Ufo mit Mehrbettzimmer

Monte Rosa Hütte
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Futuristischer Hüttenbau in den Schweizer Alpen: Die neue Monte-rosa-Hütte hat 120 Plätze in 19 Vier- bis Acht-Bett-Zimmern.

Ufo oder Bergkristall? Die Neue Monte Rosa-Hütte bei Zermatt weckt Assoziationen. Sie ist das Paradebeispiel für den futuristischen Hüttenbau in den Alpen. Mehrbettzimmer gibt es trotzdem noch.

Mit ihrem achteckigen Grundriss und den schrägen Außenwänden sorgt die Neue Monte Rosa-Hütte für Aufsehen: Für Peter Kapelari vom Österreichischen Alpenverein (ÖAV) ist sie „ein Kunstwerk“ und „eine architektonische Verrücktheit“, für Matthias Sorg von der Schweizer Umweltschutz- Organisation Pro Natura „ein ökologisches Wunderwerk“.

Geschichte einer Berghütte: 1895 entstand die erste Hütte am Fuß des Monte-Rosa-Massivs. 1939/40 wurde der Bau erneuert und 1972 erweitert. Die Monte-Rosa-Hütte zählt zu den größten Berghütten der Schweiz.

90 Prozent ihres Energiebedarfs deckt die Hütte selbst, so die Auskunft der Eidgenössischen Technische Hochschule (ETH) Zürich, die das Projekt plante. Möglich macht das die abgeschrägte Südwand, auf der 84 Quadratmeter Photovoltaikzellen die Höhensonne einfangen. Zusätzlich wurden nahe der Hütte Solarkollektoren aufgestellt. Überschüssige Sonnenenergie wird in Batterien gespeichert, für die Nächte und wolkenverhangene Tage. Erst wenn das nicht ausreicht, springt ein Blockheizkraftwerk ein, das Rapsöl verbrennt. Den Befehl dazu funken Computer der ETH, die die übermittelten Daten der Wetterstation und des Energiesystems der Hütte erfassen. Möbel, Decken und Balken im Hütteninneren sind aus hellem Holz, durch Panoramafenster entlang der Kaskadentreppe können die Gäste auf allen fünf Etagen die Kulisse mit dem Matterhorn und dem Monte-Rosa- Massiv überblicken. Mancher Wanderer schätzte wohl gerade die urige Atmosphäre der alten Monte Rosa- Hütte, das Raue, Improvisierte, Romantische. „Wenn urig heißt, dass die Decken kratzen und man in riesigen Lagern zusammen mit vielen Schnarchern schläft – das ist vorbei“, entgegnet Peter Planche vom Schweizer Alpen-Club SAC. In der neuen Hütte schlafen nur vier bis acht Wanderer gemeinsam in einem Zimmer (19 gibt es insgesamt). „Jeder hat ein Bett mit Daunendecken“, so Planche.

Was Wanderern aber viel wichtiger sein dürfte: Sie müssen nun nicht mehr die Hütte verlassen, um auf die Toilette zu gehen. Das Wasser für die Spülung kommtausderAufbereitungsanlage. Damit die Gäste die ganze Saison duschen können, wird Schmelzwasser gesammelt. Nicht zuletzt wegen des aufwendigen Abwassersystems kostete der Neubau der Monte- Rosa-Hütte an die 4,5 Millionen Euro. Sponsoren halfen mit, die enorme Summe aufzubringen. „Für uns war das eine einmalige Sache“, sagt Planche. „Wir wollten zeigen, dass man auch im Hochgebirge energieautark bauen kann.“ Vielleicht spornt das Ergebnis ja Nachahmer an. Delegationen aus Japan und China haben sich den Öko-Bergkristall jedenfalls schon genauer angesehen.

Florian Sanktjohanser

DIE REISE-INFOS ZUR MONTE-ROSA-HÜTTE

LAGE Die Hütte steht auf 2883 Metern am nordwestlichen Fuß des Monte-Rosa-Massivs auf einem Felsplateau, das „Plattje“ genannt wird. Unterhalb der Hütte liegt der Gornergletscher. Den Umkreis bilden die Viertausender Castor, Pollux, Lyskamm und das Monte-Rosa-Massiv mit der Dufourspitze.

HINKOMMEN Man erreicht die Hütte von Zermatt aus über den Gornergletscher in etwa fünf Stunden, in vier Stunden von Furi. Alternativ läuft man etwa zweieinhalb Stunden von der Bahnstation Rotenboden der Gornergratbahn. Im Winter besteht auch die Möglichkeit vom Stockhorn (über einen Skilift erreichbar) in etwa anderthalb Stunden zur Hütte zu kommen.

KAPAZITÄTEN Die neue Monte-Rosa-Hütte hat 120 Plätze in 19 Vier- bis Acht-Bett-Zimmern. Gäste sollten in der Anfangszeit (am 10. Juli wurde die Hütte vom Schweizer Alpenverein offiziell eingeweiht). Mindestens zwei Wochen vorher reservieren. Wie viele Betten schon ausgebucht sind, ist im Internet (s.u.) abzulesen.

KOSTEN Erwachsene bezahlen für eine Übernachtung 35 Schweizer Franken (rund 24 Euro), Mitglieder eines Alpenvereins 24 Franken (etwa 16 Euro). Für die Halbpension werden zusätzlich 36 Franken berechnet.

ÖFFNUNGSZEITEN Die Hütte ist von Mitte März bis Mitte September geöffnet, bei günstiger Witterung möglicherweise auch länger.

INFOS/BUCHUNG Im Internet unter www.neuemonterosahuette.ch, www.section-monte-rosa.ch, Hüttentelefon: 0041/27-9672115.

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