Souvenirhändler raufen sich am Eiffelturm

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In ständiger Sorge vor der Polizei verkaufen Hunderte illegaler Souvenirhändler in Paris ihre Andenken.

Für Verliebte zählt der Pariser Eiffelturm zu einem der romantischsten Orte der Welt. Doch die Stimmung dort ist gekippt.

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Unterm Pariser Eiffelturm regiert die Furcht. “Man weiß nie, wann sie auftauchen“, sagt Samuel, und schaut sich aufmerksam um. “Sie“, dass sind Polizeistreifen - zu Fuß, per Rad oder Mannschaftstransporter. Ihr Ziel: Illegale Souvenirhändler wie der Kongolese Samuel, der an einem riesigen Ring Dutzende kleiner Plastik-Eiffeltürme als Schlüsselanhänger feilbietet. Auf rund 300 wird die Zahl der illegalen Händler unter dem berühmtesten und meistbesuchten Wahrzeichen der Welt geschätzt.

Mitbringsel, die keiner braucht

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Knapp sieben Millionen Besucher aus aller Welt kommen jährlich an diesen Platz - ein riesiger Kundenstamm für die meist jungen Immigranten, von denen viele illegal im Lande sind und sich mit den Verkaufserlösen für ihren Ramsch finanziell über Wasser halten. Ihre Einkünfte kompensieren die ständige Sorge vor der Festnahme. Die meisten kommen aus Afrika, einige aus Asien oder Osteuropa; sie jonglieren - je nach Touristengruppe - mit ein paar aufgeschnappten Brocken Deutsch, Italienisch, Spanisch oder Englisch.

Bei gutem Feilschen kosten ihre Andenken - Feuerzeuge, Kopftücher, Taschen, Magnete, alle mit aufgedruckter Eiffelturm-Silhouette - etwa ein Drittel weniger als bei den etablierten Andenkenhändlern. Dass die Qualität der meist aus China stammenden Produkte auch geringer ist, stört die Touristen kaum - ein etablierter Händler klagte der Zeitung “Le Parisien“, er habe durch die illegale Konkurrenz einen 70-prozentigen Umsatzeinbruch innerhalb von drei Jahren erlitten.

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Die Ware der fliegenden Händler liegt meist am Boden ausgebreitet auf Stofftüchern. Die sind an den Enden verknotet und mit einer Leine so verbunden, dass ein kurzer Ruck beim geringsten Anzeichen einer Polizeiuniform Stofftuch und Inhalt in einen handlichen Beutel für die Flucht verwandelt. Es ist ein ewiges Katz-und-Maus-Spiel - nur Minuten nach der Flucht sind die Händler wieder am gleichen Ort. Doch seit dem Wochenende ist der Burgfriede gestört. Am Sonntag lieferten sich rund hundert Händler vor den Augen verdutzter Touristen aus aller Welt heftige Schlägereien mit den Ordnungshütern.

Während auf dem benachbarten Marsfeld die Fußball-WM der Obdachlosen stattfand, griffen Händler eine Polizeistreife an. Die Situation eskalierte, als beide Seiten Verstärkung erhielten. Das offizielle Ergebnis: Drei verletzte Polizisten - über die Blessuren der Händler gab es zunächst keine Angaben. Die Polizei machte nach französischen Medienberichten “Gerüchte“ für den Ausbruch der Gewalt verantwortlich. Ein junger Händler hatte am Freitag auf der Flucht vor der Polizei auf einem Metro-Gleis einen Stromschlag erlitten - sein gesundheitlicher Zustand soll sich verschlechtert haben, wurde spekuliert. Das stimmte zwar nicht, doch heizte es das eh schon gespannte Klima weiter auf.

Die zuständige Polizeipräfektur hat nach Medienberichten Verstärkung unter den Eiffelturm geschickt und will künftig härter durchgreifen. Nach einem verschärften Gesetz gilt der illegale Verkauf von Artikeln nun als Delikt, für das Haftstrafen drohen. “Jeder fliegende Händler wird ab sofort systematisch festgenommen und es wird keine Toleranz mehr für diese Verkäufe geben“, zitiert die Nachrichtenagentur AFP den zuständigen Polizeipräfekten Jean-Louis Fiamenghi. Nach seinen Angaben nimmt die Polizei täglich bereits 50 bis 60 Händler fest und konfisziert “hunderte Kilogramm“ an Ware, die in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft zerstört wird.

Ralf E. Krüger, dpa

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