Bilby, Hasi und das Eier-Rennen

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Jedes Jahr schöne, vertraute Rituale: Eier suchen, am knisternden Osterfeuer stehen, einen ausgiebigen Spaziergang machen.

Jedes Jahr schöne, vertraute Rituale: Eier suchen, am knisternden Osterfeuer stehen, einen ausgiebigen Spaziergang machen. Und wie feiern die Menschen in anderen Gegenden der Welt Ostern? Unser Autor Stephan Brünjes hat sich umgeschaut.

Was haben Norderney und das Weiße Haus in Washington gemeinsam? Antwort: Fast denselben Osterbrauch. Auf Norderney heißt er Trüllen und ist eine Art Ostereier-Wettrennen: Einfach mit der Hand Rinnen in die Dünen ziehen und die Eier darin herunterkullern lassen. Weil die Eier auf dem Rasen des Weißen Hauses nicht von selbst in Fahrt kommen, dürfen die Kinder mit Löffeln nachhelfen, um sie voranzutreiben. Danach gibt’s wertvolle Preise: Holz-Eier mit den Unterschriften des Präsidenten und der First Lady.

Meister Lampe hat tierische Konkurrenz

Bis ins vergangene Jahrhundert hatte Meister Lampe bei uns noch tierische Konkurrenz: In Westfalen lieferten Füchse die Ostereier, in Thüringen kam der Storch und in der Schweiz sogar der Kuckuck. In Australien ist der Hase immer noch out, denn zusammen mit dem Kaninchen gilt er hier als Schädling. Beide haben sich – mitgebracht von den Siedlern im 18. Jahrhundert – rasend schnell vermehrt und das Weideland kahl gefressen. Deshalb heißt es Down under: „Osterbilby statt Osterhasi“. Der Bilby ist ein kleines hasenähnliches Beuteltier. Angeblich gibt es nur noch etwa 600 davon. Zu Ostern vermehren sie sich aber explosionsartig – die aus Schokolade.

Auch in Schweden ist der Osterhase abgemeldet. Ein Küken stiehlt ihm hier die Schau. Es bestimmt auch die Farbe des Festes: Ostern erstrahlt Schweden in Gelb, die Wohnungen sind dann mit Birkenzweigen und bunten Federbüscheln geschmückt. Nebenan, in Finnland, spielt die Birke ebenfalls eine Rolle: Die Finnen schlagen ihren Freunden und Bekannten leicht mit Birkenruten auf den Rücken. Als Ersatz für Palmwedel, mit denen Jesus bei seinem Einzug in Jerusalem begrüßt wurde. Finnische Kinder ziehen am Ostersonntag rußgeschwärzt und lärmend durch die Straßen – sie wollen so den Winter endgültig verscheuchen.

Wesentlich handfester gehen die Polen zur Sache: Smyngus-Dyngus heißt der Brauch, bei dem am Ostermontag kaum jemand trocken bleibt. Kinder bespritzen sich gegenseitig mit Wasser und schütten es anderen kübelweise über die Köpfe. Eine feucht-fröhliche Erinnerung an die Taufe von Prinz Miesko I. im Jahre 966, der den Polen das Christentum brachte.

Parfüm, Wasser und Kuchen

Ebenfalls ziemlich feucht geht es in Ungarn zu: Am Ostermontag bespritzen die Männer die Frauen mit Parfüm oder Wasser. Im Gegenzug werden sie mit Kuchen, Alkohol und Ostereiern bewirtet. Die benachbarten Bulgaren lassen die Eier an Kirchenmauern zerplatzen oder bewerfen Familienangehörige damit. Gesitteter müssen sich die Kinder in Großbritannien beim Eier-Zerstören benehmen – dem „egg-shackling“: Dabei werden zuerst die Kindernamen auf rohe Eier geschrieben, dann die Eier solange in einem Sieb geschüttelt, bis nur noch ein heiles als Sieger übrig bleibt.

Die Franzosen haben einen Feiertag weniger, müssen – abgesehen von den Menschen in Elsaß-Lothringen – am Karfreitag arbeiten. Die Kirchenglocken schweigen von Gründonnerstag bis Karsamstag, um den Tod Jesu zu betrauern. Am Ostersonntag dann läuten sie im ganzen Land mit voller Kraft, um die Auferstehung zu verkünden. Den Kindern erzählt man, dass dieses Glockenläuten bis nach Rom zum Papst dringt und von dort mit den Ostereiern zurückkehrt.

Fast karnevalistisch geht es am Ostersonntag auf New Yorks Fifth Avenue zu. Schrill-bunt gekleidete Menschen und fröhliche Blaskapellen feiern auf prächtig geschmückten Wagen: Die Easter Parade zieht durch Manhattan. Beste Sicht auf das Spektakel bietet der Platz rund um die St.Patrick’s Kathedrale. Außerdem gibt’s überall am BigApple österliche Sonderaktionen – von Museen über Restaurants bis zum Zoo.

Traditionelle Osterfeuer

Zum wohl größten Osterfeuerspektakel Deutschlands lädt alljährlich das Dorf Lügde bei Bad Pyrmont: Hier rollen die Bewohner am Ostersonntag sechs hölzerne Wagenräder mit 1,70 Meter Durchmesser, ausgestopft mit Stroh und Zweigen, auf den Osterberg. Nach Einbruch der Dunkelheit werden die Räder in Brand gesteckt und den Osterberg runter ins Tal des Flüsschens Emmer gerollt, bestaunt von bis zu 40 000 Zuschauern. Ein in Deutschland einmaliges Spektakel, das seine Wurzeln im heidnisch- germanischen Brauchtum hat – das Feuerrad als Sinnbild der Sonnenscheibe.

Stephan Brünjes

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