Dalmatien hat 330 Kilometer Küste

Das zählt im Urlaubsparadies

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Festung am Meer: Das Dubrovnik von heute muss sich nicht gegen Raubritter sondern gegen eine Armada an Kreuzfahrern erwehren.

Wir wissen nicht, wie viele Punkte ein Dalmatiner hat. Diese Frage muss unbeantwortet bleiben. Ansonsten aber hat Autorin Katrin Woitsch Dalmatien, die südlichste und sonnigste Ferienregion Kroatiens, zahlenmäßig ganz genau unter die Lupe genommen.

Das wichtigste zuerst: Dalmatien hat 330 Kilometer Küste und mehr als 1000 grüne Inseln. Was sonst noch zählt im Urlaubsparadies:

600 Kilo Stein im Konavletal

Ivo Divanovic streicht mit der Hand über den 600 Kilo schweren Mühlstein, der sich seit vier Jahrhunderten unermüdlich dreht und Maiskörner unter sich zermahlt. Divanovic hat die alte Wassermühle im Konavletal südlich von Dubrovnik vor 30 Jahren von seinem Großvater übernommen. Obwohl er wusste, dass sich die Mehlproduktion nicht mehr rentieren würde. Nicht bei den günstigen Importpreisen, nicht bei der großen Entfernung zur Hauptstadt Zagreb. Ivo Divanovic hatte einen anderen Plan: Er setzt auf die Touristen, will sie entführen in die Vergangenheit Dalmatiens. Rund um die alte Wassermühle ist die Zeit stehen geblieben.

Zwei junge Frauen in historischer Landestracht begrüßen die Gästegruppe. Ivo DivanovicführtdieBesucher in Pumphose, Hemd und Weste durch die Mühle, zeigt ihnen die alte Presse. Anschließend bekommen die Gäste eine Kostprobe. Frisch gebackenes Brot, dazu Käse, Oliven und Wein aus der Region. Divanovics Idee bewährt sich. Das Dalmatien der Vergangenheit ist inzwischen nicht nur Touristen eine Reise wert.

278 Stufen in Dubrovnik

Helena Maric steigt die 278 Stufen auf die alte Stadtmauer Dubrovniks hinauf. Von hier oben, vom Aussichtspunkt auf 26 Metern Höhe, sieht die alte, vom Meer umschlossene Festungsstadt ganz friedlich aus. Hier oben lässt sich Dubrovnik am Vormittag am besten genießen. Denn wenn die großen Kreuzfahrtschiffe vor den Toren der Stadt angelegt haben, wird es eng in den vielen kleinen Gassen. Rund 12 000 Touristen kommen tagtäglich, um die Altstadt zu besichtigen. Reiseleiterin Helena Maric mag diesen Trubel nicht, er nimmt der Stadt ihren Zauber, sagt sie. Deshalb klettert sie mit ihrer Reisegruppe die 278 Stufen hinauf zum Stadtrundgang über den Dächern der Altstadt – bis die großen Touristenschiffe wieder abgelegt haben.

104 Gefäße mit Geschichte

104 Holz- und Porzellangefäße für Arzneimittel stehen in den Regalen. Die antike Uhr in der Mitte ist längst stehengeblieben – die Zeit auch, so scheint es. Das Franziskanerkloster im Herzen Dubrovniks beherbergt Europas älteste Apotheke. Es ist ein Ort, an dem Touristen keine Fotos machen dürfen. Vielleicht sind die Besucher deshalb so andächtig.

12 000 Flaschen Heimatgefühl

Manchmal einige mehr, selten weniger. 12 000 Flaschen Wein verkauft Dubravko Vukas. Jahr für Jahr. An Touristen, an Gastronomen, an seine Landsleute. In jeder einzelnen Flasche steckt ein wenig von der kroatischen Sonne, die auf die grünen Weinberge hinunterbrennt. Es steckt etwas von dem Wind darin, der von der Küste ins Landesinnere bläst. Jede Menge Heimat füllt der 39-Jährige in seinem Keller bei Ston auf der langgezogenen Halbinsel Pelješac ab. Neben Wein auch 15 verschiedene Liköre. Mit Minze-, Johannisbeer- oder Rosengeschmack. Anfangs war es ein Hobby, jetzt ist es ein Beruf. Seit zehn Jahren sind seine Weine ein Geheimtipp in der Region. Der Rotwein schmeckt für Vukas am stärksten nach der kroatischen Sonne und nach dem Geruch des Meeres. Er schmeckt nach Heimat. Deshalb hat er ihn Mato genannt, nach seinem Vater.

7 fälle für die Sehnsucht

Überall ist Wasser. Es rauscht links und rechts der schmalen Wege, die durch den 111 Quadratkilometer großen Krka-Nationalpark führen. Es ist in der Luft, wie ein feiner Nieselregen. Es fällt an sieben Stellen hunderte Meter in die Tiefe. Doris Zorica liebt diesen Ort. Wenn sie nicht hier als Führerin arbeiten würde, wäre sie wohl jede Woche als Besucherin hier. Eine von den 700 000, die jedes Jahr in den Nationalpark kommen. „Am allerschönsten ist es im Frühjahr“, sagt sie. Wenn es blüht, wenn die Natur erwacht. Allein 57 Muschelarten gibt es in der Mündung des Krka. Es ist ein unbeschreiblich schönes Stück Dalmatien, findet Doris. Sie bleibt mit ihren Besuchern kurz stehen, bei dem 500 Jahre alten Baum, berichtet von der größten Seepferdchenkolonie der Adria, die hier lebt. Das sind die Momente, in denen Doris Zorica ganz klar wird, warum Dalmatiner immer Sehnsucht haben. Nach Orten wie diesem.

3 Epochen, eine Kathedrale

Drei Baustile vermischen sich im Glockenturm der Kathedrale Sveti Lovro in Trogir. Über dem romanischgotischen Unterbau wurde Anfang des 15. Jahrhunderts im gotischen Stil das erste Turmobergeschoss gebaut, einige Jahre später ein zweites im Stil venezianischer Spätgotik. Das dritte Geschoss kam erst Ende des 16. Jahrhunderts dazu, in einem Gemisch aus Gotik und Renaissance. Ganz vorne im Altarraum sangen einst die Priester während der Gottesdienste. Dabei hielten sie sich so an den Händen, dass sie gegenseitig ihren Puls fühlen konnten – um ohne Dirigent im Takt zu bleiben.

30 000 Quadratmeter Palast

Die Geschichte der Stadt Split beginnt inmitten von 18 Meter hohen und zwei Meter dicken Mauern. Es sind die Außenmauern des Palastes, den Kaiser Diokletian um das Jahr 300 bauen ließ. Diese 30 000 Quadratmeter Palast sind heute in die Altstadt von Split integriert. „Er inspiriert“, sagen die Künstler und Musiker, die hier leben. Sie sind stolz auf ihre Stadt, entstanden aus einer Kaiservilla. „So etwas gibt es sonst nirgendwo“, sagt Suzana Talijan. Die 46-Jährige ist hier geboren und aufgewachsen. Sie liebt die Promenade mit den vielen kleinen Cafés, in denen immer Musik gespielt wird. Sie liebt die großen Märkte in der Stadt mit den Gerüchen von Blumen, Gemüse und Fisch. Sie liebt die alten Steinfassaden. „Die Menschen hier wohnen in kaiserlichen Gemächern“, erzählt sie. Aber eigentlich verbringen sie nicht viel Zeit in den Wohnungen. Gelebt wird draußen. Jeden Tag, jede Nacht. „Wir schnappen uns die Sonne und sitzen an der Promenade oder in den Cafés“, sagt Suzana.

Zum Beispiel im Café Genscher. Sechs kleine Bistrotische stehen vor dem unscheinbaren Gebäude direkt an der Promenade. „Mit dem Namen erinnern wir daran, dass die Deutschen die Ersten waren, die Kroatiens Unabhängigkeit anerkannt haben“, sagt Suzana. „Wir sind stolz, dass wir in wenigen Wochen zur EU gehören werden“, betont sie. Und fügt hinzu: „Vielleicht gibt es hier ja bald eine Merkel- Gasse.“

DIE REISE-INFOS

REISEZIEL - Die Region Dalmatien liegt an der östlichen Adriaküste im Süden Kroatiens. Sie erstreckt sich von dem Gebiet nördlich von Zadar bis zur südlichsten Landesgrenze Kroatiens. Im Osten grenzt Dalmatien an Bosnien und Herzegovina, im Süden an Montenegro. 860 000 Menschen leben an dem 12 000 Quadratkilometer großen felsigen Küstenstreifen mit seinen zahllosen Buchten und Inseln.

ANREISE - Croatia Airlines fliegt täglich von München nach Split (ab 174 euro) oder Dubrovnik (ab 224 euro). Alternativ fährt der IC/EC von München nach Zagreb zweimal täglich in gut neun Stunden (Sparpreis Europa-Spezial ab 29 Euro), von dort geht es mit dem Direktzug weiter nach Split.

GELD - In Kroatien wird mit Kuna gezahlt. Sieben Kuna entsprechen einem Euro.

REISEZEIT/KLIMA - In den Hauptreisemonaten Juli und August liegen die Tagestemperaturen bei 25 bis 30 Grad, im Süden und im Hinterland kann es noch wärmer werden. Das Wasser der Adria ist bis 25 Grad warm. Zum Wandern oder für Besichtigungen sind Mai und Juni sowie September und Oktober ideal. In Süddalmatien ist das Meer oft noch im November 22 Grad warm.

RUNDREISEN - Der Reiseveranstalter Gebeco bietet verschiedene Erlebnisreisen für Dalmatien an: Eine achttägige Städtereise „Dalmatien zum Kennenlernen“ kann ab 940 Euro gebucht werden, eine achttägige Wanderreise „zwischen Karst und Küsten“ ab 1295 Euro und „Vom Land der schwarzen Berge nach Dubrovnik“ ab 1495 Euro. Weitere Infos unter www.gebeco.de/reisen. Der Studienreisen-Spezialist Dr. Tigges hat zwei Tourangebote im Programm: „Venezianischer Charme am Rande des Balkans“ (13 Tage, ab 2095 Euro) und „Kulturen und Landschaften des Balkan (10 Tage, 1595 Euro). Alle Infos unter www.drtigges.de/reisen.

WOHNEN - Ein Geheimtipp ist das kleine Hotel Dalmacija im Fischerort Cavtat nahe Dubrovnik. Das Haus ist 100 Jahre alt, die zwölf Zimmer sind modern ausgestattet. Tel. 003 85/20/ 47 88 00, www.villa-pattiera.hr.

KULINARISCH - Fischliebhaber kommen im Restaurant Proto im Zentrum Dubrovniks auf ihre Kosten, bei herrlichem Blick über die Stadt und die Promenade. Tel. 003 85/20/ 32 32 34, www.esculap-teo.hr.

WEITERE INFOS - Kroatische Zentrale für Tourismus in München, Rumfordstraße 7, Telefon 089/ 22 33 44, Internet www.kroatien.hr und www.reiseinfo-kroatien.com.

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