Wo die Münchner Urlaub machen

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Münchner im Urlaubshimmel: Sie lieben Thailands Küsten, Italiens geheime Inseln und Kreuzfahrten auf der Donau und im Mittelmeer.

Den Münchnern liegt in diesen Tagen die Welt zu Füßen, in sieben Hallen auf über 70.000 Quadratmetern. 1656 Aussteller aus 60 Ländern präsentieren sich in Riem auf der großen Urlaubsmesse Free.

Welche Stücke vom großen Tourismus-Kuchen kommen auf dem bayerischen Markt besonders gut an? Wir fragten die Veranstalter:

BADEZIELE AM MITTELMEER

Ganz tief in den Süden des Stiefels, dort zieht es die Münchner mit der großen Sehnsucht nach Meer und mehr Italien hin. Sowohl die Region Kampanien als auch die Äolischen Inseln, die „sieben Perlen“, wie die kleinen Exoten nördlich von Sizilien auch genannt werden, sind echte Italien-Geheimtipps, die auf der Münchner Reisemesse in diesem Jahr gut ankommen.

Ein beliebtes Reiseziel für Menschen, die nicht mit der Masse schwimmen wollen, ist auch die französische Mittelmeerinsel Korsika. Marktführer dafür im deutschsprachigen Raum ist Rhomberg Reisen in Dornbirn. Und dort ist man begeistert, dass es, wie Sprecher Thomas Brandl sagt, „jedes Jahr mehr Bayern werden, die sich in diese Trauminsel verlieben.“ Eigentlich naheliegend, schließlich muss ihnen der Natur-Mix aus hohen Bergen auf der einen und endlosen Sandstränden auf der anderen Seite vorkommen, als ob die Alpen ans Mittelmeer abgewandert wären. Immer beliebter wird bei den Münchner Korsika-Fans übrigens der Flughafen Memmingen, von dem Rhomberg Reisen seit einem Jahr mit Chartermaschinen abfliegt.

Als Reiseland für Bayern traditionell wichtig ist Kroatien, auf der Free stark vertreten durch das Münchner Unternehmen Riva Tours. Besonders Ferienhäuser auf der von München nur fünf Autostunden entfernten kroatischen Halbinsel Istrien sowie romantische Kreuzfahrten auf klassischen Motorseglern durch die kroatische Inselwelt sind sehr gefragt. Was Griechenland betrifft hält es der Münchner mit seinem Oberbürgermeister: Kykladen bevorzugt. „Santorin und Mykonos sind nach wie vor sehr stark gebucht“, sagt Petra Ibanidis vom Griechenland-Spezialisten Attika Reisen. Hinzu kämen Ziele wie die Insel Kefalonia im Ionischen Meer oder der Südpeloponnes, die beide in diesem Sommer wieder direkt ab München angeflogen werden. Stark im Rennen sind immer noch die „Mamma Mia-Inseln“ Skiathos und Skopelos, die durch den gleichnamigen Abba-Musikfilm mit Meryl Streep in der Hauptrolle einen regelrechten Tourismus-Boom erlebt haben.

URLAUB IN DEUTSCHLAND

Die Free hat immer ein Partnerland (in diesem Jahr Tunesien), darüberhinaus heuer aber erstmals auch einen offiziellen Geheimtipp – und das ist Usedom. Als „Deutschlands exotischstes Flugziel“ präsentiert sich die Ostseeinsel. Gemeint sind damit nicht nur die knapp 2000 Schönwetterstunden im Jahr, die ihr den Titel „sonnenreichste Gegend Deutschlands“ verleihen. Nein, es geht um die Anreise, die Art, wie schon der Weg nach Usedom zum Urlaubserlebnis wird. „Wo gibt es das sonst schon“, schwärmt Susanne Gahr vom Usedomer Tourismusbüro. „Einsteigen, anschnallen, abheben. Und vom kleinen Flughafen in Heringsdorf ist man in 20 Minuten im Hotel VIP-Betreuung wie persönliche Abholung inklusive.“ Seit 2008 verbindet die Fluggesellschaft OLT München mit der Insel in der Ostsee, in diesem Jahr wieder ab 1. August bis 22. September. A propos exotisch: Auf Usedom beginnt in diesen Tagen gerade die Bananenernte – in den tropischen Gewächshäusern der Schmetterlingsfarm Trassenheide. Urlauber sind zur Pflückung herzlich eingeladen.

KREUZFAHRTEN

Ausgerechnet dem Alpenvolk der Bayern attestiert Falk-Hartwig Rost, Geschäftsführer von MSC Kreuzfahrten „ein starkes maritimes Interesse“ und ergänzt: „Bayern ist unser stärkstes deutsches Bundesland.“ Vor allem Mittelmeerkreuzfahrten mit den Abfahrtshäfen Genua und Venedig sowie Nordland-Seereisen ab Kiel würden vom Münchner Publikum gebucht. „Das liegt auch an den guten Flug- bzw. Bahnverbindungen in diese Hafenstädte.“

Vom Preisniveau her würde der MSC-Chef die Bayern „im gehobenen Bereich“ ansiedeln. „Das sind keine Gäste, die die Innenkabine buchen.“

Was bei den bayerischen Kunden aber sehr gut ankomme, seien die Jugendkabinen zum Festpreis von 590 Euro. Kinder bis 12 Jahre reisen auf MSC-Schiffen in der Kabine der Eltern ohnehin gratis, ab 12 Jahre zahlen sie 119 Euro. Kein Wunder, dass Kreuzfahrten bei Familien immer beliebter werden.

Und welcher ist der wichtigste Fluss für den bayerischen Markt? Bernhard Vogel, Verkaufsleiter Süd von Nicko Tours, zögert keine Sekunde für eine Antwort: „Ganz klar: die Donau!“ Wegen der günstigen Lage des Einschiffungshafens Passau, und wegen der Vielseitigkeit der Reisen, die angeboten werden. Elf ihrer insgesamt 28 Flusschiffe, von der Mittel- bis zur Deluxe-Klasse, hat Nicko Tours auf der Donau, sie fahren Routen zwischen sechs und 17 Tagen, nach Wien, Budapest oder auch, „sehr gerne gebucht“, bis hinunter ins Donaudelta am Schwarzen Meer.

IN DIE FERNE & UM DIE WELT

Am Stand der PATA (steht für Pacific Asia Travel Association) seien sie die Lokalmatadoren sagt Jana Neuroth von Tischler Reisen. Kein Zweifel – die Firmenzentrale in Garmisch-Partenkirchen verschafft dem Reiseveranstalter Heimvorteil und die Münchner Messe sei deshalb auch unter dem Aspekt der Stammkunden-Pflege zu betrachten.

Asien, speziell Thailand, ist bei Tischler Reisen der absolute Top-Seller, unter den New- comern rangieren Oman, Lybien, Jordanien und das kleine Himalaya-Königreich Bhutan. Aber auch Weltreisen werden immer beliebter. Die Zahl der bayerischen Urlauber, die in 20 Tagen und mehr den Globus umrunden und dafür ab 4700 Euro ausgeben, nimmt stetig zu.

WANDERN, RAD & TREKKING

Seine Erfahrungswerte sind eindeutig: „Die Bayern sind nun mal ein Bergsteigervolk und deshalb ist München ein wichtiger Markt für uns Aktivreiseveranstalter“, sagt David Schulte von Wikinger Reisen. Dabei sei den Süddeutschen beim Wander- und Radurlaub kein Ziel zu exotisch, sie fahren genauso auf Kuba und Vietnam ab wie auf Grönland und Südfrankreich.

Im Trekkingbereich hätten den letzten drei Jahren vor allem Ziele wie Nepal, Bhutan und Ladakh, das Land der Klöster und Paläste hinter dem Kaschmirtal, zugelegt. Was Schulte an den Kunden auf der Münchner Messe neben ihrer Weltoffenheit besonders schätzt ist die Ernsthaftigkeit, mit der sie sich mit dem Reisen befassen. „Das sind keine Katalogjäger, sie lassen sich sehr intensiv im Gespräch informieren.“

BUSREISEN

Klassik kontra Kaffeefahrten: Reisen zu den Opernfestspielen von Verona, in die Mailänder Scala oder zu den Puccini-Festspielen in Torre del Lago sind ein großes Marktsegment geworden beim Münchner Busreisen-Veranstalter Geldhauser. Jeden Tag um 12, 14 und 16 Uhr steht am Geldhauser-Stand auf der Free deshalb auch ein Opernsänger auf der Bühne und stimmt Messebesucher mit Arien auf einen Kulturtrip in den sonnigen Süden ein. „Die Opern- und Musicalreisen haben unser Publikum stark verjüngt. Kultur hat eben keine Altersgrenze“, sagt Geldhauser-Sprecher Franz Gerstmayr. Jüngst sei er selbst als Kunde seines Unternehmens zum Musical „We will Rock you“ nach Stuttgart gefahren. „Da waren 16-jährige Mädchen dabei und die Oma mit 65 – ein wunderbarer Kundenmix.“ Der sich übrigens bei dem 40 Jahre alten Traditionsunternehmen, das ein Stadtbüro im Rathaus am Marienplatz unterhält, zu 80 Prozent aus Münchnern und Bewohnern aus dem nahen Umland zusammensetzt. Gerstmayr meint, dass das nicht zuletzt am Taxi-Service liege. Wer bei Geldhauser bucht, wird nämlich daheim direkt vor der Haustür abgeholt. Gepflegter kann so ein Kulturtrip ja nicht beginnen.

NEUE WEGE ZUM ICH

Sie bezeichnen sich zwar als „ökumenischen Reiseveranstalter“, stellen aber fest, dass sie vor allem im katholischen Bayern ein starkes Klientel haben. 50 Länder dieser Welt stehen mittlerweile im Programm des Veranstalters Biblische Reisen, der laut Produktmanagerin Silvia Bergmann „vor 50 Jahren mit Touren auf den Spuren der Bibel begann“.

Längst haben sie sich für ihre „Rundreisen mit Tiefgang“ ein festes Stammpublikum aufgebaut, das teilweise schon 30 Jahre bei ihnen bucht. Auf der Münchner Messe gibt’s die Anregungen für diese „besonderen Art des Reisens“.

Christine Hinkofer 

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