Campingurlaub

Flower-Power auf vier Rädern

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Platz da!: Weil der Bully so geräumig ist, wurde er zum Lieblingsfahrzeug der Surfer. Thomas Ginzinger vermietet mit ihm ein Lebensgefühl.

Der Passauer Thomas Ginzinger hat die Urlaubsidee für alle, die die Hippie-Ära verpasst und/oder nicht ausgelebt haben. Er vermietet in Südspanien kunterbunte kultige VW-Busse für den flippigen Flower-Power-Trip.

Er war von Anfang an mehr als einfach nur ein Auto. Der VW-Bus war und ist Freiheit und Abenteuer auf Rädern, der Urlaubstraum von Generationen, die PS-Power der Flower-Generation. Pete Townshend, Kopf der Rockband The Who, hat dem kastigen Großraumwagen zu Woodstock-Zeiten einen Song gewidmet („Going mobile“), Kommunen-Groupie Uschi Obermaier tourte mit einem besonders bunten Exemplar auf dem Hippie-Trail durch Indien, mit dem Hamburger Kiezkönig Dieter Bockhorn an ihrer Seite und immer ein wenig Gras im Handschuhfach.

Thomas Ginzinger und seine Frau Christin

VW-Busse haben nicht einfach nur Nummernschilder, VW-Busse haben Kosenamen und der gängigste ist Bulli, was einerseits auf die Robustheit des Fahrzeugs zurückzuführen sein könnte, andererseits aber laut Hersteller auch als Abkürzung für Bus und Lieferwagen steht, eine Doppelfunktion, die dieses Auto immer erfüllte.

Der Passauer Sportlehrer Thomas Ginzinger (39) nannte seinen ersten VW-Bus Oldie Sunny. Weil er mit seinem Baujahr 1973 nicht mehr der Jüngste ist. Und weil Oldie Sunny ihn in die Sonne brachte. Nach Tarifa im südlichsten Süden Spaniens, wo man mit einem Bus am Strand campen und beim Aufwachen den Wind und die Wellen spüren kann.

Fahrbares Ferienhaus, wenn man will, in direkter Strandlage.

„Und irgendwann bleib i dann dort“, singt STS. Vor zehn Jahren ist Ginzinger mit Oldie Sunny, der sogar auf den Monat gleich alt ist wie er selbst, aus einem geregelten Leben in Deutschland auf- und ausgebrochen. Der 3000 Kilometer-Ritt nach Andalusien. Danach war der Bus am Ende seiner Kräfte und Thomas am Anfang eines neuen Lebens. Alte Liebe rostet nicht: Er schenkte Oldie Sunny durch eine Runderneuerung einen zweiten Frühling und sich selbst durch den Sprung ins kalte Wasser und den Mut, daheim alle Brücken abzubrechen, einen beruflichen Neuanfang als Kite- und Surflehrer am Strand von Tarifa.

Surfer Paradies: Tarifa ist die südlichst gelegene Stadt des europäischen Festlandes. Sie markiert das östliche Ende der Costa de la Luz.

Das ist das erste Kapitel der Geschichte mit dem Titel „Träume leben“. Beim zweiten kam der Bulli wieder ins Spiel. Ginzinger merkte nämlich schnell, dass seine Busse, von denen er mittlerweile ein paar angesammelt hatte, nicht nur bei den Kitern prächtig ankamen. Für die Wellenreiter sind die Bullys ideale Fahrzeuge, weil man mit ihnen am Strand campieren kann (was in Tarifa immer und überall möglich ist) und gleichzeitig das ziemlich sperrige Equipment bequem transportieren kann. Plötzlich aber waren da auch andere Menschen, die Interesse an den kultigen Wohnmobilen zeigten. Keine Kultsurfer auf der Suche nach der ultimativen Welle, sondern Kulturfans auf dem Geschichtstrip. Lehrer, Doktoren. Professoren, lauter arrivierte Leute, die einfach mal Lust hatten, im Urlaub ein bisschen loszulassen, auszuflippen, Farbe in das Alltagsgrau zu bringen. Ginzinger wurde zum Urlauber-Geheimtipp mit seinen Hippiebussen.

Das vorläufig letzte Kapitel der Geschichte mit dem Titel „Träume leben“ wiederum schrieb die Leidenschaft. Thomas Ginzingers Leidenschaft für alte VW-Busse. Gerade nämlich hat er seinen absoluten Traumbus gefunden und auf dem Hänger nach Südspanien geholt. Einen T1 Samba, das Modell mit den 23 Fenstern, von dem nur ein paar 100 gebaut worden sind. Einem Sammler in Madrid hat er ihn mit viel Überredungskunst abgeluchst, ein ausgehöhlter Haufen Rost auf Rädern. Es braucht große Phantasie, um sich vorzustellen, dass daraus mal ein chromblitzender Oldtimer-Bus wird. Aber Thomas’ Freund Fitz (49), der Mechaniker aus Bayern wird das schon hinkriegen. Auch der ehemalige Caterpillar-Ingenieur ist nach Tarifa gekommen, um dort fortan seinen Traum zu leben. Wie so viele...

Christine Hinkofer

Was man zu den Hippiebussen wissen sollte

Herr Ginzinger, wo übernehmen die Urlauber die Busse?

Am Flughafen in Jerez oder Malaga. Von Jerez sind es nach Tarifa 150 Kilometer, von Malaga 180.

Kann ich mit den Oldtimern unbegrenzt weit fahren?

Nein, wir fragen schon, wohin die Leute wollen. Im südlichen Bereich Andalusiens, zwischen Granada, Sevilla und Malaga, sind die Kilometer frei, wenn die Leute weiter weg wollen, geben wir ihnen einen der neueren Busse und die Kilometer werden vereinbart. Bei den älteren Bussen ist es uns lieber, wenn sie in der Nähe sind. Aber erfahrungsgemäß ist das so, dass die Kunden mit großen Reiseplänen ankommen und wenn sie dann einmal am Strand stehen, gefällt es ihnen so gut, dass sie gar nicht mehr weit fahren.

Von Tarifa bzw. Gibraltar ist es nur ein Katzensprung hinüber nach Afrika. Darf ich den Bus mit auf die Fähre nehmen?

Nein, es würde auch keinen Sinn machen, denn die Fähre ist für einen Tagesausflug einfach zu teuer, da nimmt man kein Auto mit. Aber wir organisieren Gruppenreisen mit den Bussen im Winter, zum Beispiel durch Marokko, die man bei uns buchen kann.

Bin ich mit so einem VW-Bus völlig unabhängig von Campingplätzen und anderer Infrastruktur?

Der Bus hat viel Stauraum, eine große Liegefläche, eine kleine Küche und eine Kühlbox. Wasser gibt’s im Kanister. Zum Duschen muss man nicht unbedingt auf den Campingplatz gehen, es gibt in Tarifa überall am Strand Duschen. Und wer einmal das Strandleben genossen hat – abends am Lagerfeuer einschlafen und morgens bei Sonnenaufgang schon im Wasser sein, der will dieses Feeling ohnehin nicht mehr missen. Der verzichtet eh auf ein wenig Komfort dafür.

Die Busse sind alle nicht mehr die Jüngsten. Was passiert, wenn ich mit einem liegenbleibe?

Kein Problem. Unser Hänger und der Mechaniker sind nie weit weg und immer schnell vor Ort. Aber eigentlich sind die Busse wirklich zuverlässig, oder, wie ich es mal in einem Interview erzählt habe: Es gibt Momente, in denen er bockt, aber dann machen wir gemeinsam Pause und schauen, was ihm fehlt und dann strahlen seine liebevollen Kulleraugen wieder in der Sonne.

Und was kostet nun der Hippietraum von der großen Freiheit und Unabhängigkeit?

Zwischen 40 und 80 Euro am Tag, je nach Bustyp und Reiseroute und Mietdauer.

Weitere Infos zur Anmietung der Hippie-Busse bei Thomas Ginzinger direkt unter Tel. 0034/696-797217, www.surfers-life-tarifa.com.

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