Gutes Benehmen über den Wolken

Der Flugzeug-Knigge: Was an Bord erlaubt ist

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Gutes Benehmen über den Wolken: Der Flugzeug-Knigge

Dass über den Wolken die Freiheit wohl grenzenlos ist, wissen wir spätestens, seit Reinhard Mey davon sang. Doch die Freiheit im Flieger hat schnell ihre Grenzen...

...und gutes Benehmen ist an Bord besonders gefragt, denn hier sitzen Menschen manchmal für mehrere Stunden ziemlich eng aufeinander.

 

Ganz gelassen durch die Sicherheitskontrolle 

Den Witz mit der Bombe im Handgepäck kann man sich getrost sparen – das Personal reagiert darauf eher gereizt und ruckzuck landet man auf der Polizeiwache statt am Urlaubsort. Besser ist es, ruhig und höflich den Aufforderungen nachzukommen und sich kooperativ zu verhalten, dann geht es für Passagiere und Kontrolleure am schnellsten.

 

Beim Einsteigen kommen die hinteren Reihen zuerst 

Nicht ohne Grund lassen die Fluggesellschaften die Passagiere auf den hinteren Reihen zuerst einsteigen, denn es verlängert das Boarding, wenn man jedes Mal warten muss, bis einer der Früheinsteiger in den vorderen Reihen sein Handgepäck verstaut hat, die Reiselektüre und alle persönlichen Gegenstände parat hat und sich dann noch auf dem Sitz sortieren muss. Für derlei Aktionen ist auch noch genügend Zeit, wenn alle Passagiere eingestiegen sind.

Ratte an Bord! Die 10 tierischsten Flugpassagiere

Igitt! Kurz vor dem Abflug in Sydney haben Flugbegleiter an Bord eines Qantas-Flugzeugs Ratten entdeckt. Der Flug wurde gestrichen, die Passagiere umgebucht. Nur die Ratten hatten kein Glück. © dpa
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Ein blinder Passagier flatterte plötzlich wild während eines Flugs von Wisconsin nach Altlanta. Die Fluggäste filmten die Fledermaus. Zu sehen ist das Video auf YouTube. © YouTube

Kleines Handgepäck am richtigen Platz

In die Fächer über den Sitzen und in den Fußraum unter den Sitzen gehören wirklich nur das kleine Handgepäck und die nicht benötigte Jacke. Es ist sehr rücksichtslos, sein sperriges Reisegepäck nicht beim Einchecken aufzugeben, um am Ziel nicht so lange am Gepäckband warten zu müssen. Damit schmälern einige wenige auf Kosten der Mehrheit den ohnehin knappen Platz an Bord noch zusätzlich.

Mach mal Pause bei der Kommunikation

Natürlich fliegen nur ganz wichtige Menschen, die vor dem Start ihrer Sekretärin noch lautstark Arbeitsanweisungen geben müssen und die nach der Landung sofort ihre eingegangenen Mails lesen und von den Kollegen darüber informiert werden wollen, was sich in der Zeit des Fluges alles getan hat. Bei den meisten Fluggesellschaften ist die Benutzung von Mobiltelefonen während des Fluges untersagt – und die Passagiere drei Reihen vor und hinter dem wichtigtuenden Dauertelefonierer wollen nicht auch noch die Inhalte des Gesprächs mitbekommen – die obendrein auch vertraulich sein könnten.

Richtig sitzen und den Platz großzügig teilen

Wem gehört die Armlehne?

Wem gehört die Armlehne? Großzügige Sitznachbarn, die am Fenster oder am Gang sitzen, geben dem zwischen ihnen Eingequetschten gerne die jeweilige Lehne, schließlich haben sie wenigstens auf einer Seite etwas Platz zum Ausbreiten. Die Rücksicht gebietet es auch, dass man seinen Sitz nicht schnellstmöglich und ohne Vorwarnung zurückstellt, vor allem dann nicht, wenn noch Getränke oder Essen auf dem heruntergeklappten Tablett stehen. Beim Aufstehen sollte man sich nicht am Vordersitz hochziehen, denn dies beeinträchtigt nicht nur den Komfort des vor einem Sitzenden, es besteht bei langhaarigen Menschen auch die Gefahr der schmerzhaften Beinahe-Skalpierung.

Lebhafte Kinder und die himmlische Ruhe 

Für Kinder ist ein Flug meist ein aufregendes Abenteuer, und sie genießen die Zeit an Bord sehr intensiv. Das heißt aber nicht, dass sie durch die Gänge toben, über Sitze klettern und andere Fluggäste belästigen sollen. Verantwortungsbewusste Eltern packen ausreichend Beschäftigungsmaterial ins Handgepäck und widmen ihrem Nachwuchs gegebenenfalls auch etwas Zeit, statt selbst in aller Ruhe einen Film anzuschauen.

Gut gekleidet und wohlriechend 

Bequeme Kleidung, ja, aber im Flugzeug sollte man sich nicht in den Schlabberlook werfen, der zu Hause gerade noch tolerierbar ist. Bedenken Sie auch, dass bei der Sicherheitskontrolle oft die Schuhe ausgezogen werden müssen – frische Socken ohne Löcher machen sich da recht gut. Aus Rücksicht auf die mitfliegenden Gäste sollte man den Abschied am Vorabend nicht mit einem knoblauchtriefenden Essen feiern, bei Nervosität vor dem Flug ein dezentes Deo benutzen und eventuell auch etwas Wäsche zum Wechseln ins Handgepäck packen.

 

Kultiviert essen und mit Maß trinken

Essen an Bord

In der Economyklasse geht es eng zu, da sind beim Essen fast schon akrobatische Künste gefordert. Besonders beim Abziehen der Aluminiumabdeckung und beim Öffnen versiegelter Milch oder Saucen Packungen ist besondere Vorsicht angesagt. Passiert doch mal ein Malheur, ist es selbstverständlich, dass man sich nicht nur entschuldigt, sondern auch anbietet, die Kosten für die Reinigung zu übernehmen. Große Zurückhaltung ist beim Alkohol angesagt. Über den Wolken wirkt er viel schneller, und die Folgen können mehr als unangenehm sein: Muss das Flugzeug wegen eines alkoholisierten Fluggastes außerplanmäßig landen, werden diesem die Kosten in Rechnung gestellt – und das kann bei Überschreitung der Flugzeit, Einfliegen einer neuen Crew plus Unterbringung von Gästen in Hotels schnell ein Betrag im fünfstelligen Bereich sein. Obendrein drohen strafrechtliche Konsequenzen wegen gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr. Insbesondere US-Behörden verstehen da überhaupt keinen Spaß.

Wie viel Smalltalk mag der Sitznachbar? 

Es gebietet die Höflichkeit, dass man die Sitznachbarn freundlich grüßt und – falls notwendig – seine Hilfe beispielsweisebeimVerstauendesHandgepäcks anbietet. Ansonsten signalisieren die meisten Menschen deutlich, ob sie gerne mit dem Nachbarn reden wollen oder Schlaf beziehungsweise Lektüre vorziehen. Das sollte man auch respektieren.

Volker Pfau

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