Reise: Kuriose Fälle vor Gericht 

„Urlauber müssen in der Wüste mit Sand rechnen“

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Frankfurter Richter lehnten eine Reisepreisminderung ab, weil Urlauber in der Wüste mit Sand rechnen müssen

Die Deutschen reisen viel und gerne auch billig. Und sie sind anspruchsvoll bis mäkelig. Vor Gericht verlangen viele Urlauber ihr Geld zurück. Zu Recht? Aktuelle Urteile, die Sie kennen sollten:

Die Vielfalt an Klagen auf Reisepreisminderung ist groß. Die Rechtsexperten Wolfgang Büser und Maik Heitmann haben kuriose und weniger kuriose Urteile gesammelt. Hier eine Auswahl:

Wer in die Wüste fährt, sollte sich auf Sand einstellen:

Wer in einem Mietwagen durch Wüstengebiet fährt, wie in Namibia, der muss damit rechnen, dass Sand ins Wageninnere dringt und hat, wenn er dadurch erkrankt, keinen Anspruch auf nachträgliche Reisepreisminderung, urteilte das Landgericht Frankfurt am Main.

Bei der Sicherheitskontr­olle muss man selbst auf seine Sachen aufpassen:

Ein Urlauber legte an der Sicherheitsschleuse eines Flughafens seine wertvolle Uhr ab, wo sie durchleuchtet wurde. Als er sie am anderen Ende der Schleuse wieder anlegen wollte, war sie verschwunden. Er verlangte vom Sicherheitsdienst Erstattung. Ohne Erfolg. Das Oberlandesgericht Frankfurt urteilte, dass es allein Sache des Fluggastes sei, die abgelegten Gegenstände im Auge zu behalten und bei einem Diebstahl einzugreifen.

Reise: Die kuriosesten Fälle vor Gericht 

Pamala Anderson
Blondinen, die sich grün ärgern: Als Blondine ging eine Mallorca- Urlauberin in den Pool, wie ein Marsmännchen mit grün gefärbten Haaren kam sie wieder heraus: Der zu hohe Chlor-Anteil im Wasser hatte die Haare der Klägerin verfärbt. Das beeinträchtigte die weitere Urlaubsfreude erheblich. Das Amtsgericht Bad Homburg sprach ihr eine Reisepreisminderung von zehn Prozent zu. © dpa
Pool
Das zusätzlich geforderte Schmerzensgeld gab es allerdings nicht. Begründung: Die Klägerin trug keine Badekappe, außerdem habe sie, so die Beweisaufnahme, die Haare früher bereits in schrillen Farben gefärbt. (AZ 2C 109/97-10). © dpa
Reise Recht kuriose Fälle Urteile
Schwanger durch den Hotel-Pool: Schier unglaublich, aber trotzdem wahr ist auch die Geschichte einer polnischen Mutter, die eine Schadensersatzklage anstrebte, weil ihre Tochter schwanger aus dem Ägypten- Urlaub nach Hause kam. Schuld sei ihrer Ansicht nach ein mit Spermien verunreinigter Hotel-Pool gewesen... © dpa
Zu hohe Wellen auf den Seychellen: Aktuell kursiert das Urteil eines Wiesbadeners, der aufgrund der Wetterbedingungen auf den Seychellen das Meer nicht nach seinen Vorstellungen nutzen konnte. Das Landgericht Hannover verneinte einen Minderungsanspruch an den Reiseveranstalter. (AZ 1 O 59/09).
Zu hohe Wellen auf den Seychellen: Aktuell kursiert das Urteil eines Wiesbadeners, der aufgrund der Wetterbedingungen auf den Seychellen das Meer nicht nach seinen Vorstellungen nutzen konnte. Das Landgericht Hannover verneinte einen Minderungsanspruch an den Reiseveranstalter. (AZ 1 O 59/09). © dpa
Reise Recht kuriose Fälle Urteile
Abifeier auf dem Seniorenschiff: Zwei Abiturientinnen wollten ihre bestandene Prüfung mit Gleichaltrigen auf einer Piratenschiff- Kreuzfahrt vor der Küste Dalmatiens feiern. Die Schiffsreise wurde von eine Jugend-Reiseveranstalter angeboten, der sich auf Urlauber bis maximal 25 Jahre spezialisiert hatte... © ots
...Weil der Zweimaster aber überbucht war, wurden die Abiturientinnen auf einem anderen Schiff untergebracht. Auf dem Ersatzdampfer befanden sich allerdings ausschließlich Reisende der Generation 75 Plus. Den Jugendlichen wurde vor Gericht Schadensersatz in Höhe von 80 Prozent des Reisepreises (1100 Euro) zugesprochen (LG Frankfurt/ Main, AZ 2/24 S 15/04).
...Weil der Zweimaster aber überbucht war, wurden die Abiturientinnen auf einem anderen Schiff untergebracht. Auf dem Ersatzdampfer befanden sich allerdings ausschließlich Reisende der Generation 75 Plus. Den Jugendlichen wurde vor Gericht Schadensersatz in Höhe von 80 Prozent des Reisepreises (1100 Euro) zugesprochen (LG Frankfurt/ Main, AZ 2/24 S 15/04). © dpa
Reise Recht kuriose Fälle Urteile
Business-Class mit Schnarchkonzert: Unerträglich war für einen Südafrika- Reisenden das Schnarchkonzert seines Sitznachbarn im Flieger. Er wollte sein Geld von der Fluggesellschaft zurückerstattet bekommen. Das Amtsgericht Frankfurt stufte die Lärmbelästigung als bloße Unannehmlichkeit ein, die ein Fluggast auch in der Business-Class hinzunehmen hätte (AZ 31 C 842/01-83). © dpa
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Zu viele Einheimische auf Mauritius: Einem deutschen Urlauberpärchen missfielen die Einheimischen, die sich ebenfalls am Strand von Mauritius sonnten. Das Amtsgericht Aschaffenburg sah in der Anwesenheit der Einheimischen jedoch weder einen Reisemangel noch Grund für getrübte Urlaubsfreuden und wies die Klage ab (AZ 13 C 3517/95). © dpa
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Albtraum Himmelbett: Aus allen Wolken fiel ein Urlauberpaar, als es in Venedig das Hotelzimmer der Kategorie Grand Deluxe betrat (pro Nacht knapp 480 Euro). Statt des im Reisekatalog abgebildeten Himmelbetts mit Vorhängen stand dort ein ganz unromantisch Doppelbett. Da das Zimmer auch sonst nicht den Katalogbildern entsprach, erstritten sich die Urlauber eine Rückerstattung des Reisepreises von 15 Prozent (AZ 414 C 3852/08). © dpa
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Naturerscheinung am Karibikstrand: Mehr als 400 Flohbisse am Körper zählte ein Urlauberpaar nach dem ersten Strandtag in der Dominikanischen Republik. Eine Klage gegen den Reiseveranstalter blieb allerdings erfolglos. Beim Auftreten von Sandflöhen handle es sich, so die Richter am Amtsgericht Köln, „um nicht zu verhindernde Naturerscheinungen“. (AZ 134 C 419/07). © dpa
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Keine Getränke ohne Trinkgeld: Zwei Touristen hatten einen Kuba-Urlaub all inclusive gebucht. Doch nur mit regelmäßigen Trinkgeldzahlungen gab es Getränke, ansonsten waren lange Wartezeiten die Regel. Das Amtsgericht Köln sprach den beiden Urlauber eine Minderung des Reisepreises zu. Es könne nicht angehen, dass Personal für bereits bezahlte Leistungen Trinkgeld begehre. (Amtsgericht Köln, AZ 122 C 171/00). © dpa
Reise Recht kuriose Fälle Urteile
Der Muezzin darf rufen: Die täglichen Muezzin-Gebetsrufe vom benachbarten Minarett wollten einer Türkei-Touristin nicht gefallen. Sie rief den Richter wegen des angeblichen Reisemangels zu Hilfe. Das Amtsgericht Düsseldorf befand die Gebetsrufe allerdings als hinzunehmende, ortsübliche Geräusche und lehnte einen Minderungsanspruch ab (AZ 48 C 5461/08). © dpa
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Ramadan: Im Fastenmonat Ramadan hatte ein Ehepaar eine Oman-Reise angetreten und nach der Hälfte der Reisezeit wieder abgebrochen. Denn auch für das Paar galt: Kein Rauchen kein Essen, keine Getränke, von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Das Ehepaar bekam zehn Prozent des Reisepreises zurückerstattet. Die Reisebüromitarbeiterin hätte, laut dem Gericht, besser aufklären müssen. (Landgericht Dortmund, AZ 17 S 45/07). © dpa
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Keine Sonnengarantie über der Sahara: Am Roten Meer regnet es in manchen Regionen nur alle zehn Jahre einmal. Ein Urlauber hatte trotzdem Pech mit dem Reisewetter. Er forderte wegen des nasskalten Wetters vom Reiseveranstalter sein Geld zurück. Das Amtsgericht Stuttgart-Bad Cannstatt wies die Klage ab, denn für Regenwetter gäbe es keinen Ersatz. (Amtsgericht Stuttgart- Bad Cannstatt, AZ 10 C 801/96). © dpa
Reise Recht kuriose Fälle Urteile
Schwedischer Stil: Ein Schweden-Urlauber verlangte Schadensersatz, weil sein Ferienhaus nur ein Plumpsklo, und nicht wie im Katalog mit einer Toilette, ausgestattet war. Das Landgericht Hamburg wies die Klage ab: Bei einem Ferienhaus in freier Natur könne nicht zwingend mit einer Wasserspülung gerechnet werden. Der Begriff „WC“ wurde im Katalog absichtlich nicht verwendet. Und ein Plumpsklo sei tatsächlich auch eine Toilette (AZ 313 S 78/02). © dpa
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Ohne Deo auf Hawaii: Ein Passagier musste unmittelbar vor dem Abflug nach Düsseldorf wieder aussteigen. Grund: Seine Sitznachbarin hatte sich beim Kapitän über den starken Schweißgeruch beschwert. Die Fluggesellschaft musste dem Passagier 260 Euro für das Hotelzimmer aufgrund der Reiseunterbrechung als Schadensersatz erstatten (OLG Düsseldorf, AZ 18 U 110/06). © dpa
Entgangene Urlaubsfreuden auch für Fünfjährige: Der Cluburlaub in Ägypten war für einen Fünfjährigen ein Desaster. Kinderpool und Kinderclub waren noch eine Bausstelle. Das Gericht minderte deswegen den Reisepreis um 73 Prozent und gestanden der Klägerin und ihrem Sohn eine Entschädigung von insgesamt 1765 Euro zu. (AZ.: 2-24 S 61/10) © dpa

All-inklusive beinhaltet Mittagessen:

Das Amtsgericht Leipzig hat festgelegt, dass ein Reiseveranstalter bei einem gebuchten „all-inklusive“-Urlaub dem Gast im gebuchten Urlaubs­club ein kostenloses Mittagessen nicht verweigern darf. Müssen Urlauber die Mahlzeiten in einem „all-in-Hotel“ extra bezahlen, so liege ein Reisemangel vor, für den die Urlauber einen Teil des Reisepreises erstattet verlangen können. Das Gericht sprach dem Urlauber 20 Prozent zu. Auch hat er Anspruch auf Schadenersatz für die „vertane Urlaubszeit“. Dafür legte der Amtsrichter 250 Euro oben drauf. Das Argument des Veranstalters, „die Kunden hätten schließlich nachfragen können, was er unter all-inklusive versteht“, zog nicht.

Für Autofahrten zum Speisesaal gibt es keinen Ersatz:

Auch wenn der vom Apartment zum Speisesaal zurückzulegende Weg am Urlaubsort statt der im Prospekt pauschal angegebenen 400 Meter tatsächlich etwa 1000 Meter betragen hat, steht den Urlaubern nach Ansicht des Amtsgerichts München kein Ersatz des dafür eingesetzten Mietwagens (hier verlangt in Höhe von 650 Euro für 14 Tage) zu.

Mit dem Auto nicht durch Flüsse schwimmen:

Ein Pauschaltourist kann nach einer Entscheidung des Landgerichts München keinen Schadenersatz verlangen, wenn er bei der gebuchten Australienreise mit einem vom Veranstalter empfohlenen Mietwagen beim Durchqueren eines Flusses hängen bleibt, weil sich der Motor voll Wasser gesaugt hat – wenn im Reiseprospekt darauf hingewiesen wurde, dass bei Flussdurchquerungen auf die Wassertiefe zu achten ist.

Der Muezzin ist kein Reisemangel:

Pauschal-Urlauber verlangten in der Türkei eine Reisepreisminderung, weil sie sich von den Muezzin-Rufen von einem Minarett neben dem Hotel gestört fühlten. Das Amtsgericht Düsseldorf verweigerte die Erstattung.

tz

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