Coronavirus

Türkei-Urlaub in greifbarer Nähe: Bundesregierung hebt Reisewarnung in beliebten Touristenregionen auf

Die Türkei ist eines der beliebtesten Reiseländer unter Deutschen. Nun hebt die Bundesregierung ihre Reisewarnung für wichtige Urlaubsgebiete wieder auf.

  • Die Türkei ist unter deutschen Urlaubern sehr beliebt.
  • Aufgrund der Corona-Pandemie sprach die Bundesregierung eine Reisewarnung aus.
  • Nun wurde die Warnung für beliebte Urlaubsgebiete in der Türkei wieder aufgehoben.

Türkei-Urlaub trotz Corona: Bundesregierung hebt Reisewarnung zum Teil auf

Update vom 5. August: Über diese Nachricht dürften sich einige Urlauber freuen: Die Bundesregierung hat nach langem Zögern die Reisewarnung für einige der wichtigsten Touristengebiete der Türkei wieder aufgehoben. Seit Dienstag gilt sie nicht mehr für die Provinzen Antalya, Izmir, Aydin und Muğla. Wie das Auswärtige Amt informiert, geschieht dies unter der Voraussetzung der strikten Einhaltung des von der türkischen Regierung verfügten Tourismus- und Hygienekonzepts.

Dazu gehören verpflichtende Corona-Testungen für alle Reisenden in der Türkei innerhalb von 48 Stunden vor der Rückkehr nach Deutschland. Die Kosten dafür müssen von den Urlaubern selbst getragen werden und belaufen sich umgerechnet zwischen 15 Euro in einem zertifizierten Labor und 30 Euro am Flughafen. Bei der Einreise in die Türkei werden Temperaturmessungen durchgeführt, bei erhöhter Temperatur kann auch ein PCR-Test vorgenommen werden.

Die Aufhebung der Reisewarnung in den genannten Touristengebieten erklärte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer laut einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur mit der relativ niedrigen Zahl an Neuinfektionen vor Ort sowie dem Tourismus- und Hygienekonzept der Türkei. „Bei einer Verschlechterung der pandemischen Lage kann die Reisewarnung auch für die genannten vier Provinzen wieder eingeführt werden“, betonte sie aber.

Der türkische Tourismusminister Mehmet Nuri Ersoy zeigte sich auf Twitter erfreut über die Entscheidung der Bundesregierung: „Wir sind bereit, unsere deutschen Gäste im Rahmen des ‚Zertifikationsprogramms für gesunden Tourismus‘ zu empfangen.“

Rechtsanwalt will Quarantäne nach Türkei-Reise umgehen - Verwaltungsgerichtshof lehnt ab

Update vom 21. Juli 2020: Für eine Reise in die Türkei besteht seitens des Auswärtigen Amtes weiterhin eine Reisewarnung, ebenso drohen zwei Wochen Quarantänepflicht für Urlauber, die von dort zurückkehren. Ein Stuttgarter Rechtsanwalt hatte laut Informationen der Deutschen Presseagentur vor Kurzem einen Eilantrag gestellt, weil er ab kommender Woche für zwei Wochen in die Türkei nach Izmir reisen wollte. Darin verwies er darauf, dass der 14-tägige Rückzug in die Wohnung aufgrund der Hygienemaßnahmen in der Türkei rechtswidrig sei. Der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim lehnte den Antrag jedoch ab.

Demnach entfalle die Quarantäne nach Reisen in Risikogebieten laut 1. Senat nur, wenn der Einreisende maximal 48 Stunden vor der Ankunft in Deutschland einen Corona-Test vorgenommen hat, der negativ ausgefallen ist. Grundsätzlich sei es nicht zu beanstanden, die Pflicht zur Quarantäne an die Ausreise aus einem ausländischen Risikogebiet mit vielen Virusansteckungen zu knüpfen. Schließlich könne dadurch auch in Deutschland das Virus weiterverbreitet werden. Der Beschluss (Az.: 1 S 1792/20) ist unanfechtbar.

In einigen Bundesländern werden Zuwiderhandlungen gegen die Quarantänepflicht und gegen die Corona-Maßnahmen generell mit hohen Geldstrafen versehen - in Nordrhein-Westfalen sind bis zu 25.000 Euro möglich. Familie Harreiner aus Feldkirchen will ihren Türkei-Urlaub wegen der Reisewarnung aufgrund der Corona-Krise umbuchen, doch der Anbieter stellt sich quer.

Türkei-Urlaub trotz Corona: Horrende Preise für Touristen auf Halbinsel Bodrum

Update vom 2. Juli 2020: Im Zuge der Corona-Pandemie kämpft auch die Tourismus-Branche in der Türkei ums Überleben. Besonders die Halbinsel Bodrum, eine beliebte Destination für Touristen, macht darum nun wegen horrender Preise Schlagzeilen. In den sozialen Netzwerken macht ein Foto die Runde, das den Kassenzettel eines Urlaubers zeigt, der von dort stammen soll. Darauf ist zu sehen, dass ein Döner knapp 370 Türkische Lira kostet - was umgerechnet 48 Euro sind. Ein doppelter Espresso kostet stolze acht Euro, ebenso wie eine Cola.

Die Tageszeitung Hürriyet Daily News berichtet zudem von privaten Strandclubs auf der Halbinsel Bodrum, die nun Gebühren von rund 70 Euro von Touristen verlangen, wenn sie im Meer schwimmen wollen, aber nicht in einem entsprechenden Hotel wohnen.

In einer Pressekonferenz am Sonntag (28. Juni) verteidigte der Bürgermeister von Bodrum diese Preise. Laut dem Daily Sabah sagte er, dass der Ort vom Tourismus abhängig sei und deshalb "die Verantwortung habe, alles was er nur kann, bis zum letzten Penny aus den Taschen der Urlauber zu ziehen". Weiterhin soll er gesagt haben: "Es ist mir egal, wenn jemand viel Geld für einen Döner zahlen will. Sie können bis zu 100.000 Türkische Lira dafür zahlen, wenn sie wollen."

Die Geschäfte hätten durch die Pandemie einen schweren Schlag einstecken müssen. Trotzdem gäbe es noch Orte, an denen Döner für 2,50 Euro verkauft werden würden. Zu guter Letzt fügte er laut Daily Sabah aber doch noch an: "Natürlich heißt das nicht, dass sie (Anm. d. Red.: die Geschäfte) zu viel von den Urlaubern verlangen dürfen."

Risikoliste der Bundesregierung: Türkei als Corona-Risikogebiet

Berlin - Für Europa ist die Lage ziemlich klar: Der Urlaub kann beginnen. Aber was ist mit den anderen Ländern? Eine Risikoliste der Bundesregierung gibt dafür Anhaltspunkte. Darauf steht ein Land, dass bei deutschen Touristen besonders beliebt ist.

Die Bundesregierung hat die Türkei zusammen mit 130 weiteren Ländern als Corona-Risikogebiet eingestuft. Auf der Liste, die bereits am Montag (15. Juni) zum ersten Mal vom Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlicht wurde und nun regelmäßig aktualisiert wird, stehen auch andere beliebte Urlaubsländer der Deutschen wie Ägypten, Thailand und Marokko.

Einreisende aus einem Risikogebiet müssen damit rechnen, dass sie 14 Tage in Quarantäne müssen. Für diese Länder ist unter anderem deswegen eine Aufhebung der immer noch für mehr als 160 Länder außerhalb der Europäischen Union geltende Reisewarnung nach jetzigem Stand unwahrscheinlich. Es gebe aber "keine Automatismen", betonte ein Sprecher des Auswärtigen Amts.

Vor allem die Türkei, das drittbeliebteste Urlaubsland der Deutschen nach Spanien und Italien, drängt auf eine Aufhebung dieser Reisewarnung und wirbt um deutsche Touristen. Der türkische Außenminister Mevlüt Çavusoglu hatte sich vor wenigen Tagen enttäuscht über die Beibehaltung der Reisewarnung gezeigt. "Die wissenschaftlichen Gründe hinter der Entscheidung sind für uns nur schwer zu verstehen", sagte er dem Spiegel. Alles sei vorbereitet für eine sichere Reise in die Türkei.

Neuinfektionen stark gestiegen: Darum gilt die Türkei als Corona-Risikogebiet

Am Dienstagabend (16. Juni 2020) meldete der türkische Gesundheitsminister Fahrettin Koca allerdings rund 1.500 Neuinfektionen in 24 Stunden - fast doppelt so viele wie Anfang Juni (rund 800). Zum Vergleich: In Deutschland, wo wie in der Türkei rund 83 Millionen Menschen leben, wurden am Mittwochmorgen 345 Neuinfektionen in 24 Stunden gemeldet.

Die offiziellen Fallzahlen der Türkei werden in der Bundesregierung ohnehin mit Skepsis betrachtet. Zur Beurteilung von Risikogebieten kommt es nicht nur auf die reine Datenlage an - es geht auch um Transparenz. Die Türkei erklärt zwar, dass die Infektionszahlen in Tourismusgebieten gering und Intensivbetten ausreichend sind, eine regionale Aufschlüsselung der Fallzahlen gibt sie allerdings nicht bekannt. Das dürfte in Berlin nicht für Vertrauen sorgen.

Die Türkei versucht aber, mit einem Zertifikationsprogramm zu punkten, das auch vom TÜV Süd geprüft wird. Hotels und Gastronomen können daran freiwillig teilnehmen. Dazu muss ein ganzer Katalog von Auflagen erfüllt werden. Am Stränden etwa muss ein Sicherheitsabstand eingehalten und Gebrauchsgegenstände in Räumen desinfiziert werden. In Hotels und Flughäfen werden Wärmebildkameras eingesetzt. Reisende müssen sich nach Angaben des Innenministeriums bei der Einreise zudem einem Gesundheitscheck unterziehen. Bei Symptomen und Bedarf kann demnach ein kostenloser Coronatest gemacht werden.

Türkei-Urlaub: Das müssen Reisende beachten

Vorsorgemaßnahmen bei Einreisenden in die Türkei:

Bei der Reisewarnung handelt es sich um kein Reiseverbot, weshalb es einige Urlauber trotzdem in die Türkei verschlägt. Das Einreiseverbot ist für deutsche Staatsangehörige seit dem 11. Juni aufgehoben. Wie das Auswärtige Amt informiert, würden bei der Einreise in die Türkei Gesundheitsuntersuchungen durchgeführt werden. Sollte dabei eine erhöhte Temperatur oder weitere Symptome festgestellt werden, würde ein Corona-Test gemacht werden. Bei einem positiven Ergebnis wird demnach eine medizinische Behandlung angeordnet - auch Quarantänemaßnahmen sind nicht ausgeschlossen.

Einreisemöglichkeiten und öffentliche Verkehrsmittel:

Es bestehen regelmäßige Flüge aus der Türkei nach Deutschland und umgekehrt, informiert das Auswärtige Amt. Auch die Land- und Seegrenzen seien offen, außer die Landgrenze zum Iran. Wer innerhalb der Türkei mit einem Zug reist oder fliegt, braucht einen Genehmigungscode ("HES"-Code). An diesen kommen Reisende per SMS oder mithilfe einer App. Fluggesellschaften erteilen dazu Auskünfte und Hinweise.

Alltägliches Leben und Maskenpflicht in Corona-Zeiten in der Türkei:

Aufgrund von landesweiten Schul- und Universitätsprüfungen gelten in allen Provinzen allgemeine Ausgangssperren, heißt es laut Auswärtigem Amt. Ausgangssperren gelten am Samstag, den 27. Juni von 9.30 bis 15 Uhr und am Sonntag, den 28. Juni von 9.30 bis 18.30 Uhr. Zudem gilt für Menschen über 65 Jahre eine allgemeine Ausgangssperre von 20 bis 10 Uhr. Zwischen den Provinzen lässt sich nur mit einer Genehmigung reisen.

In öffentlichen Verkehrsmitteln, auf Marktplätzen und in Supermärkten der Türkei herrscht zudem eine Maskenpflicht. In größeren Städten wie Istanbul und Ankara gilt das sogar im ganzen öffentlichen Raum. Es müssen drei Schritte Abstand zu anderen Menschen gehalten werden.

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Mehr als 30 Nicht-EU-Staaten keine Risikogebiete

Die Bundesregierung hatte die wegen der Corona-Pandemie verhängte weltweite Reisewarnung für Touristen am Montag für 27 europäische Länder aufgehoben. Für mehr als 160 Staaten außerhalb der EU besteht sie zunächst bis zum 31. August weiter, kann aber für einzelne Länder auch vorher aufgehoben werden.

Für ein Risikogebiet ist das aber unwahrscheinlich, weil die Kriterien denen ähneln, die bei der Reisewarnung angewendet werden. Ausschlaggebend für eine Einstufung als Risikogebiet ist wie bei der Reisewarnung die Zahl der Neuinfektionen. Sind es mehr als insgesamt 50 auf 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche, gilt ein Land als Risikogebiet. Aber auch wenn die Infektionszahl niedriger liegt, kann ein Land zum Risikogebiet erklärt werden - zum Beispiel bei mangelnden Testkapazitäten oder unzureichenden Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie. "Ebenso wird berücksichtigt, wenn keine verlässlichen Informationen für bestimmte Staaten vorliegen", heißt es auf der Internetseite des RKI.

Die Länder außerhalb der EU, die nicht als Risikogebiet eingestuft wurden, können sich dagegen nun Hoffnung auf eine Aufhebung der Reisewarnung machen. Dabei handelt es sich um mehr als 30 Staaten, darunter Tunesien als ein nicht weit von Europa gelegenes Ferienziel, das auf Urlauber aus Deutschland hofft.

29 US-Bundesstaaten auf der Liste

In einige andere Länder, die nicht als Risikogebiet eingestuft wurden, macht das für Reisende keinen Unterschied. In Australien und Neuseeland gilt beispielsweise noch eine Einreisesperre für Reisende aus der EU, genauso wie in den USA*.

Die Vereinigten Staaten sind das einzige Land, für das die Bundesregierung eine nach Regionen differenzierte Einschätzung abgibt. 29 der 50 Bundesstaaten werden als Risikogebiete eingestuft. Dazu zählen Kalifornien, Florida und die Hauptstadt Washington. Das zwischenzeitlich sehr stark von der Pandemie getroffene New York steht angesichts der deutlichen Verbesserung der Lage dagegen nicht auf der Liste. (fk mit Material der dpa) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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Rubriklistenbild: © dpa/Marius Becker

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