Die Pfaueninsel - Perle im Havelmeer

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Einer der Lieblingsorte von Königin Luise - das märchenhafte Schloss auf der Pfaueninsel liegt im Südwesten Berlins.

Einen wunderbaren Charme hat die Pfaueninsel. Die Insel in der Havel weckt Sehnsucht und Träume - auch heute noch. Und Königin muss man keine sein, um Luise zu verstehen.

Ein märchenhaftes Schloss, viel Natur und viel Platz zum Erholen: die Pfaueninsel im Südwesten Berlins galt als einer der Lieblingsorte von Königin Luise. Kein Wunder. Immerhin war die Insel nicht weit vom königlichen Hof entfernt - und erlaubte Luise doch, dem Alltag zu entfliehen. Dort konnte sie mit ihrer Familie ungezwungen sein und die Natur genießen. Noch heute besticht die Pfaueninsel als stiller Zufluchtsort vor den Toren der Hauptstadt -gerade im Luisenjahr zum 200. Todestag der Königin lohnt ein Besuch.

“Zur Zeit von Luise war es unter Adligen en vogue, aus den Schlössern hinauszugehen und hinein in die Natur“, erklärt Susanne Fontaine, Leiterin des Schlosses auf der Pfaueninsel. Schon der Philosoph Jean-Jacques Rousseau hatte die Rückkehr zur Natur propagiert - die Pfaueninsel passte da genau ins Bild. “Sie war allein schon als Insel eine Projektion für Sehnsüchte und Träume.“

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Auch heute erscheint das Kleinod ein bisschen wie eine Traumwelt. Vom Festland aus ist sie nur mit einer kleinen Fähre zu erreichen. Von dort aus führt ein schmaler Weg vorbei an üppigen Rosen zum westlichen Zipfel der Insel. Hinter dichten Bäumen steht es auf einmal da: das 1794 erbaute weiße Schloss, mit seinen verspielt wirkenden Türmen und einem eindrucksvollen Blick über die Havel. Erbaut wurde es unter König Friedrich Wilhelm II., der bald danach starb, so dass es vor allem von seinem Sohn Friedrich Wilhelm III. und dessen Frau Luise genutzt wurde.

Luise Prinzessin zu Mecklenburg

Luise, am 10. März 1776 geboren, heiratete mit 17 Jahren Friedrich Wilhelm III. und wurde mit 21 Königin von Preußen. Sie galt ihren Zeitgenossen als schön, anmutig und herzlich und wurde von ihren Untertanen gleichermaßen verehrt und verklärt.
Luise verstarb (19. Juli 1810) mit 34 Jahren an einer Lungenkrankheit. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie 10 Schwangerschaften hinter sich. Sieben Kinder überlebten die Mutter: drei Töchter und vier Söhne.

Bemerkenswert an dem Schloss ist seine Fassade. Sie sieht zwar aus einiger Entfernung so aus, als sei sie aus Steinen gebaut. Doch die sind nur aufgemalt. In Wirklichkeit besteht die Fassade aus groben Eichenbrettern - einfach und naturnah. Auch im Inneren gibt es kaum überbordenden Prunk. So war es schon zu Luises Zeit. “Nach ihrem Tod wurde das Schloss von den folgenden Generationen kaum genutzt und fiel in eine Art Dornröschenschlaf“, sagt Fontaine. Deswegen ist das Meiste der Einrichtung noch Original: die Möbel, die Papiertapeten und das “Otaheitische Kabinett“, ein Raum für Sehnsucht und Fernweh.

Denn an den Wänden suggerieren riesige Malereien den Ausblick in eine exotische Welt mit Papageien, Palmen und fremden Pflanzen. Die Decke wurde so bemalt, dass Besucher den Eindruck haben, sie säßen in einer mit Bambus gedeckten Hütte. Auch die Meierei am nördlichen Ende der Insel zeigt das Bestreben, der Natur möglichst nah zu sein. Von außen sieht sie aus wie die Ruine einer gotischen Kirche, doch im Inneren konnten sich Luise und ihr Mann beim Kühe melken und Butter herstellen probieren. “Das war ein Vergnügungsort für Könige, wo sie Bauer und Bäuerin spielen konnten“, erzählt Fontaine.

Blick auf die Pfaueninsel: Heute kommen die Besucher mit der Fähre, zu Luises Zeiten reisten sie mit dem Boot an.

Es gab zudem noch Ställe und eine Scheune, die zwar landwirtschaftlich genutzt wurden, den Königsfamilien aber vor allem das kurzzeitige Leben auf einem Bauernhof ermöglichen sollten - ohne harte Arbeit, nur als Freizeitvergnügen. Zwischen diesen beiden Gebäuden erstreckt sich ein großer Landschaftsgarten, der besonders von Peter Joseph Lenné gestaltet wurde. Dabei wirkt die Pfaueninsel aber nicht wie ein adrett angelegter, rund 67 Hektar großer Garten, sondern wie von der Natur geschaffen.

Mitten in der Natur: Die Meierei auf der Pfaueninsel liegt idyllisch zwischen Bäumen.

Besucher können so nicht nur wie Luise der eigenen Alltagshektik entfliehen, sondern sich von der Insel überraschen lassen. Denn auch wenn man glaubt, einfach unter Eichen entlang zu spazieren, entdeckt man neben namengebenden Pfauen immer wieder verspielte Architektur: den Beelitzer Jagdschirm zur Entenjagd, die Volière, eine Fontäne oder den Luisentempel - meist mitten in der Natur, versteckt hinter hohen Bäumen.

Aliki Nassoufis, dpa

MEHR INFOS ZUR PFAUENINSEL

SEHENSWÜRDIGKEITEN Einen virtuellen Rundgang über die Pfaueninsel gibt es im Internet. Unter www.pfaueninsel.info finden sich 360 Grad Panoramaeindrücke. 

Auch rund um Berlin gibt es einiges zu sehen. Im Internet unter www.berlin.de/orte/sehenswuerdigkeiten/pfaueninsel/

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