Markus Lanz - Die Sehnsucht nach Eis

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Ein Film, eine Leidenschaft: Mit Markus Lanz in Grönland

Markus Lanz (41) hat sein Herz verloren – an einen der ungemütlichsten Orte der Erde. Der in Südtirol aufgewachsene Fernsehmoderator und Autor bereist Grönland seit vielen Jahren und hat dort fantastische Dinge erlebt.

Am kommenden Dienstag (20.15 Uhr) zeigt das ZDF seine Grönland-Reportage, sein Buch über das faszinierende Land ist im Verlag National Geographic erschienen (s.u.). Hier gibt er zehn Annäherungstipps für ein Reiseland, das aus dem Rahmen fällt.

Herr Lanz, welche ist die schönste Art, sich Grönland zu nähern?

In seinem Buch beweist der TV-Mann Markus Lanz  weitere Talente: feinfühliger Autor, begeisternder Fotograf.

Eindeutig das Schiff – zumindest am Anfang. Grönland ist sehr dünn besiedelt, zwischen den einzelnen Siedlungen gibt es keine Straßen. Und vom Schiff aus kann man das, was Grönland so besonders macht, am besten beobachten: Eis. Und zwar Eis in jeder Form: Als Eisberg im Meer oder als Gletscher, der sich langsam und majestätisch ins Meer schiebt.

Ich würde nicht unbedingt ein Kreuzfahrtschiff nehmen, mir persönlich ist das zu steril. Wenn die Kreuzfahrtschiffe bei der berühmten Diskobucht anlegen, dann hat man gleich tausende Touristen um sich herum. Viel schöner ist es, ein Boot zu nehmen, mit dem auch die Grönländer fahren. Oder man geht einfach in einen kleinen Hafen und fragt einen Fischer, ob er einen mitnimmt.

Welche ist die schönste Reiszeit für Grönland?

Das Frühjahr, der April. Dann hat man in der Arktis in der Regel recht stabiles Wetter mit viel Sonnenschein. Es liegt noch Schnee – wenn er denn kommt. Viele Leute glauben ja, in Grönland schneit’s ununterbrochen. Dabei ist Grönland in erster Linie eine Eiswüste.

Der April ist jedenfalls eine angenehme Zeit, wenn man bereit ist, etwas Kälte zu ertragen. So schlimm, wie viele denken, ist es aber nicht. In Nordgrönland kann es sein, dass man im April noch Hosen aus Bärenfell braucht. Im Süden, Westen oder Osten kann man im April schon wunderschön warme Tage erleben. Wobei: Warm ist in Grönland ein relativer Begriff…

Wovon ich abraten würde, ist der Juni. Dann ist das Wetter oft unbeständig, und es kann sein, dass man von unfassbar aggressiven Mücken angefallen wird. In manchen Jahren sind diese arktischen Mücken echt eine Plage, die sich erst im August wieder legt.

Markus Lanz - Impressionen aus Grönland

Markus Lanz - Impressionen aus Grönland

Welche Region Grönlands würden Sie empfehlen?

Für eine erste Reise ist die Westküste die erste Wahl. Da kommt man relativ problemlos hin, dort gibt es die beste touristische Infrastruktur. Der wichtigste Ort ist sicher Ilulissat an der Diskobucht, von da aus kann man nach Uummannaq fahren – ein wunderschönes Dorf auf einer felsigen Insel mitten im Polarmeer.

Was kann man als Tourist erleben in Grönland?

„Grönland – Meine Reisen ans Ende der Welt“

Wenn Sie im Winter da sind, können Sie mit Hundeschlitten unterwegs sein oder Skiwanderungen machen. Das Faszinierende an Grönland ist, dass es touristisch eben nicht so erschlossen ist. Diesen Charme muss man erst einmal verstehen. Man muss Abstriche machen, bei der Unterkunft etwa. Gleichzeit hat man die Chance, an Orten zu sein, an denen vermutlich noch nie ein Mensch gestanden hat. Wenn man im Sommer da ist, kann man fischen oder wandern. Ich war mit meinem zehnjährigen Sohn in Nordgrönland, keine tausend Kilometer vom Nordpol entfernt. Wir haben am Rand des Inlandeises gezeltet und Schmelzwasser getrunken. Das Eis stammt aus der letzten Eiszeit und ist 10 000 Jahre alt! Es schmeckte immer noch erstaunlich frisch (lacht). Wir waren mit Inuit-Jägern und deren Familien in den Sommerlagern.

Was darf man auf einer Grönland-Reise keinesfalls auslassen?

Man sollte tatsächlich nach Ilulissat. Die kleine Stadt ist touristisch recht gut erschlossen, es gibt ein paar gute Hotels. Von Ilulissat aus kann man diesen unglaublichen Eisbruch an einem der am schnellsten fließenden Gletscher der Erde besichtigen. Von diesem Gletscher stammen 90 Prozent aller Eisberge im Nordatlantik. Wenn dann auch noch die Mitternachtssonne scheint – das ist zauberhaft. In meinem Buch habe ich geschrieben: Der Ort, an dem die Sehnsucht nach Eis beginnt.

Welche vermeintliche Attraktion kann man getrost auslassen?

Um den Ort Kangerlussuaq kommt man schwer herum, weil dort der Hauptflughafen an der Westküste ist. Man sollte aber gleich weiterreisen und sich nicht schon in Kangerlussuaq eine Übernachtung aufschwätzen lassen. Oder irgendwelche Jeep-Touren zu den Moschusochsen, die man meist nur als klitzekleinen Punkt irgendwo in der Landschaft sieht. Das braucht kein Mensch.

Wie bekommt man möglichst viel von der Lebensart der Inuit mit?

„Grönland – Meine Reisen ans Ende der Welt“

Es ist wie immer im Leben: Bist du bereit, dich zu öffnen, auf die Menschen zuzugehen? Wenn man offen für Gespräche und Situationen ist, dann wird man in Grönland an jeder Ecke ein Gefühl für die Lebensweise der Inuit bekommen. Ilulissat ist mit 4500 Einwohnern die drittgrößte Stadt Grönlands. Rundherum liegen viele kleine Dörfer, in denen es noch sehr ursprünglich zugeht. Aber Grönland ist natürlich auch große Einsamkeit. Und wenn Sie wirklich eintauchen wollen in diese Kultur, dann muss man mit den arktischen Jägern rausgehen. Ich habe in Nordgrönland weit draußen auf dem Eis im Winter Jäger erlebt, die bei minus 40 Grad stundenlang regungslos an einem Robbenloch lauern – eine gewaltige Konzentrationsleistung.

Haben Sie einen Tipp, wie man die Kälte besser erträgt?

Sich vernünftig anziehen, der Aktivität angepasst. Wenn Sie sehr lange auf einem Schlitten sitzen, dann helfen nur die dickste Daunenjacke und die wärmste Unterwäsche. Wenn Sie hingegen wandern, brauchen Sie atmungsaktive Kleidung im Schichtprinzip. Ohnehin gilt: Wer sich bewegt, macht alles richtig. Selbst bei minus 45 Grad wird Ihnen warm. Dann ist eher die Frage, wie man es schafft, die verbrannten Kalorien wieder zu sich zu nehmen. Ich habe Touren mitgemacht, auf denen wir pro Tag 7000 Kalorien verbrannt haben. So viel kann man gar nicht essen. 

Gibt es eine grönländische Spezialität, die man kosten sollte?

Robbe. Das geht gekocht, zum Beispiel als Eintopf, oder für Fortgeschrittene in der Rohversion. Ob es einem schmeckt, ist eine andere Frage. Der Geschmack ist etwas tranig, ich würde sagen, zwischen Fisch und Leber. Was mir und meinem Sohn gut schmeckt, ist rohe Narwalhaut. Das haben die Jäger manchmal dabei. Sehr vitaminreich.

Zum Abschluss ein Profitipp: Wie geht Grönland für Fortgeschrittene?

Wirklich schön ist es, aufs Inlandeis hochzugehen, dort ein paar Tage unterwegs zu sein und zu zelten. So bekommt man ein Gefühl für diese ungeheure Weite und Einsamkeit. Es ist auch interessant zu sehen, was mit einem selbst geschieht. In den ersten Tagen geht man fast die nicht vorhandenen Wände hoch, weil es keinerlei Zerstreuung gibt, auch keine optische. Nichts mehr, woran man sich festhalten kann! Nach ein paar Tagen merkt man, wie man ganz ruhig wird. Dann sind die Monster aus deinem Kopf verschwunden. So eine Tour sollte man jedoch nicht alleine machen, sondern mit einem Jäger. Abgesehen von Gletscherspalten: In Grönland kann auch im Jahr 2010 jederzeit irgendwo ein Eisbär auftauchen.

REISE-INFOS ZU GRÖNLAND

REISEZIEL Mit 2,1 Millionen Qua­dratkilometern ist Grönland fast sechsmal so groß wie Deutschland und die größte Insel der Erde. Geologisch gehört sie zum arktischen Nordamerika, politisch ist sie selbstverwalteter und weitgehend autonomer Bestandteil des Königreichs Dänemark. Lediglich 18 Prozent der gesamten Landfläche sind eisfrei. Grönland hat nur 57 000 Einwohner.

ANREISE Direkte Flüge von Deutschland nach Grönland gibt es nicht. Man muss in Dänemark oder Island umsteigen. Air Greenland fliegt von Kopenhagen aus mehrere Orte vor allem an der Süd- und Westküste an. Die Ostküste erreicht man über Reykjavik, wohin es Direktflüge aus Deutschland gibt.

RUMKOMMEN Zugverbindungen und Straßen zwischen den Orten gibt es nicht, alle Transporte werden per Flugzeug oder Schiff abgewickelt.

REISEZEIT/KLIMA Grönland hat polares und subpolares Klima. Juni, Juli und August sind mit maximal 14 Grad Tagestemperatur die wärmsten Monate, Januar und Februar mit unter minus 20 Grad die kältesten.

GELD/PREISE Zahlungsmittel sind Dänische Kronen. Außer Fisch müssen die Grönländer so gut wie alles einführen. Das wirkt sich auf die Preise aus, die im Vergleich mit skandinavischen Ländern um zehn Prozent höher liegen.

REISETYP Für Grenzgänger, die auf der Suche nach den letzten Naturwundern bis ans Ende der Welt reisen.

WOHNEN In größeren Orten gibt es Hotels bis zum Vier-Sterne-Standard, außerdem Bed & Breakfast und Jugendherbergen. Bei Kajak- oder Trekkingtouren wird meist gezeltet.

AKTIVITÄTEN Kajak, Trekking, Wandern, Hundeschlittenfahrten, Tierbeobachtungen (Wale, Moschusochsen).

VERANSTALTER Rundreisen durch Grönland bieten z.B. Wikinger Reisen (12 Tage, ab 2850 Euro) oder Dertour (acht Tage, ab 1999 Euro) an.

WEITERE INFO Grönländisches Verkehrsamt, www.visitgreenland.de

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