Autos, Motown und Elite-Schulen

Detroit: Zu Besuch in Mitt Romneys Heimatstadt

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Vermeintliche Idylle: Die Skyline von Detroit im Abendlicht. Doch seit einigen Jahren hat die Stadt mit großen Problemen zu kämpfen.

Detroit erfindet sich gerade neu. Nach dem Niedergang der Autoindustrie ist das auch bitter nötig. Teilweise scheint die Zeit einfach stehen geblieben zu sein, seitdem Mitt Romney hier seine Kindheit verbrachte.

Nur noch eine Wiese: Links von dem noch existierenden Haus stand das Wohnhaus der Romneys in Palmer Woods.

Es ist idyllisch in Palmer Woods, sehr idyllisch. Die Wassersprenger befeuchten die Grünflächen in den gepflegten Vorgärten, die Bürgersteige sind sauber gefegt, Blumen blühen - Unkraut Fehlanzeige. Mittendrin in dieser noblen Wohngegend von Detroit lag jahrelang ein Schandfleck: 1860 Balmoral Drive. Ein Haus, das sich die Natur langsam zurückholte. Eine Ruine, die kaum noch zu retten war: das Elternhaus des US-Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney.

„Heute sieht man hier nur noch eine Wiese, einen guten Bauplatz“, sagt Rob Dewaelsche, der für die Bewohner des Vorortes spricht. „Beim Haus der Romneys war nichts mehr zu machen - auch nicht mit viel Geld“, sagt er.

Als Willard Mitt Romney 1947 geboren wurde, starb ein noch bekannterer Sohn der Stadt: Henry Ford. Er hatte das legendäre Auto „Model T“ erfunden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war Detroit eine florierende Stadt - der Nabel der US-Automobilindustrie. Das gesellschaftliche Leben konnte jedem Vergleich mit Metropolen wie New York, Boston oder San Francisco standhalten.

Elitär und abgeschieden: die Cranbrook School in Bloomfield Hills, wo Mitt Romney lernte.

Und mittendrin die Romneys. Der Vater arbeitete viele Jahre in den Chefetagen der American Motors Corporation, später wurde er Gouverneur von Michigan. Die Mutter, eine Hausfrau, bekam erst zwei Töchter und einen Sohn - dann brachte sie Mitt zur Welt, den Nachzügler.
Der Junge besuchte zunächst öffentliche Schulen. Als am anderen Ende der Stadt der Motown-Sound geboren wurde, kam Mitt Romney in die siebte Klasse - und seine Eltern schickten ihn auf die Cranbrook School in Bloomfield Hills, einem weiter nördlich gelegenen Stadtteil. Sehr elitär, sehr abgeschieden - und, wenn das überhaupt möglich ist, noch ein bisschen idyllischer als Palmer Woods.

Die Schule ist - heute wie damals - aufgebaut wie der Campus eines amerikanischen Colleges. Klassenräume, Laboratorien, eine Mensa und Schlafräume für die Internatsschüler. Aber Mitt Romney verbrachte die ersten Jahre als sogenannter Tagesschüler dort. Er lebte weiterhin bei seinen Eltern, die von Palmer Woods hierher zogen.

Die Hochhäuser von Detroit stammen noch aus der Blütezeit der Automobilwirtschaft.

Mit Detroit hat die Eliteschule nicht mehr viel zu tun. Die Stadt ist gerade dabei, sich neu zu erfinden. Denn die daniederliegende Autoindustrie hat ihr in den vergangenen Jahren schwer zu schaffen gemacht. Zwar haben General Motors, Ford und Chrysler ihre Zentralen hier, doch schon lange wird nicht mehr so viel produziert wie in den Hochzeiten des Autobaus.

Allein zwischen 2000 und 2010 hat Detroit ein Viertel seiner Einwohner verloren. „In Detroit haben mal gut zwei Millionen Menschen gelebt, heute sind es nur noch knapp 600 000“, sagt Kim Rusinow, die Touristen durch Detroit führt.

Sie kennt die teils gut versteckten schönen Seiten der Stadt - und sie kennt die Entwicklungen der vergangenen Jahre. Sie macht bei ihren Touren auch vor den Spukhäusern nicht Halt. Aber sie kennt auch die vielen Projekte, mit denen die Stadt versucht, der schlechten Lage entgegenzusteuern. „Wir merken, dass das Erfolg hat. Junge Leute kommen wieder, fast alle Mietwohnungen sind vergeben.“ Auch junge Unternehmen richten Büros in Detroit ein.

Wer sich allerdings auf die Spuren der Romneys begeben will, wird nicht allzu viel finden - außer der Cranbrook School und eben jenem leerstehenden Baugrundstück.

Von Verena Wolff, dpa

DIE REISE-INFOS ZU DETROIT

ANREISE: Detroit hat einen großen internationalen Flughafen: Detroit Fort Wayne (DTW). Lufthansa fliegt aus Frankfurt am Main täglich direkt nach Detroit. Wer von einem anderen Flughafen in Deutschland startet, muss einmal auf einem amerikanischen Flughafen umsteigen.

BESTE REISEZEIT: Die Winter in Detroit sind eisig und schneereich, im Sommer wird es sehr warm. Die schönsten Reisezeiten sind Frühjahr und Herbst, wenn die Temperaturen moderat sind.

MEHR INFOS: Detroit Metro Convention & Visitors Bureau, 211 W. Fort St., Ste. 1000, Detroit, MI 48226 (Tel.: 001/313/202 18 00).

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