Für Romantiker: Washington in Pink

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Cherry Blossom Festival in Washington zieht tausende Touristen an.

Washington ist bekannt als Machtzentrum der Welt. Doch für wenige Tage im Jahr überstrahlt ein Meer aus Weiß und Pink den politischen Alltag. Und die US-Hauptstadt wird dann zum Mekka für Romantiker

Eine kleine Zeremonie läutete 1912 ein, was heute zu den größten Touristenattraktionen in Washington zählt. Die damalige Präsidentengattin Helen Taft und die Frau des japanischen Botschafters pflanzten vor einem Jahrhundert zwei Kirschbäume - und legten damit, ohne es zu ahnen, den Keim für eines der bedeutendsten Naturspektakel in den USA: das nationale Kirschblütenfest.

Der Bürgermeister der japanischen Metropole Tokio hatte der US-Hauptstadt damals 3000 Kirschbäume geschenkt. 100 Jahre danach richtet sich Washington wie immer zum Frühlingsanfang auf den Ansturm von über einer Million Besucher ein. Schirmherrin zu dem runden Jubiläum ist niemand Geringeres als die First Lady Michelle Obama.

Washington feiert 100. Kirschblütenfest

Immerhin noch 100 der originalen Bäume, die ein Jahrhundert überlebt haben, reihen sich entlang des Tidal Basins. Am Rande dieses künstlich angelegten Sees, rund drei Kilometer vom Kapitol entfernt, stehen die meisten der insgesamt 3700 Kirschbäume. Sobald die 16 unterschiedlichen Baumarten rund um das Regierungsviertel ausschlagen, strahlen Washingtons Promenaden rund eine Woche lang in schönsten Farben.

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Blühende Botschaft im Frühling: die Kirschblüten blühen etwa zehn Tage. 

Olivier Le Nard und Vanessa Le Minous, Austauschstudenten aus Frankreich, wollen sich das Schauspiel wie so viele Besucher und Einheimische während der Hauptblüte nicht entgehen lassen. Die weiß-pinke Pracht der Kirschbäume am Tidal Basin ist für sie eine wunderschöne Ablenkung vom Studienalltag. „Das ist ein kleines Paradies hier“, sagt der 23-jährige Le Nard, während er eines von vielen Fotos schießt. „Wir sollten hier den ganzen Tag bleiben.“

Den richtigen Zeitpunkt für das Betrachten der Blüten - japanisch „Hanami“ - zu finden, ist auch ein wenig Glücksache. Obwohl das fünfwöchige Festival in Washington gerade erst begonnen hat, öffneten sich die Knospen wegen des ungewöhnlich warmen Wetters früher als erwartet. Kirschblüten blühen nur etwa zehn Tage. Dann beginnen sie vom Wind getragen zu Boden zu fallen.

„Es ist wie das Leben“, sagt Rob DeFeo, Gartenbauexperte des National Park Service (NPS). „Die Blüten blühen und vergehen - kurz aber süß.“ DeFeo und seine Kollegen wässern und stutzen die Kirschbäume das Jahr über, um sie so lange wie möglich am Leben zu halten.

Seit über 100 Jahren blühen die Kirschbäume in der U.S. Hauptstadt.

Gelegentlich erschweren allzu rücksichtlose Besucher jedoch die Arbeit der Parkschützer. Manch ein Tourist belässt es nicht beim Staunen, sondern will ein Stück der Blütenpracht mitnehmen. „Wir halten die Leute davon ab, die Bäume zu verletzen - aber es passiert“, sagt NPS-Sprecherin Carol Johnson. „Sie brechen Zweige oder Blüten ab und steigen auf die Wurzeln der Kirschbäume.“

Das Washingtoner Kirschblütenfest, das seit 1935 in dieser Form gefeiert wird, ist aber längst nicht nur von touristischer Bedeutung. Das japanische Geschenk vor 100 Jahren war als Zeichen für die wachsende Freundschaft zwischen den beiden Ländern gedacht. Die Bäume überdauerten die Feindschaft zwischen den Ländern während des Zweiten Weltkrieges. Nach der japanischen Attacke auf Pearl Harbor 1941 setzte die Stadt die Feierlichkeit zunächst aus. Doch schon zwei Jahre nach der Kapitulation Japans lebte die Tradition wieder auf.

1912 planzte die damalige Präsidentengattin Helen Taft und die Frau des japanischen Botschafters zwei Kirschbäume.

Japan setzt auch im Jahrhundert nach der Pflanzung der ersten blühenden Boten auf die Kraft der „Kirschblüten-Diplomatie“. Der Chargé d'Affair der japanischen Botschaft, Kazuhide Ishikawa, versicherte den Amerikanern anlässlich des Festes, „unsere Freundschaft auf weitere hundert Jahre zu vertiefen“. Dass die originalen Bäume den 200. Jahrestag noch miterleben, ist allerdings unwahrscheinlich. Laut Johnson hätten die 100 alten Kirschbäume ihre Lebenserwartung schon mit dem diesjährigen Jubiläum um beinahe das doppelte überschritten.

Von Lukas Ondreka, dpa

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