Mit Kind und Kegel über alle Berge

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Kleine Leute auf großer Tour: Juliana ist mit acht Jahren das erste Mal über die Alpen gewandert.

Hannibal, der römische Eroberer, ist die Tour mit Elefanten gegangen. Juliana hat immer ihre Puppe Hanni dabei. Die ist selbst gebastelt, aus alten Socken.

Spaß haben: Wanderkinder vor der Hütte.

Als Juliana mit ihren Eltern zum ersten Mal zu einer Alpenüberquerung startete, von Oberstdorf nach Meran, war sie acht und es war, das gibt die Mama heute zu, ein Experiment. Würde ein Kind das packen? Bis zu fünf Stunden wandern am Tag, insgesamt 100 Kilometer und 4400 Höhenmeter in neun Tagen? Juliana hat’s gepackt, spielend. Und inzwischen hat Rita Hagen die Alpenüberquerung für Familien als festen Bestandteil in ihr Reiseprogramm von Hagen Alpin Tours aufgenommen. An zwei Terminen im August bieten wir den Trip als Leserreise an. Alles, was man dazu wissen muss, erklärt uns Juliana im Interview.

Sag mal Juliana, wann hast du denn deine ersten Wanderschuhe bekommen?

Hunger stillen: Es gibt Kaiserschmarrn.

Juliana überlegt kurz: „Ich glaub, da war ich vier oder so.“ Und Mama Rita Hagen bestätigt: „Gleich, nachdem sie aus der Kraxen draußen war, in der wir sie früher auf Touren mitgenommen haben, hat sie ihre ersten Wanderschuhe bekommen.“

Mal ehrlich, Juliana, macht Wandern Kindern wirklich Spaß?

Juliana grinst: „Mein größtes Hobby ist es nicht. Aber wenn man mit anderen Kindern läuft, ist es okay. Da kann man dann abends auf der Hütte zusammen spielen und so.“

Was spielt ihr da?

Monopoly oder Karten. Oder wir sind draußen. Vor einer der Hütten gibt es einen riesigen Sandkasten. Da sitzen wir dann alle drin und buddeln wie die Wilden.

Sind auf den Touren auch mal Kinder dabei, die richtig fad sind und die typischen Quengel-Fragen stellen: „Wann sind wir endlich daaa?“ und „Wie lang ist es noooch?“

Ja, einer war mal dabei, der hat ein bisserl genervt, aber nur, wenn seine Mama in der Nähe war. Sonst war er ganz brav.

Was hat dir bei der Alpenüberquerung am besten gefallen?

Karte lesen: Da geht’s lang.

Die Übernachtung in den Hütten. Das ist viel cooler als im Hotel. Wir schlafen da alle in einem Matratzenlager und vor dem Einschlafen machen wir noch eine Kissenschlacht. Schön ist es auch, wenn wir Tiere sehen. Gemsen oder Salamander. Oft liegen Kühe einfach auf dem Weg und stören sich gar nicht, wenn wir vorbeilaufen. Einmal haben wir auch Murmeltiere gesehen. Na ja, nicht so richtig, die verstecken sich nämlich. Aber das Pfeifen hat man gehört.

Man läuft bei der Alpenüberquerung bis zu fünf Stunden am Tag, so steht es im Programm. Tun einem da nicht manchmal die Füße weh?

Füße kühlen: Pause an einem Gumpen.

Schon. Aber dann lauf ich abends auf der Hütte oder im Hotel barfuß, da können sich die Füße erholen. Wir machen unterwegs auch oft Pausen, an einem Bach oder einem Gumpen. Da kann man dann die Füße reinhängen, das tut gut. Wenn’s ganz warm ist, kann man da auch baden.

Hast du bei der Alpenüberquerung auch schon erlebt, dass richtig schlechtes Wetter war?

Nein, meistens scheint die Sonne.

Dann kann ich dich gar nicht nach deinem Rezept gegen die Schlechtwetterlaune fragen...

Schlechtes Wetter macht mir auch gar nicht so viel aus. Wir haben ja Regenzeug dabei.

Was ist dein Lieblingsgericht auf der Hütte?

Kaiserschmarrn. Den besten gibt es auf der Hirzeralm, das ist die letzte Hütte, bevor wir mit der Bahn runter nach Meran fahren.

Jetzt musst du uns noch ein paar Tipps geben, was man bei einer Alpenüberquerung dabeihaben muss.

Ein Hüttenschlafsack und was für die Nacht, Skiunterwäsche oder so. Ganz wichtig ist ein Fotoapparat, weil man so tolle Sachen sieht. Und Wasser. Man muss ganz viel trinken. Das Gepäck wird ja hinterher transportiert, im Rucksack hat man nur das dabei, was man für die Hüttenübernachtung braucht.

Wie viel wiegt dein Rucksack ungefähr?

Am Anfang ist er ganz leicht, erst wenn wir wieder runter ins Tal laufen, wird er schwer, weil ich unterwegs so viele Sachen finde, Steine und Holzstücke oder Federn, die ich mitnehme.

Interview: Christine Hinkofer

Das sagt die Mutter

Für Familien haben wir die klassische Route der Alpenüberquerung auf dem Fernwanderweg E5 auf kindgerechte Etappen aufgeteilt, mit vielen Möglichkeiten zum Spielen. Ich hatte schon Bedenken, als wir vor vier Jahren die Tour erstmals probeweise gegangen sind, und wir Erwachsenen haben uns alles Mögliche ausgedacht, wie wir die Kinder beschäftigen und ablenken könnten, falls es Probleme geben sollte. Aber nicht eine der geplanten Maßnahmen war notwenig. Die Erfahrung hat gezeigt: Wenn Kinder zusammen wandern, geht alles wie von selbst und für die Erwachsenen ist es auch viel entspannter. Es gibt auch die Möglichkeit, Etappen mal im Bus mitzufahren, wenn einer schwächelt. Aber auch davon hat bisher nie auch nur ein einziger Mensch, ob Erwachsener oder Kind, Gebrauch gemacht. Wir gehen die Alpenüberquerung für Familien inzwischen jedes Jahr viermal und insgesamt waren schon an die 200 Kinder dabei.

DIE REISE-INFOS

ROUTE Die Familienroute der ­Alpenüberquerung verläuft auf einer Etappe des Fernwanderwegs E5. Ausgangspunkt ist Oy-Mittelberg im Allgäu. Von hier geht es über das Lechtal, die Lechtaler Alpen, das Inntal und das Pitztal zu den Ötztaler Eisriesen, übers Timmelsjoch nach St. Leonhard und als letzte Wanderetappe auf die Hirzeralm, von wo die Bergbahn die Wanderer hinunter nach Meran bringt.

ÜBERNACHTUNG Abwechselnd in Gasthöfen mit privatem Bad/WC, teilweise auch mit Sauna, dreimal auf Hütten im Mehrbettzimmer bzw. Bettenlager.

TERMIN Die Leserreise für Familien findet vom 7. bis 16. August bzw. vom 14. bis 23. August 2012 statt.

GEPÄCK Selbst tragen muss man nur das leichte Gepäck, das man für eine Hüttenübernachtung braucht. Ansonsten wird das Gepäck von Standort zu Standort transportiert.

PREISE 1090 Euro pro Person mit Halbpension, Gepäcktransport und Wanderführer. Kinder bis 12 Jahre zahlen 850 Euro.

INFO/BUCHUNG bei Hagen Alpin Tours in Oy-Mittelberg, Tel. 083 66/98 88 93, im Internet unter www.welt-weit-wandern.de.

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