Schläferstündchen auf der Alb

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Schöner schlafen im Wohnwagen: Auf der Schwäbischen Alb stehen die Ferienhäuser auf Rädern.

Wie eine Ausstellung originellerÜbernachtungsmöglichkeiten präsentiert sich der Naturcampingplatz Hofgut Hopfengarten: Schäferwagen, Indianerzelte, Heidewagen...

...Jurten und Zirkuswagen stehen dort auf einer Wiese in der Nähe von Münsingen. Reiseredakteur Volker Pfau hat sich zum Schläferstündchen auf die Schwäbische Alb begeben.

Der Gast kam in der Dämmerung. Langsam, misstrauisch bewegte sich das Reh auf der Weide, die den Campingplatz vom Wald trennt, in Richtung unseres Wagens. Das Gras schmeckt am Rand des Hofguts Hopfengarten offenbar besser, und die etwa zwei Dutzend Schafe, die sonst hier weiden und die jetzt friedlich wiederkäuen, haben noch genug stehen gelassen, um der langbeinigen Geiß eine üppige Abendmahlzeit zu bescheren. Eine Weile später setzt das Tier mit einem eleganten Satz über den Zaun und verschwindet zwischen den Büschen am Waldrand. Zu solchen Leistungen wären wir nicht mehr imstande. Wir sind satt. Pappsatt. Zum Abendessen im Backhaus wurde Gulasch mit frischem Holzofenbrot serviert, dann Obstsalat als Nachtisch und „als Versucherle“ ein Stück Dinnete, eine Art schwäbischer Flammkuchen mit Speck, der vor dem Brot in den Holzofen geschoben wird. Zufrieden lächelnd schaut uns Anne Brendle an, die hier dreimal in der Woche den Ofen anheizt und mit ihren Kolleginnen zusammen frisches Brot backt – mit dem Können und dem Stolz schwäbischer Hausfrauen und mit deren Ehrgeiz, dass keiner nicht wenigstens satt vom Tisch aufsteht.

Schwäbische Alp: Schlafen im Schäferwagen

Schwäbische Alb: Schlafen im Schäferwagen

Normalerweise verdient Michael Zöller (48) sein Geld als selbstständiger Projektentwickler in der Automobilindustrie, jetzt vermietet er auf dem Naturcampingplatz Hofgut Hopfenburg auf der Schwäbischen Alb originelle Schlafmöglichkeiten.

„Auf jeden Fall könnet Se net schreibe, Se wäret hungrig bliebe“, sagt Anne Brendle mit einem zufriedenen Grinsen. Sie hat ihr Ziel erreicht. Wir sinken in unsere Schlafkoje und fallen in einen tiefen, traumlosen Schlaf. Am nächsten Morgen kommen wir kaum aus dem kuscheligen Bett in unserem Heidewagen. Gute Luft draußen, guter Duft drinnen – die Wagen sind alle nach baubiologischen Gesichtspunkten gefertigt und mit Leinöl lasiert. Aber das Frühstück wartet. Michael Zöller, der Geschäftsführer der Hopfenburg, freut sich, dass das Konzept bei uns so gut funktioniert: Schlafen in origineller Unterkunft, gutes Essen und viel Natur drumherum. „Mehr braucht man doch nicht für einen Urlaub“, sagt der 48-Jährige, der zusammen mit seinem Geschäftspartner Andreas Hartmaier hinter dem Hofgut Hopfenburg steckt. Schon seit einigen Jahren liebäugelte Michael Zöller mit einem Projekt dieser Art. Dann kam eines zum anderen: Die Gemeinde Münsingen wollte Besuchern einen ortsnahen Campingplatz anbieten, die ursprünglichen Besitzer des Hofgutes mussten den Betrieb aufgeben und wollten verkaufen, im Architekten Andreas Hartmaier fand Zöller einen Fachmann und Mitstreiter im Geist. Am 1. Juni 2011 kamen die ersten Gäste. Noch wird viel gebaut auf dem zehn Hektar großen Gelände. Grillstellen und Teiche sind im Entstehen und das zentrale Sanitärgebäude soll um Sozial- und Wirtschaftsräume mit Waschmaschinen, Trocknern und Kochgelegenheiten ergänzt werden. Doch Zelte und Wagen stehen und sind gut ausgelastet. Jede dieser Unterkünfte erzählt eine eigene Geschichte.

Die Indianer-Tipis wurden von demselben Hersteller gefertigt, der auch die Zelte für den Film „Der mit dem Wolf tanzt“ gemacht hat. Die Jurten stammen aus Kirgistan und wurden ganz traditionell gefertigt („keine Schrauben, alles ist verknotet“). Bei den Wagen reicht das Angebot vom traditionellen Schäferwagen der Schwäbischen Alb, der Platz für zwei bietet, bis zum Zirkuswagen, in dem bis zu sechs Personen schlafen können, und der eine eigene Toilette hat. Zur Innenausstattung der Wagen gehören auch immer ein Essplatz und eine kleine Küche samt Geschirr, sodass man sich selbst verpflegen kann.

Fußballspieler oder lieber Indianer?

Während Tipis und Jurten im Herbst abgebaut werden, können die Wagen das ganze Jahr über gemietet werden. „Die sind mit Holzfaser isoliert und voll heizbar“, sagt Michael Zöller. Gerade im Winter sei ein Aufenthalt reizvoll: Eine gespurte Loipe startet direkt am Campingplatz. Auf dem Hofgut werden Kurse in Kräuterkunde, im Papierschöpfen, Filzen, Korbflechten und Wolle-Färben oder im Drachenbau angeboten, dazu geführte Ausritte, Wanderungen durchsBiosphärenreservatoder Mountainbike-Touren. Michael Zöller selbst verbringt fast seine gesamten Wochenenden hier, macht Dienst an der Rezeption und sucht Kontakt mit seinen Gästen. „Das ist das Schöne an diesem Job, das gibt mir am meisten.“ Und auch für den nächsten Urlaub wird er nicht weit fahren: „Meine Frau hat gesagt, wir müssen unbedingt mal in einem der Tipis übernachten.“

DIE REISE-INFOS ZUM HOFGUT HOPFENBURG

REISEZIEL Das Hofgut Hopfenburg liegt am Rand von Münsingen auf der Schwäbischen Alb.

ANREISE Mit dem Auto von München über die A 8 Richtung Stuttgart bis zur Ausfahrt Merklingen und weiter bis Münsingen. Entfernung von München: rund 180 Kilometer. Bahn: Infos zum RIT-Umwelt-Plus-Ticket (Hin- und Rückfahrt: 65 Euro) beim Hofgut Hopfenburg.

WOHNEN Man kann in Schäferwagen, Zirkuswagen, Jurten, Tipis oder im Apartment übernachten, außerdem gibt es 80 Stellplätze für Wohnmobile, Wohnwagen und Zeltplätze.

PREISE SCHÄFERWAGEN (2 Personen): 62 Euro für die erste Nacht, jede weitere 37 Euro. HEIDEWAGEN (2 Erw., 1 Kind): 70 Euro für die erste Nacht, jede weitere 45 Euro. JURTE/INDIANERZELT (4 Personen): 74 Euro für die erste Nacht, jede weitere 42 Euro. APARTMENT (4 Personen): 107 Euro für die erste Nacht, jede weitere 67 Euro. STELLPLATZ (Zelt): ab zwölf Euro/Nacht. In der Nebensaison (12. September bis 17. Dezember) 20 Prozent Ermäßigung.

SEHENSWERT WIMSENER HÖHLE: Die einzige mit einem Boot befahrbare Wasserhöhle Deutschlands ist 725 Meter lang und auf 70 Metern schiffbar. Geöffnet vom 1. April bis 31. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr, Eintritt: 3,50 Euro, Kinder 3 Euro. Info: Tel. 07373/91 52 60, www.tress-gastronomie.de.

SCHLOSS LICHTENSTEIN: Es thront spektakulär am Rand des Albtraufs. Geöffnet von April bis Oktober täglich von 9 bis 17.30 Uhr, Eintritt (inkl. Führung): 6 Euro, Kinder 3 Euro. Info und Anmeldung: Schlossverwaltung Lichtenstein, Tel. 07129/41 02; Internet: www.schloss-lichtenstein.de.

BÄRENHÖHLE: In der auf 271 Metern begehbaren Tropfsteinhöhle in der nähe von Sonnenbühl sind Schädel und Knochen von Höhlenbären sowie ein vollständig rekonstruiertes Skelett zu sehen. Geöffnet von April bis Oktober täglich von 9 bis 17.30 Uhr; Eintritt (inkl. Führung): 4 Euro, Kinder (6 bis 14): 2,50 Euro; Info: Tel. 07128/635, im Internet unter hoehlenwelten.sonnenbuehl.de. Direkt über der Bärenhöhle ist der Familien- Vergnügungspark Traumland. Eintritt: 9,50 Euro, Kinder (3 bis 11 ) 8,50 Euro. Info: Telefon 071 28/21 58, www.freizeitparktraumland. de.

WEITERE INFOS Hofgut Hopfenburg, Münsingen; Tel. 073 81/93 11 93 11, www.hofgut-hopfenburg.de. Tourismusverband Schwäbische alb, Bad Urach; Tel. 071 25/94 81 06, im Internet: www.schwaebischealb.de.

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