Inselbewohner in Aufruhr

Mallorca wird zur Mülldeponie Europas

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Die Müllverbrennungsanlage in Palma de Mallorca ist derzeit nicht ausgelastet.

Palma de Mallorca - Mallorcas Inselregierung will importierten Müll verbrennen und damit Geld verdienen. Das Geschäft mit den Abfällen stößt auf wenig Begeisterung. Proteste formieren sich.

Zum Ende der Hauptsaison versetzt ein Müllprojekt die Bewohner der spanischen Ferieninsel in Aufruhr. Die Inselregierung (Consell de Mallorca) will die Müllverbrennungsanlage Son Reus besser auslasten und dazu Abfälle aus anderen europäischen Ländern importieren.

Derzeit ist die vor kurzem erweiterte Anlage am nördlichen Stadtrand von Palma de Mallorca nicht einmal in den Sommermonaten ausgelastet, wenn Hunderttausende von Urlaubern ihre Ferien auf der Insel verbringen. Den Rest des Jahres ist sie nicht rentabel. Die Dezernentin für Umwelt, Catalina Soler, kündigte deshalb kürzlich an, sie wolle aus europäischen Ländern Müll heranschaffen und diesen auf der Insel verbrennen lassen.

Die Verantwortlichen wollen damit eine Erhöhung der Müllgebühren vermeiden und rund 350 Arbeitsplätze schaffen. „Wir importieren keine triefenden und stinkenden Müllbeutel, sondern sauberen, geschredderten Brennstoff mit hohem Energiewert“, versicherte Soler auf einer Pressekonferenz in Palma. Zur Veranschaulichung hatte die Politikerin durchsichtige Beutel mit zerkleinertem Plastikmüll mitgebracht.

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Dennoch hagelt es seither Proteste. Umweltschützer und Anwohner der betroffenen Stadtviertel und Gemeinden reagierten entsetzt. Sie nannten Mallorca die künftige „Müllkippe Europas“, besetzten die Verbrennungsanlage und argumentierten, die Energie- und Umweltbilanz des Vorhabens sei so negativ, dass man nicht von einem gewinnbringenden Geschäft sprechen könne.

Die Inselregierung plant, von 2013 an jährlich bis zu 100 000 Tonnen Müll mit Schiffen aus Städten in Großbritannien, Irland oder Italien nach Mallorca zu transportieren. Die dabei entstehende Giftasche sollen die Herkunftsländer wieder zurücknehmen. Die Insel erhofft sich davon ein Geschäft in der Größenordnung von 14 Millionen Euro.

Nun sprachen sich auch die Hoteliers der Insel vehement gegen das Vorhaben aus. In der Hauptsaison produzieren sie einen großen Teil der 400 000 Tonnen Abfall, der derzeit jährlich in Son Reus verbrannt wird. Bei einem Treffen mit der Umweltdezernentin kam es zu einem Schlagabtausch: Die Politikerin drohte den Unternehmern mit den Worten: „Entweder Sie akzeptieren den Import, oder wir erhöhen Ihnen die Müllgebühren.“

Die Hoteliers hielten der Dezernentin entgegen, die Verwaltung solle lieber Mitarbeiter entlassen, anstatt importierten Müll auf einer Insel zu verbrennen, auf der jährlich zwölf Millionen Menschen ihren Urlaub verbrächten. „Wenn die internationale Boulevardpresse davon erfährt, können wir die kommende Saison vergessen“, sagte ein Hotelier nach dem angespannten Treffen.

dpa

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