Was von der Titanic in Kanada übrig blieb

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Treibgut: Der Deckchair steht im Museum in Halifax.

Am Morgen des 15. April 1912 ging in der Funkstation auf der Halbinsel Avalon das Notsignal ein: CQD MYG. Wenige Stunden zuvor hatte die Titanic ... einen Eisberg gerammt. Zum 100. Jahrestag der Schiffskatastrophe sind in Kanada zahlreiche Gedenkfeiern und Ausstellungen geplant.

St. John’s und Halifax, im April:

David Myrick blickt vom Cape Race hinaus auf den Atlantik. Er kennt die Ereignisse der Schicksalsnacht genau. Sein Großonkel war damals in der Funkstation, als das Notsignal der Titanic einging. Wenn sich der Untergang am 15. Aprilzum 100. Mal jährt, plant Myrick eine große Gedenkfeier. Dann sollen die Exponate aus dem Titanic-Museum von St. John’s herangeschafft werden: Fotografien, Dokumente, Zeitungsausschnitte und Film-Requisiten. Die Organisatoren rechnen mit einem Massenauflauf an der sonst so einsamen Steilküste, an der jedes Jahr ab April die Eisberge im Labradorstrom vorbeitreiben.

James Cameron taucht zum tiefsten Abgrund der Erde

„Titanic“-Regisseur James Cameron hat sich einen Traum erfüllt und ist mit einem Spezial-U-Boot zum tiefsten Punkt der Weltmeere getaucht. © dapd
Mit der „Deepsea Challenger“ erreichte er im Marianengraben eine Tiefe von fast elf Kilometern und verbrachte mehr als drei Stunden auf dem Meeresgrund. © dapd
Am Montagmorgen (Ortszeit) kehrte er an die Oberfläche des Pazifischen Ozeans zurück, wie die National Geographic Society erklärte. © dapd
Zwar hatten schon 1960 der Schweizer Ingenieur Jacques Piccard und der US-Kapitän Don Walsh den tiefsten Punkt der Erde erreicht, der rund 320 Kilometer südwestlich von Guam liegt. © dapd
Allerdings konnten sie damals praktisch nichts sehen, weil ihr U-Boot so viel Sand vom Meeresgrund aufgewirbelt hatte. © dapd
Cameron dagegen hatte drei Stunden Zeit, die Tiefseewelt zu erkunden und zu filmen, bevor er sich wieder an den Aufstieg machte. Geplant hatte er einen Aufenthalt bis zu sechs Stunden. © dapd
 © dapd
Die Fahrt zur Wasseroberfläche dauerte dann nur 70 Minuten und verlief damit schneller als erwartet, wie National Geographic mitteilte. © dapd
Berichte über den Gesundheitszustand des 57-jährigen Regisseurs lagen zunächst nicht vor. Der Arzt der Expedition, Joe MacInnis, sagte vor dem Tauchgang, Tests in mehr als acht Kilometern Tiefe seien problemlos verlaufen. © dapd
Er rechne damit, dass Cameron das Abenteuer unbeschadet überstehen werde. © dpa
Zu den Risiken einer Tauchfahrt in so großer Tiefe gehört unter anderem der extreme Wasserdruck. © dpa
In fast elf Kilometern Tiefe entspricht der Druck dem von drei Geländewagen, die auf einem menschlichen Zeh stehen. © dpa

„Bei der Gedenkfeier wollen wir für alle hörbar den Funkverkehr zwischen der Titanic und Cape Race nachstellen“, sagt Myrick. Er selbst will mit einem Schiff dort hinausfahren, wo die Titanic unterging und von dort aus die Morsetaste bedienen.

Auch das Kreuzfahrtschiff Balmoral wird in der Nacht diese Position ansteuern, mit 1309 Passagieren, exakt so vielen, wie damals an Bord der Titanic waren. Von dort will die Balmoral nach New York fahren, in den eigentlichen Titanic-Zielhafen. Die Gedenk- Kreuzfahrt ist bereits ausverkauft.

Zahlungskräftige Kunden sollen im Juli und August auch das Wrack der Titanic in 3750 Meter Tiefe besichtigen können – bei Tauchexpeditionen zum Preis von 44 000 Euro pro Person. „Das ist eine überwältigende Erfahrung“, versichert Expeditionsleiter Rob McCallum. „Fünf bis sieben Stunden bleiben wir unten.“

Das Expeditionsschiff startet im Naturhafen von St. John’s. Die Stadt gilt als älteste Stadt Nordamerikas. Die hölzernen Fischerhäuser des Battery-Viertels am hang säumen den Eingang der großen Bucht. Titanic-Freunde aber zieht es zur Ryan Mansion, einer noblen Herberge, in deren Eingangshalle eine opulente Holztreppe in die oberen Gemächer führt. Sie wurde von denselben Kunsthandwerkerngefertigt, wieeinstder große Hauptaufgang in der Titanic. Der reiche Fischhändler James Ryan hatte sich die Villa um 1910 errichten lassen. Auf einem seiner SchiffewurdedieTreppenachNeufundland transportiert.

Die letzte Nacht auf der Titanic spielen die Betreiber der Ryan Mansion regelmäßig nach – kulinarisch. ChefkochStephanO’Brien bereitet dann eine Auswahl aus dem 14-Gänge-Menü zu, das Passagiere der ersten Klasse am Abend des 14. April 1912 an Bord der Titanic serviert bekamen.

Auch ein paar hundert Kilometer südlich von St. John’s, in Halifax in der Provinz Nova Scotia, dreht sich alles um die Titanic. Halifax war zur Unglücksstelle der nächstgelegene größere Hafen. Von hier liefen die Rettungsschiffe aus. 121 der 1500 Toten sind auf dem Friedhof in Halifax begraben. Für Erinnerungen ist auch die Titanic- Ausstellung im Maritime Museum eine gute Anlaufstelle. Dort ist auch ein Liegestuhl zu sehen, der an Deck der Titanic stand.

St. Weissenborn/Ch. Strotmann

 

Die Reise-Infos

Reiseziel

St. John’s ist die Provinzhauptstadt der kanadischen Provinz Neufundland und Labrador. Sie liegt an der Südostküste der Insel Neufundland, auf der Halbinsel Avalon. Die Stadt hat rund 100000 Einwohner. Halifax ist die Hauptstadt der Provinz Nova Scotia in Kanada.

Anreise

Mit Air Canada oder Lufthansa von München mit ein bis zwei Zwischenstopps nach St. John’s oder Halifax. Ab ca. 900 Euro. Je nach Verbindung sollten für den Flug bis zu 20 Stunden eingeplant werden. Cape Race erreicht man am besten mit einem Mietwagen, die Fahrt dauert ab St. John‘s rund drei bis vier Stunden.

Reisezeit/Klima

Neufundland hat vier Jahreszeiten, beste Reisezeit ist der Sommer. Auch im Frühling kann es schon mild sein. Im Winter pendeln die Temperaturen zwischen 0 und manchmal minus 50 grad Celsius. 

Geld

Ein Euro ist derzeit rund 1,32 Kanadische Dollar wert (stand: 9. Februar 2012). Geld bekommt man an vielen Automaten auch mit deutschen EC-Karten, sollte dies aber vorher mit seiner Bank abklären. Auf alle Preise kommen noch die Steuern (Harmonized Sales Tax) von 13 Prozent.

Weitere Infos

Canadian Tourism Commission, Düsseldorf, Tel. 0211/8285530, www.meinkanada.com. Travel Marketing Rhomberg, Tel. 02104/797454, im Internet: www.novascotia.com.

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