oberhalb des Hafens von Las Palmas de Gran Canaria, finden sich nur selten in Reiseführern abgebildet. © dpa
Schottland: In dem kleinen Ort Tobermory auf der Isle of Mull haben sie zumindest an Farben nicht gespart: Die Häuser am Hafen sind knallig bunt. Ob es etwas damit zu tun hat, dass in der Tobermory Distillery seit 1798 Whiskey gebrannt wird? © dpa
Die norwegische Hafenstadt Bergen hat den wenig schmeichelhaften Titel, die „regenreichste Großstadt in Europa“ zu sein. © dpa
Kolumbien: Es dürfte der Einfluss der Karibik sein, der dafür sorgte, dass die Altstadt von Cartagena in Kolumbien auch heute noch so farbenprächtig erstrahlt. © dpa
Marokko: Viele der weißen Häuser in den engen, verwinkelten Gassen in Chefchaouen im Nordosten Marokkos sind zusätzlich noch blau angestrichen – diese Farbe soll Geister abhalten. © dpa
Kapstadt: Die im 18. Jahrhundert am Fuß des Signal Hill entstandene Wohngegend Bo-Kaap (auch Malayenviertel) wurde überwiegend von sogenannten Kapmalayen gestaltet, Nachkommen jener Sklaven, die seit der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts aus Asien kamen. © PR
In Pastellfarben gestrichene kleine Häuser und Minarette prägen das Bild des Viertels, das sich in den letztem Jahren zu einem sehr begehrten Wohngebiet in Kapstadt entwickelt hat. © PR
Argentinien: Der Stadtteil La Boca der argentinischen Hauptstadt ist bekannt wegen seines Fußballclubs Boca Juniors, in dem auch schon Maradona spielte. © dpa
Salvador: In einem Teil der Altstadt von Salvador da Bahia war früher der Sklavenmarkt sowie der Schandpfahl, wonach Pelourinho benannt ist © dpa
Spanien: Erst war es nur eine verrückte Idee einer Film-Produktionsfirma: Das Dorf Júzcar in Spanien wurde für einen Werbespot zur Premiere des 3-D-Films „Die Schlümpfe“ am 16. Juni 2011 komplett blau angemalt. © AP
Vor etwa 100 Jahren kamen Künstler – unter ihnen auch August Macke und Paul Klee – in das kleine Dorf Sidi Bou Said oberhalb der Ruinen von Karthago. © IW
Willemstad auf Curaçao © PR

Unesco-Weltkulturerbe ist Gorée deshalb, weil der Besucher hier quasi durch die Jahrhunderte der westafrikanischen Kolonialgeschichte spaziert. Im Jahr 1444 ließen sich die Portugiesen auf der Insel nieder, 1617 wurde sie an die Niederländer verkauft, und später scharmützelten England und Frankreich um das Eiland. Insgesamt 17 Mal wechselte Gorée den Besitzer. Viele historische Gebäude sind erhalten und wurden restauriert.

Der Hafen von Gorée: Kleine Restaurants servieren hier frischen Fisch, danach gibt es Espresso und Crèpes.

Zwischen den roten und gelben Fassaden steht die Hitze, Ziegen blöken in den heißen Mittag. Moustafah schwadroniert über die rosa getünchte Kirche und den als Palme getarnten Funkmast, der Gorée überragt. Etwa einen Kilometer ist die Insel lang. Ein Tagesausflug reicht aus, übernachten können Reisende hier aber auch, zum Beispiel bei einem der vielen Künstler.

Kunststudent Gaoussou arbeitet gerade in seiner Galerie. „Gelber Sand aus Saint Louis, oranger aus Mali, dunkelbrauner aus Mauretanien, grüner aus dem Saloum-Delta“ – das seien die Werkstoffe für sein Bild, erklärt der 24-Jährige. Etwas geheimnisvoll streut er die feinen Körner auf eine Holzplatte. Wer senegalesisches Kunsthandwerk sucht, wird auf Gorée glücklich.

Gleich nebenan stehen zwei Kanonengeschütze aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Die Steilküste Gorées habe 1961 als Kulisse für den oscarprämierten Film „Die Kanonen von Navarone“ gedient, erzählt Moustafah. Vom höchsten Punkt der Insel zeigt er zur Skyline von Dakar und zieht einen recht ambitionierten Vergleich: „Mini-Manhattan“, sagt er und lacht.

Am Hafen kühlen sich Kinder in den Wellen ab. Das Restaurant serviert Dorade, Katzen huschen um die Stühle. Nach dem Essen gibt es Crêpe und Espresso. Die Fähre, die den Reisenden zurück ins hektische Dakar bringt, legt in gemütlicher Regelmäßigkeit ab. Sie folgt auf angenehme Weise dem Rhythmus der Insel.

Philipp Laage

DIE REISE-INFOS ZUM SENEGAL

REISEZIEL Der Senegal liegt in Westafrika an der Atlantikküste und hat knapp 13 Millionen Einwohner. Das Staatsgebiet ist mit rund 197.000 Quadratkilometern etwa halb so groß wie Deutschland.

Die knapp vier Hektar große Insel Gorée liegt rund drei Kilometer vor der Hauptstadt Dakar und ist von dort mit einer Personenfähre erreichbar.

ANREISE Air France, Tap Air Portugal und Iberia fliegen Dakar mit einem Zwischenstopp von Deutschland aus an.

REISEZEIT Zwischen November und Mai ist Trockenzeit.

GESUNDHEIT ­Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Hepatitis A und Gelbfieber sowie Malaria-Prophylaxe werden empfohlen.

ANGEBOT Bei Meier’s Weltreisen kann die siebentägige Bus-Rundreise „Nemeku Gambia & Senegal“ gebucht werden, bei der u.a. ein Halbtagesausflug nach Gorée enthalten ist. Mit sechs Übernachtungen, Vollpension und Transfers kostet die Reise ab/bis Banjul (Hauptstadt von Gambia) ab 960 Euro pro Person. Info und ­Buchung im Reisebüro.

GELD Die Währung im Senegal ist der CFA Franc. Ein Euro entspricht rund 655 CFA Franc (fixer Wechselkurs). Kreditkarten werden in gehobenen Hotels und Restaurants akzeptiert.

AUSKUNFT ­Botschaft der Republik ­Senegal, Dessauerstraße 28/29, 10963 Berlin, Tel. 030/856 21 90, www.­botschaft-senegal.de.

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