Orient-Beule, Fieber oder Durchfall

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Dengue-Fieber wird von einer tropischen Mücke übertragen.

Fieberattacke, Durchfall oder Hautausschlag - Das sind oft Symptome die erst nach der Reise auftreten. Besorgt sind Reisemediziner über die Zunahme des gefährlichen Dengue-Fieber.

Christian Meyer würde ohne Bedenken an jeden Ort der Welt fahren. Aus seinem Mund klingen diese Worte besonders mutig. Schließlich gehört er zu den erfahrensten Experten für Reisemedizin in Deutschland. Er kennt sich aus mit den gefährlichsten Urlaubsmitbringsel deutscher Touristen. Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg, an dem er arbeitet, gilt als erste Adresse für gesundes Reisen. In diesen Tagen und Wochen nach Ende der Urlaubssaison häufen sich wieder die Anfragen wegen unklarer Symptome nach einem Aufenthalt in tropischen Ländern. “Fieberhafte Erkrankungen, Durchfall und Hautausschlag - 80 Prozent bis 90 Prozent der Fälle betreffen nur diese drei Symptome“, sagt Professor Meyer.

Malaria, eine der gefährlichsten Reisekrankheiten, bringen den Angaben zufolge jährlich 500 bis 600 deutsche Urlauber mit nach Hause. “Die Zahl sinkt stetig - so wie sich auch die Zahl der weltweiten Malaria-Fälle innerhalb von zehn Jahren auf rund 270 Millionen Kranke nahezu halbiert hat“, sagt Meyer. Tödlich endet die Fieberattacke bei deutschen Heimkehrern bei unter einem Prozent. Weil Malaria gut behandelbar ist, sollten Hausärzte bei Fieber nach einem Tropenaufenthalt sofort eine Malaria-Diagnostik durchführen, rät der Reisemediziner. Allerdings treten die Symptome mitunter erst Monate nach dem Urlaub auf. “Das passiert, wenn die Malaria-Prophylaxe vor der Reise nicht korrekt durchgeführt wurde und sich die Parasiten wieder erholen“, sagt Meyer. Bei den gefährlichen Formen der Malaria beträgt die Inkubationszeit im Schnitt elf Tage.

Reisekrankheiten -  Souvenirs die unter die Haut gehen

durchfall
Die mit Abstand häufigste Reiseerkrankung ist  Durchfall. In den meisten Fällen ist der Reisedurchfall eine Schutzreaktion des Körpers. Gifte und Krankheitserreger sollen auf schnellstem Wege ausgeschieden werden. Ruhe ist das beste Therapeutikum. Schutz: Bevorzugung gekochter Speisen, Obst schälen, Eiswürfel vermeiden, Körperhygiene © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Ulcus Molle oder Weicher Schanker ist eine sexuell übertragbare, vor allem in den Tropen häufig auftretende Krankheit. Sie äußert sich wenige Tage nach Ausbruch durch Hautgeschwüre an den Geschlechtsorganen. Vor allem Männer sind gefährdet. Schutz: Verhütung mit Kondom © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Fußpilz lauert überall im Urlaub, wo sich viele Menschen barfuß bewegen. Denn, Schwimmbad, Hotelzimmern- und Kabinenböden tummeln sich Hautpartikel, die mit Pilzsporen versehen sein können. Eine Wunde am Fuß oder ein schwaches Immunsystem genügen um sich zu infizieren. Der Pilz löst starken Juckreiz aus und ist sehr hartnäckig. Schutz: Haus- und Badeschuhe, Flip Flops, Desinfektion © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Madenwürmer leben im Dickdarm des Menschen. Sie sind ein häufig vorkommender Parasit der vor allem Kinder befällt und starken Analjuckreiz auslöst. Nach dem Baden in unreinen Hotelpools oder dem Spielen am Sandstrand ist die Gefahr besonders groß.  © dpa
Schutz: Die Fingernägel kurzhalten- und die Hände oft und gründlich mit Seife gewaschen. Stuhlgang beobachten, Hygiene nach dem Toilettengang, Familienmitglieder vorbeugend mitbehandeln  © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Die  Feuerqualle ist ein Nesseltier und lebt in Nord- und Ostsee sowie im Atlantik. Gefahr besteht durch Kontakt mit dem Tier, aber auch durch abgestoßene, frei schwebende Tentakel. Das Nesselgift verursacht rote brennende Striemen auf der Haut. Im schlimmsten Fall können Kopfschmerzen und Schwindelgefühl oder sogar Herzprobleme auftreten. Schutz: Auf Gefahrenschilder achten, Schutzcreme © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Hepatitis A ist eine Entzündung der Leber, die durch das Hepatitis-A-Virus verursacht wird. Die Infektion kommt vor allem in bestimmten Regionen wie Süd- und Südosteuropa, Afrika, Asien sowie Süd- und Mittelamerika vor. Symptome sind Durchfall, Abgeschlagenheit, Gelbsucht sowie Kopf- und Gliederschemrzen. Die Krankheit wird durch unreines Trinkwasser und Schmierinfektion übertragen. Schutz: Impfung © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Lungenegel: Die Krankheit tritt in Ostasien, im tropischen Afrika sowie in Mittel- und Südamerika auf. Nach dem Verzehr roher infizierter Krabben oder Krebse, wandern die Larven aus dem Darm über die Lebervene in die Lunge. Hauptsymptom ist ein blutiger- und schleimiger Hustenreiz. Die Egel können in der Lunge bis zu 20 Jahre überleben. Schutz: In gefährdeten Gebieten Krabben- und Krebsarten ausschliesslich gekocht verzehren. © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Vor allem bei Tauchurlauben besteht erhöhte Gefahr für eine Ohreninfektion. Sie entsteht wenn bakteriell infiziertes Wasser in den Gehörgang kommt. Der Gerhörgang ist eine perfekte Brutstätte für die Bakterien. Kinder sind eine Hochrisikogruppe. Es empfiehlt sich nach Schnorchel- und Tauchgängen die Ohren mit Süßwasser zu spülen. Schutz: Ohrenreinigung beim HNO vor Abreise, Süßwasserspülung © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Schimmelpilze können einen Vielzahl von negativen körperlichen Reaktionen hervorrufen. Diese treten relativ bald nach Sporenkontakt auf. Husten, Bronchitis, Fieber, Hautreizungen und Magen-Darm-Krankheiten sind nur eine Auswahl der möglichen Folgen. Besonders Kinder sind sehr gefährdet. Schutz: intensives Stoßlüften © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Mallorca-Akne entsteht durch das Zusammenwirken von UV-Strahlung und fetthaltigen Sonnenschutzmittlen. Sie äußert sich durch starken Juckreiz und Pustelbefall. Nach dem ersten intensiven Sonnenbad treten Ausschläge und Pusteln am Dekolleté, der Haut und den Beinen auf. Betroffen sind häufig junge Menschen mitteleuropäischer Herkunft. Schutz: fettfreie Sonnenschutzmittel, Vitamin E, Beta-Karotin-Einnahme, zu Urlaubsbeginn auf ausgiebige Sonnenbäder verzichten © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
In Afrika, Ostasien, Mittel- und Südamerika leben Mückenarten, die für uns weitaus gefährlicher als europäische Mücken sind. Sie übertragen lebenbedrohliche Krankheiten wie Malaria und das Denguel-Fieber. Nach Einbruch der Abenddämmerung, empfiehlt es sich lange Ärmel und Hosenbeine zu tragen. Schutz: Moskitonetze, Fliegengitter, Mückenschutz, Aufenthalt in klimatisierten Räumen © dpa
Unerwünschte Urlaubssouvenirs
Blutegel leben vorzugsweise in Gewässern und Wäldern tropischer Regionen Afrikas, sowie in Süd- und Mittelamerika. Mit ihren Saugnäpfen an den Körperenden saugen sie sich an der Haut fest. Um ans Blut zu gelangen schneiden sie mit ihrem Kiefer eine kleine Wunde in die Haut. Sind sie satt, lassen sie sich  fallen und hinterlassen eine Hautrötung. Schutz: Ätherische Öle, Zitronensaft, Essig, Nylonstrümpfe © dpa
Sonnenbrand
Der "klassische" Sonnenbrand zählt zu den unterschätztesten Hauterkrankungen überhaupt. Diese Entzündung zeigt sich durch eine Rötung oder Schwellung der betroffenen Stellen. Es können über Jahre sogar Tumore und Geschwülste entstehen. Schutz: Meidung von starker Sonnenbestrahlung, Wahl des geeigneten Lichtschutzfaktors der Sonnencréme  © dpa

Beunruhigt sind die Tropenmediziner wegen der Zunahme des gefährlichen Dengue-Fiebers, das von einer tropischen Mücke übertragen wird. “Etwa 600 Erkrankungen sind im vergangenen Jahr bundesweit gemeldet worden“, sagt der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit, ebenfalls vom Bernhard-Nocht-Institut. Das seien doppelt so viele wie 2009 und mittlerweile mehr als die Zahl der eingeschleppten Malaria-Fälle. Erstmals kamen im Vorjahr Urlauber aus Südfrankreich und Kroatien mit dem tropischen Erreger im Körper nach Hause. “Sie haben sich nachweislich dort infiziert“, sagt Meyer. “Das sollte intensiv beobachtet werden.“

Das Virus ist weltweit auf dem Vormarsch, auch in Deutschland. Vorbeugende Impfungen gibt es nicht. Wer infiziert ist, bekommt Fieber, Hautausschlag, Gelenkschmerzen. Kommen Blutungen hinzu, besteht Lebensgefahr. Die Krankheit ist nicht gut therapierbar.

Zehn bis zu 80 Prozent aller Urlauber - abhängig von der Sauberkeit am Urlaubsort - bringen nach Schätzungen von reisemedizinischen Diensten Durchfallerkrankungen mit. Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin registriert pro Jahr allein bei der Shigellose, einer bakteriellen Infektion, rund 600 Fälle.

Am meisten wird der Erreger in Ägypten, Indien, Marokko oder Tunesien eingefangen. Rund 150 Thyphus- und Parathyphus-Fälle, vorrangig in Indien und in der Türkei infiziert, werden dem RKI pro Jahr gemeldet. Erstmals gab es 2011 drei Cholera-Fälle bei Urlaubern, die aus der Dominikanischen Republik zurückkamen. Nach den Worten Meyers ist der größte Teil der virusbedingten Durchfallerkrankungen schlecht diagnostizierbar. Deshalb werden nur die Symptome behandelt.

Strikte Hygiene empfehlenswert

Die dritte große Gruppe der häufigsten Reisekrankheiten umfasst die Hauterkrankungen. Das reicht vom infizierten Mückenstich bis zur gefährlichen Leishmaniose, die durch tropische Schmetterlingsmücken übertragen wird. Die Infektion ist nach Angaben von Professorin Gundel Harms-Zwingenberger vom Institut für Tropenmedizin Berlin außerhalb Europas, aber auch im Mittelmeerraum weitverbreitet. Rund zwei Dutzend Menschen müssen laut Expertin pro Jahr wegen Leishmaniose behandelt werden. Die klinischen Symptome reichen von der “Orientbeule“, einem schmerzlosen Geschwür, über Schleimhautbefall bis zum potenziell tödlich verlaufenden Befall innerer Organe. Weltweit werden jährlich 60.000 Leishmaniose-Tote registriert.

Zum Schutz vor unerwünschten Urlaubsmitbringsel empfehlen die Experten strikte Hygiene. Dazu gehört häufiges Händewaschen als auch Vorsicht beim Genuss von Wasser und rohen Lebensmitteln. Zudem sollte man sich tagsüber und nachts vor Mücken schützen. Dazu dienen insektenabwehrende Cremes und Sprays, sogenannte Repellents. Gut schützend ist der Wirkstoff Diethyltoluamid (DEET). Hilfreich ist auch lange, körperbedeckende Kleidung sowie ein Moskitonetz beim Schlafen. Bestimmte Infektionen werden gut durch Impfungen verhindert. Gegen Malaria gibt es bislang nur Tabletten zur Prophylaxe, doch sowohl gegen das Gelbfieber, die Meningitis als auch die verschiedenen Formen der Hepatitis sowie gegen Thyphus oder Cholera helfen Impfungen.

dapd

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