Familienurlaub auf Korsika

Bronco und die Hutterers

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Gruppenbild mit Esel: Bronco ist zehn Jahre alt und eine Seele von einem Tier. Vier Wochen lang begleitete er Christine Hutterer und ihre Familie auf einer Wanderung durch die nordwestliche Bergwelt Korsikas.

Andere fahren mit dem Kleinkind an die Adria, in ein familienfreundliches Hotel, wo Wickeltisch und Babyphon zur Standardausstattung gehören. Die Münchnerin Christine Hutterer (35) und ihr Mann Philipp mieteten sich einen Esel...

...und wanderten mit der dreijährigen Valentina und Baby Silvester vier Wochen lang durch Korsika. Ein Interview über die wahre Freiheit des Reisens und die Grenzen, an die man dabei stoßen kann.

Frau Hutterer, Sie haben über Ihr Korsika-Abenteuer ein Buch geschrieben. Der Titel ist eine Frage: „Ist das jetzt der Urlaub?“ Wann und wo hatten Sie bei dieser Familienwanderung mit Esel das erste Mal Zweifel, ob das ein Urlaub ist?

Schon nach wenigen Stunden! Wir hatten unserer Tochter ein Eis versprochen, aber der Ort war wie ausgestorben. Dann stand der Esel wie festbetoniert vor einer Brücke und wollte nicht rübergehen. Abends fanden wir keine Unterkunft und mussten in einem leerstehenden, renovierungsbedürftigen Haus bleiben, in dem uns dann noch ein Skorpion überraschte. Das war alles andere, als ein entspannter Urlaubsbeginn.

Gleich die abschließende Frage hinterhergeschickt: Würden Sie es nochmal tun?

Jederzeit. Nachdem die ersten Probleme überwunden waren wurde es immer besser und entspannter.

Welches Reiseziel würden Sie dann wählen?

Korsika war zum Wandern mit Esel sehr gut geeignet, aber wenn ich mich nochmals auf den Weg mache, dann in den Pyrennäen oder in Portugal.

War Korsika bewusst gewählt oder eine Zufallsentscheidung?

Wir hatten auf Korsika spekuliert, weil es dort sowohl Berge als auch Meer und schöne Orte gibt und das Klima im Sommer angenehm ist.

Was wussten Sie vorher über Korsika als Reiseziel?

Ehrlich gesagt relativ wenig. Wir wussten, dass es den berühmten Fernwanderweg GR20 gibt und dass Korsika ein beliebtes Urlaubsziel für Familien ist. Wie verlassen einige Dörfer sind, die auf der Karte groß aussehen, und dass es mitunter sehr wenige Möglichkeiten zum Einkaufen gibt, haben wir erst vor Ort erlebt.

Wie ist Ihre Tauglichkeits-Beurteilung als Familienreiseziel im Nachhinein?

Über Stock und Stein: Unterwegs von Marignana nach Evisa, die vierte von insgesamt 16 Etappen.

Korsika ist eine wunderbare Insel für Familien. Man kann dort tolle Campingurlaube machen oder auch in einem Hotel wohnen. Die Korsen sind sehr nett und hilfsbereit, das erfuhren wir besonders, wenn wir Probleme mit dem Esel hatten. Einziger Nachteil: das Leben in Korsika ist ziemlich teuer.

Wo und wie haben Sie vorher Urlaub gemacht?

Ich war in meinen Urlauben – mit oder ohne Familie – schon immer gerne unterwegs. Mehrere Wochen an einem Ort, das liegt mir nicht. Als meine Tochter noch ein Baby war sind wir mit einem Campingbus zwei Monate durch Neuseeland gefahren. Oft waren wir auch mit unserem 30 Jahre alten VW-Bus unterwegs – egal ob zum Gardasee oder an die Ostsee. Wir haben aber auch schon „klassischen“ Urlaub auf dem Bauernhof im Berchtesgadener Land gemacht.

Welche Eigenschaften müssen die Erwachsenen und welche die Kinder mitbringen, damit so eine Geschichte funktioniert?

Man muss akzeptieren, dass nicht alles im Vorfeld geplant werden kann und dass geplante Dinge nicht funktionieren. Man muss improvisieren können. Bei den Kindern hängt es stark vom Alter ab, wie sie auf solche Reisen reagieren. Kleinere Kinder verlassen sich einfach darauf, was die Eltern vorgeben und sind in der Regel zufrieden, wenn die Eltern in der Nähe sind. Hat ein Kind Angst vor Tieren, ist Eselwandern natürlich nicht das richtige Urlaubsmodell.

Welche Eigenschaft muss der Esel/das Begleittier haben?

Mach mal Pause: Badetag mit Kind und Esel am Strand von Tuara.

Esel bringen schon von ihrem Wesen her die nötige Gelassenheit und Anspruchslosigkeit mit, sind also optimale Begleiter. Unser Eselverleiher Dominique Corieras hat uns ein sehr nettes Tier ausgesucht. Es ist wichtig, dass der Esel an Kinder gewöhnt und gutmütig ist. Außerdem sollte er nicht zu schnell gehen. Daher sind Esel besser als Mulis, die meist schneller laufen. Und natürlich ist es hilfreich, wenn der Esel Teil des Gepäcks tragen kann. Bronco hat etwa 40 Kilo getragen, inklusive unsere Tochter, die fast immer auf ihm geritten ist.

Was war der wichtigste Ausrüstungsgegenstand im Gepäck?

Puh, das ist schwierig zu beantworten, denn für so eine Reise sind natürlich viele Dinge sehr wichtig. Für mich waren es Blasenpflaster... Daher sind gute Bergschuhe auf jeden Fall wichtig. Und natürlich das Kartenmaterial! Für die Kinder waren wohl ihre Kuscheltiere von viel größerer Bedeutung.

Auf was hätten Sie, heute betrachtet, getrost verzichten können?

Auf die Regenjacken. Es hat einmal eine halbe Stunde geregnet, ansonsten hatten wir vier Wochen lang nur Sonnenschein. Aber es hätte auch anders kommen können.

Bronco und die Hutterers

Bronco und die Hutterers unterwegs auf Korsika 

Welche Tipps geben Sie Nachahmern mit auf den Weg?

Der wichtigste: sich nicht von kritischen Fragen aus dem Umfeld entmutigen zu lassen. Ein weiterer: nicht zuviel planen, sonst gerät man in Stress, wenn es nicht so läuft. Und wenn unterwegs Dinge schief laufen ist man gut beraten, nicht in Panik zu verfallen und positiv nach vorne zu blicken. Denn eines kann ich sicher sagen: es werden Dinge anders kommen als geplant! In meinem Buch erzähle ich über zahlreiche Situationen, in denen wir Probleme lösen mussten und wie wir es jeweils gemeistert haben.

Wo geht Ihr nächster Urlaub hin?

Wir haben die Idee, eine Kanu-Tour auf einem Fluss in Frankreich zu machen, aber ob das dieses Jahr klappt steht noch in den Sternen. Vielleicht fahren wir einfach mal nach Italien ans Meer…

Interview: Christine Hinkofer

DAS BUCH: "Ist das jetzt Urlaub?" Christine Hutterers korsisches Wandertagebuch mit vielen Tipps und Adressen ist im Verlag Terra Magica erschienen und kostet 19,99 Euro.
ISBN: 978-3-7243-1049-5.

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