Kein Stein der Weißen

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Das glühende Herz Australiens: Uluru im Sonnenlicht.

Das Wahrzeichen Australiens ist ein feuerroter Berg mit dem Namen Uluru, der fast im Zentrum der 7,7 Millionen Quadratkilometer großen Insel liegt. Die Kontinent und sechstgrößter Staat der Erde ist.

„Hier ist nichts, was normale Reisende in diesen desolaten, versandeten Teil Australiens treiben könnte.“ Klare Worte von Naturforscher Prof. Baldwin Spencer. Allerdings stammen sie aus dem Jahr 1912. Heute haben immerhin 340 000 Touristen pro Saison erheblichen Drang zum Uluru. 23 von ihnen sind an diesem Morgen unterwegs mit Ranger Lee Dalton, wollen den Sonnenaufgang am roten Felsen erleben, ihn umrunden und begreifen, welche Bedeutung er in der Kultur der Aborigines hat. 6.30 Uhr: dick eingepackt in Fleece-Jacken, Mützen und Schals steigt die Gruppe aus dem Kleinbus. Es ist kalt, nur ein paar Grad über Null. Grau der Himmel, Boden, Büsche und der Riesen-Fels verschwimmen in mattbraunem Einerlei. Doch nach wenigen Minuten wird das Himmelgrau zum Himmelblau. Fingerzeige in Richtung Horizont, ein Raunen geht durch die Gruppe.

Schlammklumpen aus Sandstein und Feldspat

Plötzlich leuchtet der Uluru in so kräftigem Rot, als sei er binnen weniger Minuten komplett verrostet. „Das ist er genau genommen, seit Millionen Jahren“, sagt Lee. Der Uluru habe einen Eisenoxyd- Überzug und sehe daher aus wie ein rostiger Metallklumpen, erklärt der Ranger. Und macht klar, dass er so eine Art Old Shatterhand der Aborigines ist: Kein Ureinwohner, aber ihr Blutsbruder – der weiße Kämpfer für ihre Sache. Inzwischen guckt die Sonne über den Horizont, projiziert meterlange Schatten von uns Wanderern in den roten Wüstensand. Zeit für die Frühstückspause auf einem Fels- Plateau.

Aussichtsplattform beim Uluru. 

Und für Lees Geographie- Unterricht. Mit Händen und Füßen beschreibt der Ranger, wie Uluru einst entstand: „Zuerst war da ein Schlammklumpen aus Sandstein und Feldspat, vor 600 Millionen Jahren“, doziert er. Der sei unterirdisch zusammengebacken und wie in einer Waschmaschinenentrommel von Erdbewegungen hin- und hergedreht, geknetet, gepresst, und irgendwann durch eine gewaltige Vulkanexplosion nach oben gedrückt worden. 348 Meter hoch ragt der Inselberg seitdem auf – höher als der Eiffelturm. „Ab hier nicht mehr fotografieren“, bittet Lee ein paar Schritte weiter und weist auf eine der Kultstätten der Anangu- Aborigines hin.

Jede davon ist mit einer heiligen Geschichte aus der – Tjukurpa genannten – Mythologie verbunden, stets spielt der Felsen darin eine Rolle, etwa als Geburtsstätte für Aborigines-Mütter, oder als sagenhafter Ort, an dem sich angeblich der Streit zweier Schlangen- Clans abgespielt hat. Heute morgen ist hier keine Schlange weit und breit zu sehen, nur eine streunende Katze. „Die haben die Siedler eingeführt. Inzwischen sind sie eine Landplage, sagt Lee.

Nicht der einzige Tier-Import mit weitreichenden Folgen im Öko-System: Das erste Kamel wankte, halb tot von der Überfahrt aus Teneriffa, am 12. Oktober 1840 von einem Schiff. Heute stolzieren geschätzte zwei Millionen Höckertiere down under herum. Erblasten aus der Verwaltung der Weißen. Die endete 1985.

Ein Heiligtum für die Aborigines

Da wurde der Ayers Rock, so der damalige Name, vom obersten australischen Bundesgericht mitsamt umliegendem Nationalpark an die Ureinwohner zurückgegeben. Die Anangu änderten den Felsen-Namen in Uluru. In Videos, auf Plakaten und in Broschüren bitten die Aborigines darum, den Felsen nicht zu besteigen, da er für sie ein Heiligtum ist. „170 000 Besucher jährlich ignorieren das“, erzählt Lee am Tor zum Klettersteig.

Australien

„200 davon müssen von Park-Rangern gerettet werden, sei es, weil sie einen Sonnenstich kriegen oder in Gummischuhen hochkraxeln, die ihnen in sengender Hitze unter den Füßen wegschmelzen. Doch inzwischen gebe es eine ebenso einfache wie wirkungsvolle Methode, das Herumtrampeln auf dem Uluru zu verhindern, sagt Lee und grinst: „An mehr als 170 Tagen im Jahr machen sie den Aufstiegspfad dicht – wetterbedingt, wie es heißt...“

In gleißender Mittagssonne sieht der Uluru nun fast verkohlt aus. Die Besucher brauchen Schatten, verabschieden sich vom mythischen Monolithen, wollen ihm abends einen letzten, faszinierenden Besuch abzustatten – aus der Ferne, beim „Sounds of Silence-Diner“. Da wird dann auf einem Hügel im Nationalpark der Champagner serviert, während der Uluru, gut 10 Kilometer entfernt wie ein Findling in der Steppe liegend, seine letzte Metamorphose im Sonnenuntergang macht: Zuerst in Richtung weinrot, dann nachtgrau. Dann pilgert die Gesellschaft an weiß gedeckte Tische, um dort Emu-Filet, Salat mit Känguruhfleisch und Barramundi- Filet zu genießen. Nein, der Uluru ist wirklich kein Stein der Weißen...

DIE REISE-INFOS RUND UM DEN ULURU

ANREISE Australiens Fluggesellschaft Qantas fliegt täglich von Frankfurt über Singapur und Sydney zum Ayers Rock Airport, wenige Kilometer vom Uluru entfernt. Auch die in Hongkong beheimatetete Fluggesellschaft Cathay Pacific bietet preisgünstige Kombiflüge an – bis Sydney fliegt Cathay selbst, die inneraustralischen Strecken übernimmt Qantas. Preis: jeweils ca. 1300 Euro. www.qantas.de, www.cathaypacific.com

ÜBERNACHTEN Nur im nahegelegenen, eigens für Besucher angelegten Voyages Ayers Rock Resort. Preisgünstig auf dem Campingplatz ab 10 Euro pro Person, Mittelklasse-Standard bieten z.B. die recht geräumigen Emu Walk Apartments (85 Euro pro Person), Luxus- Unterbringung verspricht das Hotel „Sails in the Desert“ (ab 107 Euro pro Person). Alle Infos im Internet unter www.ayersrockresort.com

NATIONALPARK Das Drei-Tages-Ticket, erhältlich am Nationalpark- Eingang kostet ca. 15 Euro. Kostenlose 90-minütige Touren mit Rangern starten täglich vormittags von der Uluru-Base aus. www.environment. gov.au/parks/uluru. Geführte längere Touren wie die Sonnenaufgangs-Wanderung werden u.a. von Anangu- Tours angeboten. Info: www.ananguwaai.com.au

AUSTRALIA: Der Film - Magische Momente am wichtigsten Wahrzeichen Australiens Kein Stein der Weißen. Der Kino-Film „Australia“ ist ein gewaltiges Geschichts- Epos mit Nicole Kidman und Hugh Jackman in den Hauptrollen. Gedreht wurde unter anderem in der Region um Kununurra in Westaustralien.

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