Tiraspol

Das Visum gibt's am Bahnhof - und Lenin überall

Ankunft in einem Land, das international nicht anerkannt ist: Bahnhof von Tiraspol in Transnistrien. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn
1 von 10
Ankunft in einem Land, das international nicht anerkannt ist: Bahnhof von Tiraspol in Transnistrien. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn
Seltene Währung als Souvenir: transnistrische Rubel. Foto: Maria Wiktoria Gorecka/National Inbound Tourism Association of Moldova/dpa-tmn
2 von 10
Seltene Währung als Souvenir: transnistrische Rubel. Foto: Maria Wiktoria Gorecka/National Inbound Tourism Association of Moldova/dpa-tmn
Die russisch-orthodoxe Kathedrale ist eine der wenigen klassischen Attraktionen in Tiraspol. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn
3 von 10
Die russisch-orthodoxe Kathedrale ist eine der wenigen klassischen Attraktionen in Tiraspol. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn
Dieser T-34 ist Teil einer Gedenkstätte, die an die gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs erinnert. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn
4 von 10
Dieser T-34 ist Teil einer Gedenkstätte, die an die gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkriegs erinnert. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn
Die Burg von Bender liegt unweit von Tiraspol. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn
5 von 10
Die Burg von Bender liegt unweit von Tiraspol. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn
Etliche Restaurants in Tiraspol orientieren sich am Standard internationaler Küche - doch in Transnistrien sind die Preise deutlich günstiger. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn
6 von 10
Etliche Restaurants in Tiraspol orientieren sich am Standard internationaler Küche - doch in Transnistrien sind die Preise deutlich günstiger. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn
Fans vom FC Sheriff Tiraspol posieren gern für ein Foto - sie sind auch bestens über deutschen Fußball informiert. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn
7 von 10
Fans vom FC Sheriff Tiraspol posieren gern für ein Foto - sie sind auch bestens über deutschen Fußball informiert. Foto: Bernd Kubisch/dpa-tmn
Mächtige Statue von Lenin in Tiraspol - in der Hauptstadt Transnistriens wird der Sowjetzeit gehuldigt. Foto: Victor Garstea/National Inbound Tourism Association of Moldova/dpa-tmn
8 von 10
Mächtige Statue von Lenin in Tiraspol - in der Hauptstadt Transnistriens wird der Sowjetzeit gehuldigt. Foto: Victor Garstea/National Inbound Tourism Association of Moldova/dpa-tmn

Tiraspol - wo ist das denn? Die eigenartige Stadt liegt in einem Land in Osteuropa, das niemand anerkennt, und verehrt die Helden der Sowjetunion. Grund genug für einen Besuch vor Ort.

Tiraspol (dpa/tmn) - Der Fahrplan am Bahnhof von Tiraspol ist ebenso überschaubar wie die Zahl der ankommenden Ausländer. Gerade rollt der Zug aus Moldawiens Hauptstadt Chisinau in Transnistriens Hauptstadt ein, er wird von hier weiter ans Schwarze Meer fahren.

Transnistrien sagte sich nach dem Zerfall der Sowjetunion umgehend von der gerade unabhängig gewordenen Republik Moldau los, wird aber nicht einmal von Russland anerkannt - und ist vielen Reisenden suspekt. Doch wer ein paar Tage in Tiraspol bleibt, kann seine Vorurteile möglicherweise abbauen.

Devisentausch und Sowjet-Glorifizierung

Keiner der vier Ausländer wartet heute früh mehr als zehn Minuten am Schalter auf sein Visum, das es auch an den Grenzstraßen gibt. Die Menschen auf der Straße machen einen zurückhaltenden und freundlichen Eindruck. Keiner hält die Hand auf. Die Toilettenfrau am Bahnhof bleibt jedoch unerbittlich und öffnet auch für einen Euro nicht die Tür. Zum Glück hilft die Dame am Wechselschalter, tauscht Euro in Transnistrische Rubel. Damit öffnen sich - für Touristen extrem preiswert - Taxis, Busse, Märkte und Restaurants. Und Toiletten.

Die City hat keine klassischen Sehenswürdigkeiten, aber gleicht einem Freilichtmuseum voller sowjetischer Errungenschaften (Panzer, Paradeplätze, Büsten und Statuen von Lenin und anderen Helden des Kommunismus) - sie ist ziemlich einzigartig. Hammer und Sichel, Symbol des Marxismus-Leninismus, prangen auf Fahnen.

Ein Bummel durch die Stadt

Tiraspol ist in drei Stunden bequem zu Fuß zu erkunden. In den Straßen mit den Namen von Rosa Luxemburg, Karl Marx und Lenin stehen Wohnblöcke mit gepflegtem Grün und Spielplätzen. Vielerorts schaukeln und klettern Kinder. Am Bummelboulevard Straße des 25. Oktober schmücken Blumen, blühende Sträucher und Nadelhölzer die Bürgersteige. Kein Abfall am Straßenrand.

Läden, Supermärkte und ein großer "Cyber Shop" wechseln sich mit Amtsgebäuden, Cafés und Restaurants ab. Das "Mafia" hat flächenmäßig sozialistische Größe. Auch draußen sitzen an diesem sonnigen Samstag viele Kunden, genießen Limo, Bier, Blini, Steak und Schokoladentorte.

Der Suworow-Platz eignet sich für Paraden und ist umsäumt von Grünanlagen, Fahnen, Verwaltungsgebäuden, Monumenten und Denkmälern. Stadtgründer Alexander Suworow grüßt auf steinernem Ross. In der Nähe fotografiert ein Vater seinen Nachwuchs auf einem sowjetischen T-34 Panzer, Teil der Ehrengedenkstätte für im Krieg gefallene Soldaten.

Auf dem Zeleny-Markt wird der Geldbeutel geschont. Ein Kilogramm frisch geschälter Walnüsse zum Beispiel kostet umgerechnet nur 2,50 Euro. Bauern aus nahen Dörfern bieten auch Melonen, Äpfel, Gewürze, Tomaten und Kartoffeln an. Ein paar Schritte vom Markt entfernt steht die erst 20 Jahre alte Russisch-Orthodoxe Kathedrale der Stadt mit golden glänzenden Kuppeln. Am nahen Fluss Dnister dröhnt Musik von einem der wenigen Ausflugsdampfer. Am Ufer turteln Liebespaare.

Umsonst ins Stadion

Am modernen Fußballstadion des FC Sheriff Tiraspol gibt es ein paar Verständigungsprobleme. Alle Kassen sind geschlossen. Doch die Einheimischen gehen durch Drehkreuze und Taschenkontrollen. Ein Ordner sieht den hilflosen Touristen, öffnet das Drehkreuz und ruft laut: "Free, free!" Freier Eintritt. Die Heimmannschaft gewinnt 5:0. Sie ist Meister Moldawiens und hat Erfahrung in der Europa League.

Aus Sicht der Regierung in Chisinau ist Tiraspol voller Teil Moldawiens. Und die Kicker vom FC Sheriff sind glücklich, dass sie nicht gegen transnistrische Dorfvereine antreten müssen. Im Sport ist hier die Welt einfacher als in der Politik.

© dpa-infocom, dpa:200916-99-586451/3

Reise- und Sicherheitshinweise zur Republik Moldau

Anreise: Mit dem Flugzeug von Deutschland nach Chisinau, von dort preiswert mit Bahn, Bus oder Taxi nach Tiraspol.

Einreise: Das Visum gibt es an den Straßenübergängen zu Transnistrien und am Bahnhof von Tiraspol. Moldawien verlangt kein Visum, ein Reisepass ist nötig.

Währung: 1 Euro sind etwa 19 Transnistrische Rubel.

Corona-Lage (11.9.2020): Das Auswärtige Amt (AA) warnt wegen der Pandemie derzeit vor touristischen Reisen in die Republik Moldau. Die Einreise nach Moldau ist derzeit zwar ohne Einschränkung möglich - nicht aber nach Transnistrien. In den abtrünnigen Landesteil dürfen nach Angaben des AA weiterhin keine Ausländer einreisen.

Informationen: Tiraspol Tourist Information Center, Soviet Street, House 135 (Tel.: 00373/533 50801, Russisch und Englisch).

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nun doch keine Corona-Testpflicht auf italienischer Insel: Gericht kippt Maßnahmen auf Sardinien
Nun doch keine Corona-Testpflicht auf italienischer Insel: Gericht kippt Maßnahmen auf Sardinien

Kommentare