Wein von der Insel

Die englische Grafschaft Kent setzt auf Winzer

Das Hush Heath Estate exportiert seine Schaumweine in die ganze Welt. Foto: Hush Heath Estate/Visit Kent
1 von 11
Das Hush Heath Estate exportiert seine Schaumweine in die ganze Welt. Foto: Hush Heath Estate/Visit Kent
Julian Barnes führt das Weingut Biddenden Vineyards. Foto: Biddenden Vineyards/Visit Kent
2 von 11
Julian Barnes führt das Weingut Biddenden Vineyards. Foto: Biddenden Vineyards/Visit Kent
Die Winzerfamilie Barnes ist vor allem für den Ortega-Wein bekannt, eine Kreuzung aus Müller-Thurgau und Siegerreben. Foto: Biddenden Vineyards/Visit Kent
3 von 11
Die Winzerfamilie Barnes ist vor allem für den Ortega-Wein bekannt, eine Kreuzung aus Müller-Thurgau und Siegerreben. Foto: Biddenden Vineyards/Visit Kent
Im Laden der Chapel Down Winery können Besucher auch eine Weinprobe machen. Foto: Chapel Down/Visit Kent
4 von 11
Im Laden der Chapel Down Winery können Besucher auch eine Weinprobe machen. Foto: Chapel Down/Visit Kent
Mehr als 800.000 Flaschen Wein werden jährlich in der Chapel Down Winery produziert. Foto: Chapel Down/Visit Kent
5 von 11
Mehr als 800.000 Flaschen Wein werden jährlich in der Chapel Down Winery produziert. Foto: Chapel Down/Visit Kent
Weinlese in Chapel Down: Der Weinbaubetrieb stellt Weiß-, Rot-, Schaum- und Süßweine her. Foto: Chapel Down/Visit Kent
6 von 11
Weinlese in Chapel Down: Der Weinbaubetrieb stellt Weiß-, Rot-, Schaum- und Süßweine her. Foto: Chapel Down/Visit Kent
Henry Warde betreibt das Weingut "Squerryes". Foto: Verena Wolff
7 von 11
Henry Warde betreibt das Weingut "Squerryes". Foto: Verena Wolff
In Weiß und als Rosé stellt Henry Warde seine Schaumweine her. Foto: Squerryes/Visit Kent
8 von 11
In Weiß und als Rosé stellt Henry Warde seine Schaumweine her. Foto: Squerryes/Visit Kent

In der Champagne wird es langsam zu warm für die Trauben, die den weltberühmten Schaumwein ausmachen - darum schauen sich die Winzer jenseits des Ärmelkanals in Kent nach Feldern um. Denn die Bodenbeschaffenheit dort ist ähnlich.

Westerham (dpa/tmn) - Mitten in den Flitterwochen erreichte Henry Warde aus Westerham ein Anruf, der sein Leben verändern sollte. Am Telefon war sein Vater, der Besitzer der Ländereien in der englischen Grafschaft Kent.

Und der hatte Besuch von einem Champagner-Produzenten aus Frankreich, der Interesse am Land der Wardes hatte. "In der Champagne wird es langsam zu warm für die Trauben, die sie für ihr Produkt brauchen", erzählt der 42-jährige Henry. Also schaut sich mancher Produzent jenseits des Ärmelkanals nach Land um.

"Die Erde hier ist ähnlich wie in Nordfrankreich, viel Kreide, die Wurzeln der Reben können tief in den Boden wachsen." Und der Klimawandel bringt wärmere Temperaturen mit sich, so dass sich die Trauben auch im britischen Klima wohlfühlen. Land verkauften die Wardes dem Franzosen nicht. Aber Henry begann darüber nachzudenken, selbst Wein anzubauen. "2006 haben wir schließlich die ersten Reben gepflanzt, die wir in Deutschland einkauften", erzählt er. Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier: die Sorten, die man zur Herstellung von Champagner braucht.

Doch so darf sich nur der Schaumwein nennen, der aus der französischen Champagne kommt. Also heißt das Produkt von Henry Warde schlicht Sparkling Wine, Schaumwein.

Doch Henry will nicht nur guten Wein machen - er hat auch die Sache mit dem Marketing verinnerlicht. Schließlich besitzt er dieses große alte Haus, das wunderschön in einem parkähnlichen Garten liegt. Mit ein paar Zimmern voller Gemälde der Ahnen. Also öffnet er die Pforten und kredenzt neben dem eigenen Champagner im Wohnzimmer der Wardes auch Geschichten der Vorfahren, die eine bewegte Vergangenheit haben.

Die Grafschaft Kent im Süden des Königreichs ist vor allem als der "Obstgarten Englands" bekannt - oder für die Kreidefelsen von Dover und das altehrwürdige Canterbury. Äpfel und Birnen, Kirschen und Erdbeeren - das sind die Früchte, die das Land im Südosten Englands vor allem hervorbrachte.

Doch vor allem die Äpfel waren eine Weile mehr Fluch als Segen, als die Apfelpreise stark sanken und die Gärten nicht mehr genügend einbrachten. Ende der 1960er Jahre war das. Da probierte die Familie Barnes sich einfach an der Winzerei. Auf einer kleinen Fläche pflanzte man die ersten Reben und legte damit den Grundstein der Biddenden Vineyards. Heute wachsen hier elf verschiedene Sorten auf rund neun Hektar Land, die sich in einem Tal auf den sanften Hügeln am Ortsrand von Biddenden befinden.

Bei den Barnes ist bis heute alles übersichtlich, auch wenn sie sich auf die Fahnen schreiben können, als Erste das Wagnis Wein in England probiert zu haben - und damit Erfolg hatten. In ganz anderen Dimensionen ist die Chapel Down Winery in Tenterden unterwegs: Hier werden pro Jahr mehr als 800.000 Flaschen Wein produziert.

In Chapel Down ist alles von vorne bis hinten durchgeplant. Auf einer Tour kann man einige ausgewählte Felder besuchen und bekommt im Schnelldurchgang eine Einführung in die Kunst der Weinproduktion.

Ähnlich ist es in Hush Heath Estate in Tonbridge: Hier hat Richard Balfour-Lynn schon 2001 die ersten Reben gepflanzt. Inzwischen gehört er zu den führenden Anbietern in Großbritannien - und exportiert jede Menge Schaumwein in die ganze Welt. Vor Ort können die Besucher durch die sanften grünen Weinhügel spazieren und sich dann einem Tutored Tasting unterziehen.

"Wenn die Klimaerwärmung so weitergeht, wie es derzeit aussieht, wird es künftig noch viel mehr Wein aus Großbritannien geben", sagt Henry Warde. Und wer weiß - vielleicht müssen sich die britischen Winzer dann gar nicht mehr auf Schaum- und Weißweine konzentrieren. "Dann könnten sogar Rotweine hier funktionieren."

Kent

Reisezeit: Die Temperaturen sind ganzjährig recht mild. Weinlese ist zwischen Mitte September und Mitte Oktober, je nachdem, wie sonnig der Sommer war.

Anreise: Verschiedene Fluggesellschaften fliegen direkt an einen der zahlreichen Londoner Flughäfen. Um nach Kent zu reisen, bietet sich der Flughafen Gatwick an, der südlich der Hauptstadt liegt. Alternativ kann man von Calais aus durch den Eurotunnel nach Folkstone oder mit der Fähre nach Dover fahren

Unterkunft: Zahlreiche Bed & Breakfasts und Inns mit teil nur wenigen Zimmern finden sich in der gesamten Grafschaft verteilt. Vor allem in Dover und Canterbury gibt es auch größere Hotels.

Auch interessant

Meistgelesen

Warum sich diese Mutter für ihr Foto schämt - und warum alles ganz anders ist, als es scheint
Warum sich diese Mutter für ihr Foto schämt - und warum alles ganz anders ist, als es scheint
Warum Sie auf einer Kreuzfahrt niemals grüne Socken tragen sollten
Warum Sie auf einer Kreuzfahrt niemals grüne Socken tragen sollten
Warum Sie auf Kreuzfahrt ohne diese Sache niemals das Badezimmer nutzen sollten
Warum Sie auf Kreuzfahrt ohne diese Sache niemals das Badezimmer nutzen sollten
Kreuzfahrtschiff-Mitarbeiter: "Leider durften wir die Gäste nicht schlagen"
Kreuzfahrtschiff-Mitarbeiter: "Leider durften wir die Gäste nicht schlagen"

Kommentare