Sommerzeit im Eispalast

Klassik unter Eiskristall: Zum Festakt „100 Jahre Dachsteinhöhlen“ findet am 13. Juni in der Rieseneishöhle ein Konzert statt.

100 Jahre ist es her, seit die Höhlenforscher Georg Lahner und Hermann Bock in das Innere der Rieseneishöhle am Dachstein vorgedrungen sind.

100 Jahre, in denen sich die größte unterirdische Eislandschaft Mitteleuropas zu einem Publikumsmagneten entwickelt hat. Am 1. Mai beginnt wieder die Saison im Eispalast unter dem höchsten Berg der Steiermark.

Dass es im Dachstein- Massiv unzählige Höhlen gibt, die im Falle eines Unwetters Schutz bieten, haben schon die Menschen in der Steinzeit gewusst. Funde in den Höhlen zeugen davon. Die talnahe Koppenbrüllerhöhle wurde sogar schon in Reiseführern des 19. Jahrhunderts als „berühmte Schauhöhle“ bezeichnet. Auch die Höhlen auf der Schönbergalm dürften den Einheimischen schon lange bekannt gewesen sein. Aber erst der Hirte Peter Gamsjäger entdeckte um die Jahrhundertwende im „Wetterloch“ das glitzernde Höhleneis, das heute Tausende von Besuchern nach Obertraun lockt.

Damals mussten sich die Höhlenforscher das Erlebnis hart erkämpfen. Vom heutigen Höhlenausgang aus galt es, eine 17 Meter hohe Felsbarriere zu überwinden. Die Installation „Klettermax“ erinnert heute an die frühen Forscherzeiten. 1910 wagten sich die Forscher erstmals auch in die Mammuthöhle, eine wahre Kathedrale unter der Erde mit seltsam ausgewaschenen Gängen.

Kunst in der Kälte

Die Höhlen am Dachstein sind ein Kunstwerk der Natur, der Mensch setzt dem noch den I-Punkt auf. Seit 2007 sorgen Installationen der Kunstuniversität Linz für Akzente. So kann man in der Mammuthöhle Projektionen riesiger Kirchenfenster bestaunen.

Mit knapp 70 Kilometern erforschter Gänge gilt sie heute als eines der ausgedehntesten Höhlensysteme der Welt. Die Rieseneishöhle, die „lediglich“ zwei Kilometer lang ist, war dagegen schon 1913 fast vollständig erschlossen und vermessen. Georg Lahner schrieb damals: „Der Glanz der Höhle, ihre Erhabenheit hat etwas Erdentrücktes.“ Bereits 1922, lange vor dem Bau der heutigen Seilbahn, besuchten über 11 000 Touristen die Rieseneishöhle – wenn auch auf deutlich schwierigen Pfaden als heute. Auch die Elektrifizierung der Höhle fällt in diese Zeit und bescherte Obertraun so ganz nebenbei den lange ersehnten Anschluss an die öffentliche Stromversorgung.

Seit 1997 steht die historische Kulturlandschaft Hallstatt- Dachstein, die mit den Städten Gosau, Obertraun und Bad Goisern den Kern des Inneren Salzkammerguts bildet, auf der Liste des Unesco-Welterbes. In den Höhlen sorgen seit 2007 zahlreiche Installationen der Kunstuniversität Linz für besondere Akzente. So kann man in der Mammuthöhle Projektionen riesiger Kirchenfenster bestaunen und in der Rieseneishöhle den Klängen der „Atmenden Höhle“ lauschen. Wieder im Tageslicht angekommen, müssen sich die Besucher entscheiden, ob sie den Tag lieber gemütlich im Restaurant auf der Schönbergalm ausklingen lassen oder doch noch den Gipfel des Krippensteins mit der spektakulären Aussichtsplattform „5fingers“ oder einem der Themen-Wanderwege stürmen wollen. Egal, wie die Entscheidung ausfällt, eins ist sicher: Nie war das Eintauchen in die Erdgeschichte spannender und abwechslungsreicher als am Dachstein.

Brigitte Buberl

DIE REISE-INFOS

REISEZIEL Das Dachsteinmassiv ist ein Gebirgsstock in den nördlichen Kalkalpen. Anteile haben die österreichischen Bundesländer Salzburg, Oberösterreich und Steiermark. Höchster Berg ist der Dachstein mit 2995 Metern. Zu den Dachsteinhöhlen gelangt man per Seilbahn von Obertraun aus.

ANREISE Mit dem PKW von München auf der Salzburger Autobahn und weiter auf den Bundestraßen Salzachtal und Lammertal. Insgesamt zirka 210 Kilometer.

GESCHiCHTE Schon in der Eiszeit war die Region am Dachstein besiedelt, was der Fund eines künstlich durchbohrten Höhlenbärenknochens in der Reiseneishöhle beweist. Vermutlich um 2500 v. Chr. haben Menschen damit begonnen, in der Region Salz zu gewinnen.

HÖHLEN Die Rieseneishöhle und die Koppenbrüllerhöhle sowie die erste Teilstrecke der Seilbahn zur Schönbergalm sind ab 1. Mai geöffnet, ab 8. Mai auch die zweite Teilstrecke der Seilbahn und die Mammuthöhle.

WANDERN Der Heilbronner Rundwanderweg führt auf familienfreundlicher und kinderwagentauglicher Strecke von der Bergstation zum Heilbronner Kreuz. Gehzeit: zirka drei Stunden. Über ein Karsthochplateau führt auf acht Kilometern von der Gjaidalm über das Wiesberghaus zur simonyhütte der Dachstein Nature Trail.

HÜTTEN Lodge am Krippenstein, Dachsteinalm- Gjaidalm, Erlebnisrestaurant Schönbergalm, Simonyhütte, Wiesberghaus KINDERFÜHRUNG Korah, ein Kind aus der Eiszeit, und der kleine Höhlenbär sind die stars der neuen Kinderführung durch die Rieseneishöhle ab 1. Juli. Jeweils um 11.30 und 15 Uhr.

HÖHLENNACHT Ein großes Fest mit Lagerfeuer und Nachtführungen durch die Höhlen startet am Abend des 9. Juli auf der Schönbergalm. Preise das Jubiläumsticket umfasst die Nutzung aller drei Teilstrecken der Dachstein-Welterbe-Seilbahn, jeweils eine Führung durch die Rieseneis- und Mammuthöhle sowie ein Erinnerungsfoto.

Preis: 33 Euro für Erwachsene, 20 für Kinder. Weitere Infos Tourismusbüro Obertraun, Tel. 0043/6131-351, www.obertraun.at, Dachstein Eishöhlen, Tel. 0043/6131-531, www.dachsteinwelterbe.at

Meistgelesen

So sexy: Sie gilt als die heißeste Stewardess der Welt
So sexy: Sie gilt als die heißeste Stewardess der Welt
Ryanair weist Behauptungen der ARD-Doku zurück
Ryanair weist Behauptungen der ARD-Doku zurück
Video
Sommerurlaub 2017: Schöne Ferienorte zu Schnäppchenpreisen
Sommerurlaub 2017: Schöne Ferienorte zu Schnäppchenpreisen
Video
Diese Sandskulpturen auf Rügen sind eine Reise wert
Diese Sandskulpturen auf Rügen sind eine Reise wert

Kommentare