Der Geheimtipp jenseits der Côte d’Azur

Frankreichs blaue Küste

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Geheimtipp: Frankreichs Côte Bleue, die blaue Küste, mit versteckten Buchten und kleinen Fischerhäfen.

Marseille - Im Gegensatz zur Côte d’Azur, dem Tummelplatz der Reichen und Schönen, sind die Bewohner in den kleinen Fischerdörfern der Côte Bleue noch weitgehend unter sich geblieben.

Nur ganz wenige Touristen verlaufen sich an die Strände im Süden der Camargue westlich von Marseille.

Es gibt Menschen, die behaupten, das Schönste an Marseille sei die Nähe zu St. Tropez und Nizza. Oder solche, die die Hafenstadt am Mittelmeer einfach nur als Einflugschneise für ihren Urlaub in der Provence nutzen. Dabei hat die älteste und zweitgrößte Stadt Frankreichs durchaus charmante Seiten, und in der Umgebung lässt sich einiges entdecken. Die Côte Bleue zum Beispiel, Frankreichs blaue Küste, die in westlicher Richtung 40 Kilometer lang mit schönen Stränden, lauschigen Felsbuchten und glasklaren Flüsschen überrascht.

Die 40 Kilometern zwischen Marseille und Martigues überraschen Urlauber mit prächtigen Landschaften und Kalkklippen, die von den Calanques von La Vesse, Niolon, Méjean und La Redonne durchbrochen werden. Direkt am Meer liegen die kleinen Badeorte Carryle- Rouet und Sausset-les-Pins. L’Estaque ist nicht weit entfernt von Marseille, noch auf Stadtgebiet. „Aber es ist eigentlich noch immer ein Dorf“, sagt die Kunsthistorikerin Isabelle Baudoin.

Georges Braque malte hier seine Hafenszene

Betuchte Bürger haben hier im 19. Jahrhundert Urlaub gemacht. Im Hafenbecken von L’Estaque liegen kleine Boote dicht an dicht vertäut. Es gibt hier noch immer die Fischer, wie zu der Zeit, als Georges Braque hier seine Hafenszene malte. Eine Kopie seines 1906 entstandenen Gemäldes ist am Chemin des Peintres zu sehen, dem Weg der Maler. Er führt zu Stationen, die mit den Künstlern zu tun haben, die einst hier arbeiteten. „Die ersten kamen um 1860“, erzählt Isabelle Baudoin.

Paul Cézanne gehörte dazu und der Impressionist Auguste Renoir. Auch August Macke machte in L’Estaque Station, bevor er von Marseille aus zu seiner Tunisreise startete.

Malerische Ansicht - Winkel von Martigues.

Entlang der Küste westlich von Marseille liegen viele kleine Orte, die vom Tourismus kaum entdeckt wurden und wo die Franzosen auch im Sommer unter sich bleiben. Carro etwa, das immer noch mehr vom Fischfang als vom Tourismus lebt. Noch heute ist täglich Fischmarkt in Carro. Martigues, das sich mit dem Titel „Venedig der Provence“ schmückt, ist der größte Fischereihafen der Region. Einen Besuch lohnt auch La Madeleine en l’Isle: Die Kirche sieht von außen ganz unspektakulär aus. Das Innere birgt ungeahnte Kunstschätze: In allen Nischen lassen sich großformatige Gemälde mit biblischen Motiven entdecken. Irgendwie ein Symbol für die ganze Gegend: Die Schönheit erkennt erst, wer genauer hinschaut.

Andreas Heimann

Die Reise-Infos

REISEZIEL Die Blaue Küste führt von Marseille in westlicher Richtung bis nach Martigues, dem größten Fischereihafen der Provence.

ANREISE Mit dem PKW sind es von München an die 1000 Kilometer bis zur südfranzösischen Küste. Die Lufthansa fliegt täglich von München nach Marseille. Hin- und Rückflug ab ca. 228 Euro. Infos unter www.lufthansa.de. Bei Europcar bucht man einen Mietwagen ab Marseille ab ca. 194 Euro pro Woche (www.autoeurope.de). Von Marseille aus lässt sich die Blaue Küste auch mit dem Nahverkehrszug erkunden, der an den Fischerdörfern vorbeizuckelt.

REISETYP Für Frankreich-Individualisten, denen die Provence zu voll und die Côte d’Azur zu mondän ist und die auf dem Markt oder im Lokal gerne mal wieder das „Parlez-vous“ üben wollen. DIE

KÜSTENORTE L’Estaque liegt noch im Stadtgebiet von Marseille, ist aber bis heute ein Dorf geblieben. Am Strand ist nur am Wochenende was los, wenn die Ausflügler aus der Stadt kommen. In Carro findet täglich der Fischmarkt statt. Couronne ist für seinen rosa Kalkstein bekannt.

MARSEILLE Erst auf den zweiten Blick offenbaren sich die charmanten Seiten der ältesten und zweitgrößten Stadt Frankreichs. Angenehm bummeln lässt es sich um den Vieux Port, den alten Hafen. Hier legen die Ausflugsschiffe zu den Frioul-Inseln ab.

VERANSTALTER Eine Auswahl an Unterkünften an der Küste westlich von Marseille findet man im Frankreich -Katalog des Reiseveranstalters Dertour. Im Internet: www.dertour.de.

WEITERE INFOS Französisches Fremdenverkehrsamt Maison de la France, im Internet: www.franceguide.com.

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