Ski in Kanada: „Da bist’ für immer jung!“

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Prominente Begleiter: Rosi Mittermaier und Christian Neureuther sind in Whistler mit von der Partie.

Natürlich, ihr Herz gehört den Alpen, den Bergen um Garmisch und Reit im Winkl, da wo sie daheim sind. Aber manchmal gehen Rosi Mittermaier und ihr Mann Christian Neureuther auch fremd...

...skifahrtechnisch gesehen, und pulvern die Pisten im kanadischen Whistler hinunter. Warum, das erklärte Christian Neureuther im Gespräch mit unserem Reporter Klaus Heydenreich.

Seinen Jungbrunnen nennt Christian Neureuther den Powder von Whistler, den Pulverschnee, der mit nichts vergleichbar ist. „Wenn du da hinfährst, dann wirst du schlagartig 20 Jahre jünger“, sagt er. „Anfang der siebziger Jahre war ich mit der Rosi zum ersten Mal in Whistler, zuletzt drei Wochen während der Olympischen Winterspiele 2010. Dazwischen liegen fast 40 Jahre – aber an der Faszination dieses Wahnsinns-Skigebiets hat sich nichts geändert.“

Skireise mit Rosi und Christian nach Whistler

Die beiden Weltstars sind bei der Abfahrt und beim Aprés-Ski in Kanada mit von der Partie

Wenn der Christian erzählt vom „irrsinnig großen Skigebiet“ in den kanadischen Coast Mountains, dann klingt es wirklich, als sei der ehemalige Slalomstar eben einem Jungbrunnen entstiegen. „Dort kannst du so viele Variantenabfahrten finden, das ist unglaublich. Neben jeder Piste – und davon gibt es sehr, sehr viele – kannst du in den Pulverschnee. Du findest auch zwei Tage nach dem letzten Schneefall ganz leicht noch unverspurtes Gelände. Wird es dann doch mal zerfahren – kein Problem: Spätestens am Tag drei schneit’s wieder neu drauf.“

Überhaupt die Sache mit dem Schnee – die Mengen sind für Europäer kaum zu fassen: Zehn Meter pro Saison haut es regelmäßig hin. Das heißt aber auch: Für notorische Sonnenfahrer ist Whistler ein Risiko ...

Auf der anderen Seite können natürlich auch Schönwetterfreaks das Skigebiet genießen: Wenn’s schneit, dann vergnügen sie sich einfach in der riesigen Fußgängerzone mit Bars, Cafés, Shopping Malls und Sterne-Restaurants. Oder im Spa-Bereich der Nobelhotels unter künstlicher Sonne.

Prickelnd wie Champagner: Eine Abfahrt durch die unendlichen Pulverschneepisten im kanadischen Whistler.

„Die echten Whistler-Freaks aber sind heiß aufs Weiß“, lacht Neureuther. „Wenn es über Nacht frisch geschneit hat, dann geht’s ab. Während die Lawinenkommission das Gelände sichert, sammeln sich unten am Lift die Fahrer. Es werden immer mehr – und wenn dann der Lift startet, geht ein richtiger „Roar“, ein Aufschrei, durch die Menge. Oben angekommen wird dann gepulvert! Und das Schöne daran: Keiner will den anderen ausstechen. Da drüben läuft das anders. Da ist so viel freies Gelände, dass sich keiner im Weg rumfährt.“

Wem das zu extrem ist – selbst mit der automatischen 20-Jahre-Verjüngung – der ist natürlich ebenfalls versorgt. Neureuther: „Auch für die Pistenfahrer ist viel geboten. Die Abfahrten sind so lang, die hören gar nimmer auf. Da fährst du auch mal eine halbe Stunde, ohne den Lift benutzen zu müssen. Selbst mit den großen französischen Skigebieten, die ja viele von uns kennen, ist das nicht vergleichbar, das ist eine andere Dimension!“

Pazifik und Berge

Pazifik und Berge

Ebenfalls eine völlig neue Dimension bietet eine neue Gondel von Gipfel zu Gipfel, die die beiden Skigebiete Whistler und Blackcomb verbindet – und dabei bis zu 436 Meter über dem Talgrund schwebt. „Allein diese Peak-to-Peak-Gondel ist eine Reise wert. Die hat einen Glasboden und darunter hast du gefühlte tausend Meter Luft“, schwärmt Christian Neureuther.

Das sind dann Erlebnisse, die sich beim Après-Ski aufwärmen lassen, und dazu bietet sich reichlich Gelegenheit. Whistler ist voll mit Bars und Kneipen, weiß Neureuther: „Der Après-Ski dort ist easy going, richtig cool, ganz ohne Stress. Wobei man schon sagen muss, dass das Publikum eher exklusiv ist, schließlich kostet der Spaß ja auch einiges.“

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Eisklettern in Kanada

Der bayerische Brückenbauer

Doch das lohnt sich, auch weil in Whistler so viel in die Sicherheit investiert wird. „Da muss sich keiner Sorgen machen“, sagt Christian Neureuther. „Klar, die Lawinengefahr hast du in gewissem Maße immer, wenn du abseits der Piste fährst. Aber dort fährst du sozusagen mit Netz und doppeltem Boden. Denn da gibt es sehr viel Wald. Zudem muss man nicht in wirklich ausgesetzte Hänge fahren, um noch frischen Powder zu erwischen. Und bequem ist es zudem: Du triffst immer wieder auf Ziehwege, die die Tiefschneehänge queren und die dich ohne Fußmärsche wieder zum Lift bringen. Wie gesagt: Easy going.“ Und mit eingebauter Verjüngungskur.

Klaus Heydenreich

CHRISTIAN NEUREUTHERS KANADA-TIPPS

DIE KLEIDUNG Packen Sie ein, was Sie auch für einen Winterurlaub in Saalbach mitnehmen. Das Klima in Whistler – also Westkanada – kann man mit unserem vergleichen. Der Unterschied ist natürlich, dass es viel mehr schneit. Und das heißt für den Skifahrer: Extrem kalt wird es nicht, aber oft wechselhaft. Die Lösung ist die Zwiebeltaktik: Am besten viele Kleidungsschichten übereinander tragen, dann kann man je nach Temperatur nachjustieren. Und noch ein Tipp: Gar nicht erst so viel mitnehmen! Denn da drüben gibt es tolle Läden, in denen es zu erschwinglichen Preisen Ski-Outfits gibt, die man hier nicht findet.

DAS KÖNNEN Völlig egal! Klar, Könner finden in Whistler herausragende Varianten-Abfahrten – und die meisten Touristen sind skitechnisch auch recht gut. Aber auch moderate Fahrer fühlen sich im kanadischen Powder pudelwohl. Die Pisten sind nicht so eisig präpariert, das macht es für Anfänger leichter. Da kann jeder mit Genuss ins Tal schwingen.

DAS FEELING Coolness – das ist Trumpf in Whistler. Da ist es nicht verkrampft, hier wollen die Leute miteinander fahren, nicht gegeneinander. Wer hier dem anderen die Tiefschnee-Abschnitte wegnehmen will, ist fehl am Platz – es gibt genug für alle.

DAS ESSEN Eigentlich wie in den Alpen – nur mit Ami-Einschlag. Es gibt viele Selbstbedienungshütten, die natürlich auch Burger & Co. bieten. Ansonsten gibt es nichts, was es nicht gibt: Im Ort Sterne-Restaurants, auf der Piste kleinere Hütten. Hungern muss keiner.

DIE AUSRÜSTUNG Skier und Stöcke lassen Sie am besten daheim. Dort fährst du ganz anders, da leihst du dir im Hotel oder Sportladen breite Tiefschneebretter oder Twin-Tip-Ski, was auch nicht viel mehr kostet, als die Gepäckgebühr für eigene Bretter. Allerdings: Unbedingt die eigenen Schuhe mitbringen! Es gibt nichts Schlimmeres als schlecht sitzende Leihschuhe!

DIE SICHERHEIT Grundsätzlich besteht immer ein Risiko bei Tiefschneeabfahrten. In Whistler allerdings etwas weniger, da die vielen Bäume das Lawinenrisiko verringern. Die europäischen Lawinenpiepser funktionieren übrigens auch in Kanada, genau wie Recco-Utensilien.

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