Ein Herz und eine Krone

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Tankstelle für die Seele: In der Steiermark, in der, wie es heißt, das grüne Herz Österreichs schlägt, stehen 850 Millionen Bäume.

2011 ist das Jahr des Waldes. Nirgendwo kann man es schöner erleben als in der Steiermark, in der selbsterklärt das grüne Herz Österreichs schlägt. Denn ihr Kapital des Landes ist im wahrsten Sinne des Wortes „gewaldig“.

850 Millionen Bäume stehen in Österreichs zweitgrößtem Bundesland, zwischen der Alpenkette mit Planai, Grimming und Dachstein im Norden und der pannonischen Tiefebene mit ihrem schon fast mediterranen Klima im Süden. Im Jahr des Waldes sind sie das zentrale Urlaubsthema. 10 Tipps dazu, von der tausendjährigen Eiche in Bad Blumau über den Wald der Sinne bis zu Peter Roseggers Waldheimat:

1. Ganz großes Nachttheater

Es ist eine Theaterkulisse, die die Natur geschaffen hat, dramatischer, als ein Regisseur sie je auf eine Bühne bringen könnte. Hunderte von Glühwürmchen verwandeln den Wald nachts in einen Zaubergarten, die Bäume lassen im Mondschein geheimnisvolle Schattengestalten umherirren. Nichts für schwache Nerven. Aber zum Glück sind bei den Nachtwanderungen im Nationalpark Gesäuse ja die Ranger mit dabei. Taschenlampen sind nicht erlaubt. In der Dunkelheit sollen nur die Sterne und die Tieraugen leuchten. Termine im Juli (16. und 30.) und August (13. und 27.), jeweils 21 bis 24 Uhr. Anmeldung eine Woche vorher im Büro des Nationalparks in Admont, Tel. 00 43/36 13/ 211 60 20, online: www.nationalpark. co.at.

2. Die Eiche von Bad Blumau

Ob es ein Zufall ist, dass sie in Bad Blumau steht, dem Ort mit seinen Thermen und dem architektonisch extravagant gestalteten Rognerbad von Künstler Friedensreich Hundertwasser? Ob es ein Zeichen ist für Jungbrunnen und ewiges Leben, dass die Eiche auf dem Weinberg schon 1000 Jahre überlebte? Zugegeben, ein paar Bypässe im Stamm (2,50 Meter Durchmesser, 8,75 Meter Umfang) und Schönheitsoperationen, bezahlt von Millionärswitwe Heidi Horten, waren für die Revitalisierung der ältesten Eiche Europas inzwischen nötig. Im Jahr des Waldes treibt sie aber in alter Frische. Wer auf der Bank in ihrem Schatten verweilen will, nimmt den Bad Blumauer Rundwanderweg 3 oder die Fahrradwege B7 oder FF8.

3. Rosegger und die Waldschule

Urlaub für Entdecker: Mit Veranstaltungen und Aktionen wird die Steiermark im Jahr des Waldes zum Abenteuerspielplatz für Groß und Klein.

 „Wenn die Mutter Natur es will, so bringt sie alle Menschen zum Lächeln.“ Für solche Sätze ist Peter Rosegger berühmt, der steirische Dichter, der seiner Heimat mit dem „Waldbauernbub“ ein literarisches Denkmal gesetzt hat. In den Fischbacher Alpen war er daheim, im einsamen Nordosten der Steiermark, bettelarm die ganze Gegend aber von einem unglaublichen Waldreichtum gesegnet. Es ist das Land der vielen Quellen, das Wien und Graz bis heute mit seinem klaren Wasser versorgt. Das Land der Wanderer und Pilger. Roseggers Geburtshaus, der Kluppeneggerhof in Krieglach bei Mürzzuschlag, ist heute ebenso Museum wie, eine halbe Stunde Fußmarsch entfernt, die Waldschule, die der Dichter 1902 für die Bauernkinder errichten ließ. Und wer schon mal in der Gegend ist, der muss natürlich unbedingt rauf auf das 1782 Meter hohe Stuhleck, den höchsten Gipfel am Ostrand der Alpen. Bei schönem Wetter liegt einem halb Österreich zu Füßen. Reiche arme Waldheimat...

4. Über allen Wipfeln

Im Wald spazierengehen kann man überall, über Baumkronen laufen nicht. Mit 1300 Stufen, 28 Türmen, vier Plattformen und 14 Brücken, das Ganze aus massivem Lärchenholz gebaut, entstand in Rachau bei Knittelfeld Europas höchstgelegener Waldwipfelpfad. 2,7 Kilometer ist er lang, verläuft 20 Meter über dem Waldboden mit Blick auf Gleinalm und Seckauer Alpen, die Kirchtürme in Augenhöhe. Info und Anmeldung zu Führungen unter Tel. 00 43/35 12/445 99, www.wipfelwanderweg. at.

5. Der Baum fürs Herz

 

Sie gehören zur Familie der Kieferngewächse, können bis zu 25 Meter hoch und bis zu 1000 Jahre alt werden und ihr Duft ist die reinste Wellness – wissenschaftlich erwiesen! Denn laut einer Studie des Johanneum Research Institutes verlangsamt der Geruch der Zirbelkiefer den Herzschlag pro Tag bis zu eine Stunde, was widerum den körperlichen und seelischen Erholungsprozess beschleunigt. Das steirische Zirbenland, das ist die Region im Oberen Murtal, rund um die Gemeinden Amering und Obdach, St. Anna und St. Wolfgang am Zirbitz, dem 2397 Meter hohen Berg, dessen Name sich allerdings nicht von der Zirbe, sondern aus dem slowenischen Zirbiza (= Rote Alm) ableitet und auf die rostblättrige Alpenrose zurückzuführen ist. 330 Kilometer markierte Wanderwege gibt es im Zirbenland, außerdem Themenwanderungen wie die mit Kräuterpädagogin Elisabeth Reiter. Infos dazu bei ihr direkt unter Tel. 00 43/35 72/853 20, Weitere Infos über den Tourismusverband Steirisches Zirbenland, Tel. 00 43/35 78/34 06.6.

6.  In der Schwammerl-Schule

Ein Prachstück!

Die Wald-Tafel ist reich gedeckt, aber was darf ich davon essen und was sollte ich lieber sein lassen? Diese Fragen beantwortet Pilzexperte Herbert Glöckler bei einem dreitägigen Seminar einschließlich Wanderung und anschließender Kochschule mit Verkostung in Gai im Bezirk Leoben an der Mur. Seminarort ist das Landhotel Reitingblick. Mit Schulungsunterlagen, geführter Exkursion, Kochschule und gemeinsamen Essen kostet das Seminar 157 Euro pro Person im Doppelzimmer. Termine im August, September und Oktober. Info/Buchung beim Tourismusverband unter Tel. 00 43/38 47/340 11, www.herzbergland.at.

7. Waldschutz mit Schokolade

Die Steiermark steht kulinarisch nicht nur für Wein, Käse und Kürbiskernöl, sondern auch für Schokolade. Sie ist handgeschöpft, rein bio und nur aus Fair- Trade-Produkten gefertigt. Weil das ihrem Erfinder Josef Zotter noch nicht nachhaltig genug ist, unterstützt er mit dem Verkauf jeder Tafel Waldstück-Schokolade ein Regenwald-Projekt in Laos. 108 173 Zotter-Bäume stehen inzwischen im Schutzgebiet Xe Pian. Der dort lebende, vom Aussterben bedrohte Tiger dankt es ihm. Die in freier Natur lebenden Hochlandrinder, Schweine, Enten, Gänse und Hühner auf dem Erlebnisbauernhof rund um die Zotter-Manufaktur in Riegersburg östlich von Graz auch. Infos unter www.zotter.at.

8. Wald der Sinne 23

Kraftplätze reihen sich auf einem Rundweg im Wald der Sinne in Neuburg an der Mürz. Verschiedene Elemente intensivieren die Gefühlswahrnehmung, von der Balancierscheiben über den Barfußparcours und die Klangscheibe bis zum Moosbett. Man kann den Weg alleine gehen oder an Führungen mit Psychomotorikerin Barbara Holzer teilnehmen (Anmeldung unter Tel. 00 43/650/732 21 66). Infos unter www.muerzeroberland.at. Geöffnet ab 1. Mai.

9. Der Urwald in der Stadt

Ausgerechnet in der Landeshauptstadt Graz, in der eine Viertel Million Menschen leben, wächst der einzige Urwald der Steiermark mit Riesenmammutbäumen, die sonst in Mitteleuropa gar nicht heimisch sind. Entstanden ist der Urwald am Messendorfberg auf dem Gelände einer ehemaligen Baumschule, die nach dem Ersten Weltkrieg aufgelassen wurde. Inzwischen dient das drei Hektar große Areal, das sich die Natur zurückerobert hat, als Naturlernort.

10. Der Unterwasserwald

Und zuguter Letzt muss das auch noch gesagt werden: Nämlich, dass der Wald in der Steiermark sogar im Wasser wächst. Am Kammerboden, einem Uferstück des gleichnamigen Sees hinter dem Toplitzsee werden die Bäume aufgrund einer speziellen Grabensituation ständig unterspült. Da gilt es, Standhaftigkeit zu beweisen.

ch

DIE REISE-INFOS ZUR STEIERMARK

REISEZIEL Die Steiermark ist das zweitgrößte Bundesland Österreichs. Es grenzt an die Bundesländer Kärnten, Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich und das Burgenland sowie im Süden an Slowenien. Hauptstadt ist Graz. Die Steiermark wird auch das grüne Herz Österreichs genannt, weil rund 61 Prozent ihrer Bodenfläche bewaldet sind und ein weiteres Viertel als Wiesen, Weiden, Obst- und Weingärten genutzt wird.

ANREISE Mit dem Auto über die Autobahn Salzburg-Graz oder Passau-Graz. Zirka 380 Kilometer, knapp viereinhalb Stunden Fahrzeit. Mit dem Zug über Salzburg nach Graz.

TERMINE 1. Mai: Apfelblütenfest im Apfeldorf Puch in der Oststeiermark, Landlust-Kirtag beim Schloss Obermayerhofen im steirischen Thermenland 2. bis 5. Juni: Narzissenfest im Ausseerland. 10. bis 12. Juni: Frühlingsfest der Pferde in Ramsau, Umzug mit über 100 Pferden. 18. und 19. Juni: Tage der offenen Kellertür in über 60 Betrieben im steirischen Weinland.

FAMILIENURLAUB Jedes der 22 ausgewiesenen Familienhotels in der Steiermark hat zum Jahr des Waldes seinen eigenen Hausbaum benannt. In der Oststeiermark ist das ein Apfelbaum, auf der Turracher Höhe die Zirbe und in der Hochsteiermark die Lärche. Arrangements unter www.familienurlaub-steiermark.at/de/angebote/ wald-wochen.

ZIRBENZIMMER Baumspezialität der Steiermark ist die Zirbenkiefer. Ihr Duft wirkt sich positiv auf den Herzrhythmus aus. Überall im Land können deshalb spezielle Zirbenzimmer für die Übernachtung bestellt werden, z.B. im Almdorf Reiteralm in Pichl/Enns in der Dachstein-Tauernregion, im Hotel Erzherzog Johann in Bad Aussee oder im Zirbenland selbst bei den Komfort Appartements in Weißkirchen.

RAD/MOUNTAINBIKE Mehr als 1500 Kilometer beschilderte Touren aller Schwierigkeitsgrade ziehen sich durchs Land, davon allein 930 Kilometer in der Mountainbike-Hochburg Schladming-Dachstein. Zusammen mit Ramsau am Dachstein und dem Ausseerland bildet die Region ab Mai außerdem ein einheitliches Netz an Verleih- und Akkuwechselstationen für E-Bikes.

WEITERE INFOS Steiermark Tourismus, Tel. 00 43/316/400 30, www.steiermark.com.

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