Zu teuer und zu nobel

Mont Blanc: Luxus-Berghütte sorgt für Streit

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Luxus-Berghütte am Mont Blanc: Der futuristische Bau in Ei-Form mit seiner Inox-Fassade thront in 3.835 Meter Höhe auf dem verschneiten Bergkamm Aiguille du Goûter.

Ultramodern, komfortabel und öko - seit Ende Juni gibt es eine neue Hütte am Aufstieg zum Mont Blanc in den französischen Alpen. Doch der Neubau am höchsten Gipfel Europas sorgt schon für Ärger.

Der futuristische Bau in Ei-Form mit seiner Inox-Fassade thront in 3.835 Meter Höhe auf dem verschneiten Bergkamm Aiguille du Goûter. Aber, dem einen ist die Herberge zu luxuriös und zu teuer, der andere klagt über die neuen Reservierungsvorschriften.

Eines ist sicher: Der Kontrast zu der rund 300 Meter entfernten alten Wanderhütte aus den 60er Jahren könnte nicht größer sein. Die neue Unterkunft "ändert unser Leben", freut sich Wanderführer Michel Payraud, der einen Kunden auf den mit 4.810 Metern höchsten Gipfel Europas begleitet. Die alte Hütte sei ein regelrechter "Schandfleck" gewesen. Er habe sich geschämt, dort mit Bergwanderern abzusteigen.

Eierförmige Konstruktion 

Mit seiner hellen Holzvertäfelung, dem riesigen Speisesaal und den gemütlichen Schlafsälen mit insgesamt 120 Betten gleicht das nagelneue "Refuge du Goûter" einer Luxus-Jugendherberge. Außerdem soll es dank seiner eierförmigen Konstruktion selbst den heftigsten Stürmen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 300 Stundenkilometern standhalten können. Modernste Technologie gewährleistet zudem eine möglichst geringe Umweltbelastung: Für die Wasserversorgung wird Schnee geschmolzen, das Abwassersystem gleicht dem von U-Booten, Solaranlagen und Kraft-Wärme-Kopplung erzeugen Strom und Wärme.

Doch diese technische Errungenschaften und die damit einhergehenden stolzen Preise - 90 Euro für die Übernachtung mit Halbpension - sind nicht nach jedermanns Geschmack. "Das ist eher ein Hotel als eine Berghütte", murrt ein Gast. "Ein bisschen elitär", meint auch der 30 Jahre alte Sébastien Letout. "Wer hier übernachten will, braucht etwas Geld."

Vor allem wegen seiner außergewöhnlichen Architektur sei die Herberge mittlerweile zum Ziel auch für Leute geworden, die gar nicht auf den Mont Blanc steigen wollen, berichten einige Bergführer. Die Hütte könnte sogar Ziel von Gruppen werden, die fröhlich einen Junggesellenabschied feiern wollen.

Dies könnte den Mont Blanc, der schon heute jedes Jahr Ziel von tausenden Bergsteigern ist, noch zusätzlich belasten. Dem sollen einige Vorschriften entgegenwirken: Während Wanderer ohne Reservierung bislang nahe der alten Hütte zelten durften, ist Camping nun untersagt. Wer nicht reserviert hat, muss entweder zu der unterhalb gelegenen Hütte Tête Rousse zurückkehren - und damit fast 670 mühsam erklommene Höhenmeter wieder zurücklaufen. Oder aber er schläft im Eingangsbereich der neuen Herberge, inmitten von Schuhen und Steigeisen. Und berappt dafür den vollen Preis von 90 Euro - und zwar ohne Mahlzeiten.

Die spektakulärsten Landschaften der Welt

The Wave, Arizona, USA: Sieht fast wie ein großer Vergnügungspark für Skateboarder aus – das Backcountry-Gebiet der „Coyote Buttes Wilderness Area“. Im Grenzgebiet zwischen Utah und Arizona formte Navajo-Sandstein, der sich im Laufe von Jahrmillionen vor allem durch Erosion verfestigt hat, diese einzigartige Landschaft. © TripAdvisor
Sinterterrassen, Pamukkale, Türkei: Die Kalksteinterrassen gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe. Über Jahrtausende wuchsen sie, getränkt vom kalkhaltigen Thermalwasser. Dieses hat eine Temperatur von etwa 30 Grad, in einem Liter sind etwa 2,2 Gramm Kalk gelöst © TripAdvisor
Salar de Uyuni, Bolivien, Südamerika: Weiß soweit das Auge reicht. Mit 10.000 Quadratkilometern Ausdehnung ist der Salar de Uyuni der größte Salzsee der Welt und liegt auf 3.653 Metern Höhe. In diesem Teil der Altiplano-Hochebene, der zum Nationalpark „Reserva Nacional de Fauna Andina Eduardo Abaroa“ gehört, gibt es kaum Leben – dennoch finden Flamingos in Brutzeiten ihren Weg dorthin. Eines der Highlights ist der Eisenbahnfriedhof mit über hundert Jahre alten, stillgelegten Zügen im Süden des Salars. © TripAdvisor
Eines der Highlights von Salar de Uyuni ist der Eisenbahnfriedhof mit über hundert Jahre alten, stillgelegten Zügen im Süden des Salars. © TripAdvisor
Cano Cristales, Villavicencio, Kolumbien: Der Fluss Cano Cristales gehört zum Nationalpark „Serranía La Macarena“ im Departamento Meta. Über das Jahr verändern sich die Algen im Wasser und sorgen so für ein einmaliges Farbspiel. © TripAdvisor
Badlands-Nationalpark South Dakota, USA: Für die Landwirtschaft ist der Boden des Gebiets im Südwesten South Dakotas mehr als ungeeignet – daher rührt auch der Name „Badlands“, schlechtes Land. Die linienförmig durchzogenen kupferfarbigen Felsformationen sehen dafür aber alles andere als „bad“ aus. © TripAdvisor
Namib-Naukluft Park, Namibia, Afrika:  Die orangefarbenen Namibsand-Dünen des Sossusvlei umgeben die beige Salz-Ton-Pfanne („Vlei”) in der Namib-Wüste. Mit bis zu über 380 Metern Höhenunterschied zur Pfanne gehören sie zu den höchsten Dünen der Welt. Ihre Farbe entsteht durch Eisenoxid. © TripAdvisor
Grand Prismatic Spring, Yellowstone-Nationalpark, USA: Die 75 Meter lange und 91 Meter breite Thermalquelle ist die größte der USA und die drittgrößte der Erde. Das Wasser hat im Schnitt eine Temperatur von rund 70 Grad. Das zwischen grün und rot schimmernde Farbspiel entsteht aufgrund des Biofilms der dort angesiedelten Mikroorganismen – da das Wasser in der Mitte der Quelle am heißesten ist, existieren hier keine Bakterien, das Wasser ist blau. Je nach Jahreszeit variiert das bunte Treiben. © TripAdvisor
Das zwischen grün und rot schimmernde Farbspiel entsteht aufgrund des Biofilms der dort angesiedelten Mikroorganismen – da das Wasser in der Mitte der Quelle am heißesten ist, existieren hier keine Bakterien, das Wasser ist blau. Je nach Jahreszeit variiert das bunte Treiben. © TripAdvisor
Giant's Causeway, Nordirland, Großbritannien: Der etwa 80 Kilometer von Belfast entfernte „Damm des Riesen”, so die wörtliche Übersetzung, gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe. Er setzt sich aus etwa 40.000 Basaltsäulen zusammen, die etwa 60 Millionen Jahre alt sind. Die Steine sind in der Mehrzahl sechseckig geformt, auch fünf- oder viereckige Säulen kommen vor. Einige sind bis zu zwölf Meter hoch. Der Giant’s Causeway hat eine Länge von etwa fünf Kilometern und findet sein Ende im Meer. © TripAdvisor
Einige sind bis zu zwölf Meter hoch. Der Giant’s Causeway hat eine Länge von etwa fünf Kilometern und findet sein Ende im Meer. © TripAdvisor
Die Pinnacles, Cervantes, Australien: Die Kalksteinsäulen befinden sich im 170 Quadratkilometer großen Nambung National Park und gehören zu den Highlights der Coral Coast in Western Australia. Die Pinnacles liegen etwa 30 Kilometer südlich des kleinen Fischerdörfchens Cervantes. © TripAdvisor
Chocolate Hills, Bohol-Insel, Philippinen Übersetzt heißt die geologische Formation auf der philippinischen Insel Bohol „Schokoladenhügel“. Zu der Hügellandschaft zählen auf einer Fläche von etwa 50 Quadratkilometern 1.268 Ausbuchtungen, die in Form und Höhe nahezu identisch sind. Im Sommer schimmern die Hügel durch Pflanzenbewuchs grün, in der Trockenzeit färben sie sich Schoko bräunlich. © TripAdvisor

Viele lehnen diesen als Abschreckung gedachten Straftarif freilich ab und ziehen lieber weiter. Wie der 27 Jahre alte Tscheche Ondrej und seine Freundin Sarka. Sie beschließen um acht Uhr abends, ihren Weg fortzusetzen. Sie wollen noch bis zur Schutzhütte Vallot in 4367 Meter Höhe klettern - ein nicht ungefährlicher Aufstieg von ganzen drei Stunden. "Natürlich sind wir müde, aber was sollen wir machen", schimpft Sarka. "Wir wussten nicht, dass wir reservieren mussten".

Auch unten im Tal, im Städtchen Chamonix, sorgt die Nobel-Berghütte für Unmut. Um die Zahl der Wanderer zu reduzieren, wäre es am einfachsten gewesen, gar keine neue Unterkunft zu bauen, meinen Kritiker. Der Aufstieg bis zum Gipfel des Mont Blanc sei auch von der Hütte Tête Rousse aus gut zu bewältigen, sagt Christophe Profit, der früher ein bekannter Alpinist war und heute als Bergführer arbeitet. Doch "Business und Rentabilität" hätten eben Vorrang vor dem Schutz der Natur.

AFP/jh/fs/lan

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