Das Japan-Comeback

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Willkommen im Land des Lächelns: Japan freut sich, bald wieder viele Touristen aus Deutschland begrüßen zu dürfen.

An diesem Wochenende reist Bundespräsident Christian Wulff zu einem sechstägigen Staatsbesuch nach Japan. Das hat Symbolwert.

Denn es geht nicht nur um die Vertiefung diplomatischer Beziehungen, sondern auch um das Comeback Japans auf der touristischen Landkarte.

Das Erdbeben vom 11. März hat Leid und Zerstörung in die Region rund um Fukushima gebracht. Die Experten waren sich einig: Das Land des Lächelns werde von der touristischen Landkarte verschwinden – das hatten sie im April bei einer repräsentativen Online- Umfrage im Auftrag des Travel Industry Clubs und des Geschäftsreiseverbandes VDR geunkt: 93 Prozent der Tourismus-Führungskräfte waren überzeugt, dass Erdbeben, Tsunami und Reaktorkatastrophe die deutschen Urlauber langfristig von Japan fernhalten.

Sie haben sich geirrt, denn Japan ist wieder da, die ersten Reisegruppen waren längst zwischen Tokio, Kyoto und Hiroshima unterwegs. Bereits am 13. Juli startete die erste Reise des Spezialveranstalters JF Touristik. Für Geschäftsführer Johannes Frangenberg bestanden zu dem Zeitpunkt keinerlei

10.000 Freiflüge für Touristen

nach Medienberichten, die japanische Regierung wolle im kommenden Jahr 10 000 Freiflüge an touristen verschenken, betont die Fremdenverkehrszentrale des landes, dass dieses Programm zwar geplant, aber noch nicht von der Regierung beschlossen sei und warnt vor betrügern. sobald es startet, werde es im internet unter www.jnto.go. jp alle notwendigen informationen dazu geben.

Sicherheitsbedenken für seine Gäste: „Seit Ende April tritt keine Radioaktivität mehr aus“, sagt er. Zwar würden immer noch im Internet Horrorgeschichten kursieren und die Aufrichtigkeit der japanischen Behörden im Umgang mit der Krise angezweifelt, klagt er, aber „sämtliche internationalen Organisationen sind in Japan und messen“. Sie messen nichts. Die zerstörten Reaktoren machen das Gebiet rund um Fukushima auf Jahrzehnte zur Todeszone. Daran zweifelt niemand. Aber in die nun verstrahlten Gebiete habe schon zuvor keine touristische Reise geführt, sagt Pressesprecherin Angela de Sando von Dertour und Meier’s Weltreisen. Seit September führt ihr Unternehmen wieder Reisen nach Japan durch, deren Programm nicht verändert wurde. Das Angebot sei aber „deutlich zurückgefahren“ worden, die Kapazitäten für 2012 reduziert. Johannes Frangenberg verrät, wie die Katastrophe die deutschen Reiseveranstalter trifft, die früher rund 10.000 Japan-Reisende pro Jahr begrüßen konnten.

„Wir hatten für 2011 rund 6.500 Buchungen und verloren davon etwa 6.000 durch Stornierungen“, sagt er. Bei den Buchungen fürs kommende Jahr entdeckt er jedoch eine ganze Menge Namen, die heuer abgesagt haben. „Die buchen jetzt wieder.“ Zehn unterschiedliche Rundreisen an 60 Abreiseterminen bietet sein Unternehmen im kommenden Jahr an, für einige der Reisen gibt es eine Durchführungsgarantie. Von solchen Dimensionen ist Studiosus noch weit entfernt. Der Münchner Studienreiseveranstalter hat Anfang Oktober erstmals wieder eine Reisegruppe nach Japan geschickt. „Es waren genügend Gäste, um die Reise durchzuführen“, sagt Pressesprecher Frano Ilic. Dass Japan sicher ist, hatte das Unternehmen schon im April bekräftigt – alleine, es fehlten die Teilnehmer, so dass seit Mai keine Reisen stattfanden.

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Mit 15 nach Japan?

Prognosen möchte Frano Ilic nicht abgeben. Es werde 2012 ein reduziertes Angebot geben; statt einem halben Dutzend unterschiedlicher Rundreisen werde nur „Japan im Überblick“ angeboten. „Wir planen aufgrund der Nachfrage.“ Die ist derzeit gering. Sollte aber das Interesse an Japan schnell steigen, werde man sofort reagieren: „Wir sind bereit, nachzulegen.“ JF Touristik legt von Dezember bis Februar auch erst mal eine Pause ein und bietet in diesem Zeitraum keine Japanreisen an. „Das ist aber klimatisch bedingt“, betont Johannes Frangenberg, „zur Kirschblüte sind wir wieder dort.“ Ein symbolischer Anfang, denn Sakura, die japanische Kirschblüte, ist eines der wichtigsten Symbole der japanischen Kultur. Sie markiert den Beginn des Frühlings und steht für Vergänglichkeit, Schönheit, aber auch für Aufbruch. Das Lächeln kehrt nach Japan zurück.

Volker Pfau

REISE-ANGEBOTE

STUDIOSUS „Japan im Überblick“; 13-tägige Studienreise mit Stationen u.a. in Kyoto, Takayama, Kamakura und Tokio. Zum Programm gehören auch Kochvorführung und Übernachtung in einem traditionellen Ryokan, eine Bootsfahrt auf dem Kawaguchisee (nähe Fuji) und Begegnung mit japanischen Studenten. Preis mit Flügen, Transfers, Ü/F und Eintritt ab 4.050 Euro (p.P. im DZ). Info und Buchung bei Studiosus, Tel. 008 00/24 02 24 02, www.studiosus.com.

DERTOUR „Japan zum Kennenlernen“; 11- tägige Rundreise mit Stationen u.a. in Tokio, Hiroshima, Kyoto und Osaka. Zum Programm gehören auch Fahrt im Shinkansen und in öffentlichen Verkehrsmitteln sowie bad in einem Onsen. Preis mit Flügen, Transfers, Ü/F und Eintritt ab 2.299 Euro (p.P. im DZ). Info und Buchung im Reisebüro.Mehr Infos unter Dertour.de.

JF TOURS „Japan individuell“; 13-tägige Rundreise mit Stationen u.a. in Osaka, Kyoto, Hiroshima, Shin-Fuji und Tokio. Je nach Wunsch können Programmpunkte dazugebucht werden wie z.b. Radtour in Kyoto, Bootstour in Tokio oder Besuch eines Sumo- Turniers. Preis mit Flügen, Transfers, Japan-Railpass, Ü/F und Eintritt ab 2.599 Euro (p.P. im DZ). Info und Buchung im Reisebüro. Mehr Infos unter www.jftours.de.

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