Föhr im Wattenmeer geht touristisch neue Wege

Föhr: Eine Insel für alle Fälle

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Meer und Weite: Die Nordseeinsel Föhr.

Föhr - Die Insel im Wattenmeer ist bekannt als Familien-Urlaubsziel. Doch mangels klassischer Familie sucht Föhr nach Alternativen Urlaubsformen. Autor Sönke Möhl über das nordfriesische Eiland.

Reise-Infos Föhr
Reiseziel Föhr liegt südöstlich von Sylt und ist mit einer Fläche von 83 Quadratkilometern die zweitgrößte deutsche Nordseeinsel. Sie hat 8700 Einwohner – etwa die Hälfte davon lebt im Hauptort Wyk – und rund 20 000 Gästebetten. Anreise Die Insel ist nur mit der Fähre erreichbar, die Fahrtzeit von Dagebüll nach Wyk auf Föhr beträgt 45 Minuten. Züge nach Dagebüll halten direkt an der Mole, die Mitnahme von Autos auf der Fähre ist auch möglich (Preis: rund 100 Euro). Wyker Dampfschiffs- Reederei, Tel. 01805/ 08 01 40 (14 Cent/Min.) oder online unter: www.faehre.de.
Dampfzug Zwischen 12. Juli und 15. August fahren samstags und sonntags einzelne Regionalzüge und ICKurswagen fahrplanmäßig mit einer Dampflok der Baureihe 52 der Nordfriesischen Eisenbahngesellschaft (NEG). Info im Internet unter www. neg-niebuell.de.
Inselhüpfer Die Fluggesellschaft Hanseflug bietet bis zum 5. September zwei Flüge pro Tag von Sylt nach Westerland an (z.T. Anschluss von/nach München). Geflogen wird mit einem historischen Doppeldecker Antonov An-2, Preis ab 50 Euro (einfache Strecke). 
www.hanseflug.de, Tel. 0511/7638588. 
Weiter Infos: Föhr Tourismus, Postfach 1511, 25933 Wyk auf Föhr, Tel. 04681/300, Internet: www.foehr.de.

Walter Stubenrauch sticht eine stählerne Grabgabel in den festen Nordseeboden am Südstrand. Der Leiter des Nationalparkzentrums in Wyk auf Föhr fördert einen beachtlichen Wattwurm zu Tage. Von diesen bis zu 20 Zentimeter langen Burschen leben bis zu 50 auf einem Quadratmeter. Sie hausen in j-förmigen Röhren, fressen sich durch den Boden, verdauen das organische Material darin und versuchen, sich dabei nicht selbst von hungrigen Vögeln erwischen zu lassen. Weil das Leben in diesem produktivsten Ökosystem der Welt weitgehend im Verborgenen tobt, müssen sich Touristen an den Boden unter ihren Füßen halten. „Wir haben einen Bück-Nationalpark“, erklärt der 52-jährige gelernte Biologie- und Geschichtslehrer seinen Gästen.

Neben Rentnern und Kurgästen kommen Schulklassen und vor allem Familien mit Kindern zu seinen Führungen. Denn in den vergangenen Jahren hat sich die knapp 83 Quadratmeter große Insel, die von ihren Schwestern Amrum und Sylt gegen die Nordsee abgeschirmt mitten im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer liegt, vor allem einen Namen als Familien-Urlaubsziel gemacht. Das soll auch so bleiben. Weil die klassische Familie seltener wird, sucht Föhr aber nach Alternativen. Singles, junge Paare ohne Kinder und Reisende im Rentenalter stellen aber andere Ansprüche.

Die Saison im Frühjahr und Herbst außerhalb der Ferien soll verlängert werden. „Das können wir nicht mit Familien mit schulpflichtigen Kindern, dazu müssen wir die Menschen ab 50 oder 55 ansprechen“, sagt Sandra Lessau, Marketingchefin der Tourismus GmbH Föhr. Die Anbieter müssen sich auf kurzfristigere Buchungen und kürzere Reisen einstellen. Dazu seien mehr Hotels mit höherem Niveau nötig. Ein erster Schritt wurde gemacht: Seit Anfang 2007 arbeiten alle Gemeinden in der Tourismus GmbH zusammen. Sie bieten einen einheitlichen Internetauftritt und eine gemeinsame Buchungsplattform.

Marianne und Brar Roeloffs haben schon reagiert und ihr kleines Garni-Hotel „Rackmers Hof“ im beschaulichen Friesendorf Oevenum erweitert. Im alten Kapitänshaus und in zwei Neubauten bieten sie unter Reet elf Suiten an, die speziell auf die Bedürfnisse von Paaren und kleinen Familien ausgerichtet sind. „Die Buchungen kommen sehr kurzfristig und meist für einige Tage“, bestätigt Marianne Roeloffs den Trend. „2009 ist tatsächlich ein Spätbucherjahr, wie die Experten vorausgesagt haben.“ Obwohl die Eröffnung des jüngsten Neubaus mit vier Suiten erst ein paar Wochen zurückliegt, schauen die Vermieter schon in die Zukunft: „Wir haben jetzt eine Größe, die für uns wirtschaftlich ist, aber wir planen, noch ein Café mit Terrasse zu eröffnen“, sagt Marianne Roeloffs.

Neben den traditionellen Stärken wie Strand, Meer und Watt, Friesendörfern und Reetdachromantik, Golfplatz und Segelbootmarina will Föhr künftig noch andere Akzente setzen. So möchte sich die Insel als Vorreiter bei der Nutzung von erneuerbarer Energie etablieren. Viele Landwirte haben erkannt, dass sie mit Solarzellen auf ihren großen Scheunendächern nicht nur ein grünes Image, sondern auch viel Geld bekommen können. Seit Jahren schon drehen sich 19 Windräder über Föhr verteilt. „Wir wollen sie durch fünf größere ersetzen und räumlich zusammenfassen“, sagt der Bürgermeister von Wyk auf Föhr, Heinz Lorenzen. Dafür gibt es landespolitisch aber noch kein grünes Licht.

Der 63 Jahre alte ehrenamtliche Chef der Inselhauptstadt, der vor seiner Pensionierung Lehrer war, kann sich eine Einrichtung zur Information über die erneuerbare Energie auf Föhr vorstellen. „Wir haben ein Hundert-Prozent-Ziel und wollen dabei nicht stehen bleiben“, sagt Lorenzen. Das heißt, auf Föhr soll mit Solar- und Windenergie sowie Erdwärme mindestens so viel Strom produziert werden, wie Einwohner und Urlauber verbrauchen. Das ist eine Menge. Denn zu den Insulanern kommen übers Jahr immerhin 200 000 Urlauber, die für insgesamt 1,9 Millionen Übernachtungen sorgen.

Die Nase vorn haben will Föhr bei aller Tradition auch mit moderner Kommunikation. Junge Menschen, die lieber einen SMSFeriengruß tippen als Postkarten zu schreiben, dürften es gut finden, dass ihr internetfähiges Foto-Handy jetzt auch ein Reiseführer ist: An 140 Punkten wie dem Dom in Nieblum oder dem Friesenmuseum in Wyk brauchen sie nur ein Schild mit einem Zeichencode zu fotografieren und können anschließend auf einer speziellen Internetseite die dazugehörigen Informationen lesen.

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