Götterdämmerung am Nordmeer

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Faszination Polarlicht: Die Wissenschaft hat die Ursachen des Naturphänomens noch nicht bis ins letzte Detail erforscht.

In den Herbst- und Wintermonaten, wenn das Nordlicht dramatische Effekte an den Himmel zaubert, ist eine Reise mit dem Hurtigruten-Schiff ganz besonders schön. Mit an Bord: Astronomie-Experte Wolfgang Paech, der das Nordlicht erklärt.

Herr Paech, seit wann beschäftigen Sie sich mit dem Mythos des Polarlichts?

Seitdem ich während eines Urlaubes in Dänemark völlig unvorbereitet und über längere Zeit ein sehr intensives Polarlicht beobachten konnte.

Wie erklärt ein Wissenschaftler einem Laien das Polarlicht?

Unsere Sonne sendet kontinuierlich einen Teilchenstrom aus sehr energiereichen und sich schnell bewegenden Elektronen und Protonen aus. Kollidieren diese mit den Sauerstoff- und Stickstoffatomen der Erdatmosphäre, werden durch die Stossenergie die Elektronen dieser Atome in eine andere Umlaufbahn katapultiert. Nach kurzer Zeit fallen die Elektronen wieder in ihre normale Bahn zurück und dabei werden Lichtquanten ausgesendet. Im Prinzip ist dieser Vorgang dem Licht einer Leuchtstoffröhre sehr ähnlich. Diese Erzeugung von Licht wird allgemein als Fluoreszenz bezeichnet. In Wirklichkeit ist dieser Prozess jedoch wesentlich komplizierter und bislang auch nicht bis ins letzte Detail erforscht.

Lässt sich dieses Phänomen in Norwegen besonders gut beobachten?

Nicht nur in Norwegen, sondern überall auf der Erde nördlich oder südlich des sogenannten Polarkreises, also z.B. auch in Schweden, Finnland, Kanada oder Alaska. Dort verläuft das Magnetfeld senkrecht zur Erdoberfläche, und die Teilchen können in die Erdatmosphäre eintreten und mit den Atomen der Erdatmosphäre reagieren. Diese Zone zwischen dem 70. und 80. Breitengrad nennt man deswegen auch das Polarlichtoval und dort sind Polarlichterscheinungen eher die Regel als die Ausnahme. Unsere Sonne besitzt einen etwa 11,3-jährigen Aktivitätszyklus, dass heißt alle 11,3 Jahre zeigt sich ein Maximum an Aktivität. Das nächste Maximum der Sonnenaktivität wird für das Jahr 2015/2016 erwartet. Sehr starke Sonnenstürme können – durch induzierten Strom – Kraftwerke und Überlandleitungen beschädigen oder zerstören.

Gibt es auf der Reise mit dem Postschiff entlang der norwegischen Küste Orte, die besonders berühmt für Polarlichter sind?

Nein, das kann man nicht sagen. Polarlichter sind immer dann besonders schön, wenn man dazu einen schönen Vordergrund hat. Besonders eindrucksvoll sind z.B. Polarlichter, wenn man sie von einem Hurtigrutenschiff vor der Kulisse der beleuchteten Eismeerkathedrale von Tromsø beobachten kann. Auch schneebedeckte Bergketten geben einen fantastischen Vordergrund.

Wo haben Sie ihr schönstes Polarlicht gesehen und wann war das?

Im Oktober 2009 – etwa auf Höhe der Lofoten, während einer Nordlicht-und-Sterne-Tour, die ich als Lektor für die Hurtigruten betreut habe. Ein „klitzekleiner“ Sonnensturm ließ sehr helle und besonders farbige Polarlichter mehrere Tage hintereinander sichtbar werden.

Welches ist die beste Jahreszeit für die Beobachtung von Polarlichtern?

Eindeutig der Frühling oder der Herbst. Im Sommer wird es wegen der Mitternachtssonne nicht dunkel genug, um Polarlichter zu sehen. Im Prinzip natürlich auch der Winter, aber dann wird es oberhalb des Polarkreises gar nicht richtig hell und das ist nicht jedermanns Sache. Die Hurtigruten-Nordlichtund- Sterne-Reisen finden zudem immer um die Phase des Neumondes statt, denn dann ist der Himmel besonders dunkel.

Muss man dazu Frühaufsteher sein?

Nein. Polarlichter sind häufig in der ersten Nachthälfte zu beobachten. Das ist auch ein Phänomen, welches weitgehend unerforscht ist. Statistiken belegen, dass die Polarlichtaktivität meist gegen Mitternacht abflaut. Es ranken sich Mythen und Sagen um die Polarlichter.

Welche Geschichte erzählen Sie am liebsten?

Kann ich nicht sagen. Ich kann dazu nur sagen, dass, wenn man einmal allein in einer eindrucksvollen Landschaft wie Island oder Norwegen Polarlichter gesehen hat, es nicht wundert, dass gerade in diesen Ländern so viele Sagen mit Elfen, Feen und anderen mythischen Wesen geschrieben worden sind.

Zum Schluss noch eine fotografische Fachfrage: Können Sie einen Tipp geben, wie man das Polarlicht am besten mit der Kamera einfängt?

Einfangen ist gut. Das allerwichtigste ist, ein Fotostativ dabei zu haben, denn obwohl Polarlichter dem bloßen Auge sehr hell erscheinen können, benötigt man Belichtungszeiten von ca. 10 bis 30 Sekunden. Das bedeutet auch, dass die Aufnahmekamera diese Möglichkeit der Belichtungszeiteinstellung bieten muss. Geeignet ist jede analoge oder digitale Spiegelreflexkamera, die digitalen kleinen Sucherkameras sind oft weniger geeignet, da alle Einstellungen automatisch erfolgen. Auch die Möglichkeit, die Bildschärfe manuell einzustellen, ist wichtig, weil der Autofokus in den meisten Fällen versagt.

Da Polarlichter großflächige Erscheinungen sind, sollte das Aufnahmeobjektiv sehr weitwinklig sein und zusammen mit dem Polarlicht auch die Landschaft mit abbilden können. Wegen der schwachen Helligkeit sollte die Aufnahmeblende möglichst groß sein (2.8 bis max. 4.0). Die Belichtungszeiten, wie oben schon erwähnt, zwischen 10 und 30 Sekunden. Ein zweiter Akku für die Kamera sollte sich geladen in der warmen Hosentasche befinden. Akkus verlieren in der häufig sehr kalten Luft viel von ihrer Kapazität.

Oft gibt es zeitlich sehr schnelle Veränderungen in den Polarlichtern (Polarlichtvorhang), dann muss so kurz wie möglich belichtet werden, ansonsten zeigen die Bilder Bewegungsunschärfe.

Fotografiert man von einem fahrenden Schiff aus, sollte die Kamera möglichst in Fahrtrichtung oder 180 Grad entgegengesetzt ausgerichtet werden. Das minimiert entstehende Bewegungsunschärfe durch das fahrende Schiff. Aber: Wer zum ersten Mal Polarlichter sieht, wird eh gebannt zum Himmel schauen und dabei das Fotografieren vergessen.

Interview: Christine Hinkofer

DIE REISE-INFOS

DIE LINIE - „Hurtigruten“ heißt übersetzt „die schnelle Linie“ und ist die Bezeichnung für die norwegischen Postschiffe, die seit mehr als 100 Jahren entlang der norwegischen Westküste im Einsatz sind. Im Gegensatz zu früher sind sie heute mehr für die Touristen als für den Transport von Briefen und Waren zuständig.

ANREISE - Air Berlin fliegt während der Wintermonate nonstop von Düsseldorf nach Bergen.

REISEZEIT/KLIMA - Das Phänomen Nordlicht lässt sich in den Wintermonaten von Oktober bis März am nördlichen Polarkreis besonders gut beobachten.

POLARLICHT-REISE - Die elftägige Themenreise „Nordlicht und Sterne“ auf der MS Richard With, der MS Nordnorge oder der MS Trollfjord von Bergen nach Kirkenes und zurück ist im Januar, Februar und März sowie im November und Dezember 2012 ab 1760 Euro pro Person buchbar, inklusive Linienflüge ab/bis Deutschland und Vollpension an Bord. Lektoren des Kooperationspartners Astronomie.de begleiten die Reisen mit Vorträgen, Fachgesprächen und Himmelsbeobachtungen.

INFO/BUCHUNG - Im Reisebüro oder direkt bei Hurtigruten in Hamburg, Tel. 040/376930, www.hurtigruten.de.

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